Gitarre Hersteller_Seymour_Duncan
Test
1
19.07.2018

Praxis

Die Power Stage 700 wird nun an eine 2 x 12 Box (Celestion G12M) angeschlossen und mit einem Neumann TLM-103 abgenommen. Zuerst starten wir mit der Endstufe ohne vorgeschaltete Effekte oder Preamps, um den Grundsound unseres Testobjekts zu lokalisieren. Einmal mit der Klangregelung in mittlerer 12-Uhr-Position, danach sind die Extremeinstellungen von jedem einzelnen Regler (Bass, Mid, Treble) an der Reihe.

Die Klangregelung hat einiges auf der Pfanne, laut Hersteller sind das 13 dB Cut/Boost in jedem Frequenzbereich, beim Bassregler liegt die Centerfrequenz bei 87 Hz, die Mitten sind bei 712 Hz und der Höhenregler schraubt an 6,61 kHz. Hiermit kann man einiges bewirken und die Sounds auf die entsprechende Lautsprecherbox gut abstimmen.

Beim ersten Einsatz dient die Power Stage 700 als linearer Lautmacher für das Pedalboard. Man erzeugt seine Zerrsounds mit diversen Effektpedalen, hängt die Power Stage 700 ans Ende der Signalkette und als Endstufe an eine Gitarrenbox. Die Cleansounds werden dann quasi von der Endstufe erzeugt, was zwar funktioniert, aber in diesem Anwendungsbereich haben sie für meinen Geschmack etwas zu wenig Charakter. Wer diese Einsatzvariante wählt, sollte am besten noch ein Preamp-Pedal für Cleansounds parat haben. Ihr hört nun drei Beispiele, einmal nur die Power Stage 700 mit Einsatz des EQ, dann mit vorgeschaltetem Preamp Pedal (Boss FBM-1) und zum besseren Vergleich habe ich das Lick noch einmal mit einem Fender Twin aufgenommen.

Weiter geht es mit den Zerrsounds und da kommt ein Bogner Ecstasy Red Pedal ins Spiel, das mit einer Dreiband-Klangregelung ausgestattet ist, daher etwas flexibler eingestellt werden kann als ein Overdrive-Pedal mit einer einfachen Tonblende. Das Ergebnis ist in Ordnung, aber auch hier hat ein (Röhren-) Amp meiner Meinung nach die Nase vorn. Als Zwischenfazit kann man sagen, dass die Power Stage 700 mit Standardpedalen gefüttert werden kann, aber als 1:1 Ersatz für einen knackigen Röhrenamp (mit clean eingestellter Vorstufe) reicht es bei diesem Einsatzbereich nicht.

Ganz anders sieht es bei der Verstärkung von Amp-Modelern aus. Hier haben wir ja das Amp-Model als gut funktionierende Vorstufe und die Power Stage 700 kann nun diesen Grundsound homogen verstärken. In diesem Anwendungsbereich sehe ich auch das Kerngeschäft unseres Testobjekts. Wer ein Helix Rack oder Axe FX im Rack hat, kann sich die Power Stage 700 noch dazuschrauben und hat dann einen zuverlässigen Partner für den Sound auf der Bühne. Hier hört ihr als Vertretung für die Kategorie "digitale Amp Modeler/Profiler" zwei Soundbeispiele von einem Friedman Direkt-Profil, also ohne Lautsprechersimulation, aus dem Kemper Profiler.

Das wäre quasi der Sound auf der Bühne mit einem Amp-Modeler, für die PA würde man das Signal direkt am Modeler abgreifen. Der Bühnensound über die Power Stage 700 macht auf jeden Fall Laune, ist druckvoll und die Leistung ist absolut ausreichend für den Bandeinsatz, auch auf größeren Bühnen. Eine weitere Einsatzmöglichkeit für die Endstufe wäre in einem Wet-Dry-Wet-System als Stereo-Endstufe. Auch das funktioniert problemlos, wenn man das Signal aus Stereo-Effekten an die Power Stage 700 schickt und dann auf zwei Boxen verteilt. Unter Umständen spart man sich auch noch die Mikrofonierung, wenn man dabei die interne Cab-Simulation benutzt. Sie hat zwar nicht den Klangcharakter meiner Gitarrenbox, das Signal ist aber für den Live-Einsatz brauchbar und erzeugt einen soliden Cab-Simulation-Sound. Und zu bedienen ist das Ganz mehr als simpel: einfach einschalten. Hier ist das Friedman Direkt-Profil nun mit der Cab-Simulation aus der Power Stage 700.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare