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Test
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30.08.2017

Praxis

Plastisch und detalliert klingen die Testkandidaten an der akustischen Gitarre

Um die Qualitäten der sE8 an der Akustischen beurteilen zu können, habe ich wieder Kollege Michael Krummheuer ins Studio eingeladen, als Klangquelle fungiert eine Baton Rouge Dreadnought. Als Referenzmikrofone kommen die bekannten Oktava MK012 zum Einsatz, welche auch preislich umgefähr im Bereich der sEs liegen. Zudem gelten die russischen Klassiker als ausgesprochen gut geeignet, wenn es um Gitarrenaufnahmen geht. In den "Achtern" haben sie allerdings ihren Meister gefunden, denn die Chinesen klingen wirklich gut. Positioniert in XY-Aufstellung und im Abstand von etwa 40 Zentimetern auf den zwölften Bund gerichtet, erzeugen die Testkandidaten ein ausgesprochen ausgewogen klingendes Abbild des Gespielten. Besonders fällt die Räumlichkeit auf, mit der die Mikrofone zu Werke gehen, gleichzeitig lösen sie Höhen und obere Mitten sehr gut auf ohne aufdringlich oder harsch zu klingen. Im Vergleich wirken die Oktavas "kleiner" und etwas nöhlend in den Mitten. Auch die räumliche Darstellung ist enger als bei den sEs. Hier könnt ihr euch die Soundfiles anhören, die Testmikrofone habe ich sowohl beim Picking als auch Strumming zusätzlich noch mit dem Low Cut bei 80 Hertz aufgenommen.

Über dem Schlagzeug können die sE8 ebenfalls überzeugen

Als nächste Station wandern die beiden sE8 in ORTF-Anordnung über mein Sakae Trilogy Drumset, welches aus einer 22x14 Bassdrum, 12x8 und 16x16 Toms sowie einer 14x4 Messing-Snare besteht. Bei den Becken handelt es sich um ein Paiste Traditionals Set aus 14er Hats, 18 Zoll Thin Crash und 20 Zoll Medium Ride. Der Hörtest zeigt auch hier zwei sehr ausgewogen klingende Mikrofone, die das gesamte Kit homogen abbilden. Besonders im Kontext mit den Closemics ergibt sich hier ein tolles Gesamtbild ohne unangenehme Schärfen. Gut gefällt mir auch die Übertragung der Details von Snare-Ansprache und Hi-Hat. Im Vergleich gehen die beiden Oktavas hier grobkörniger und spröder zu Werke, Transienten wirken etwas aufgeraut und weniger exakt. Würde man die amerikanischen Trendbegriffe zur Klangbeschreibung bemühen, müsste man die sE8 mit dem Adjektiv "smooth" belegen. Für ein Mikrofon der 200-Euro-Klasse ist das Ergebnis jedenfalls beachtlich.

Als Becken-Closemic kommt den sE der Hochpassfilter zugute

Kleinmembran-Kondensatoren werden traditionell gern als Stützmikrofone zur Abnahme von Hi-Hats und Rides verwendet und wie erwartet, können die beiden Testkandidaten auch in dieser Anwendung überzeugen. Wieder zeigt der Vergleich mit den Oktavas eine insgesamt sehr gefällige, unaufdringliche Abbildung, was speziell bei eher schrill oder scharf klingenden Becken sehr von Vorteile ist. Auch die Übersprechungen der anderen Instrumente im Kit klingen etwas höher aufgelöst und weniger "Dosen-artig" als bei den Oktavas. Der schaltbare Low Cut ist gerade an Becken, welche im Nahbereich ein tieffrequentes Brummen erzeugen, ein Pluspunkt, denn damit lässt sich der Sound direkt an der Quelle "aufräumen". Das Ride-Becken habe ich euch daher auch mit der 160 Hertz Cut Off-Frequenz aufgenommen.

An der Snaredrum besitzt das sE8 fast schon dynamische Eigenschaften

Eine Überraschung hält das sE8 an der Snaredrum parat. Es klingt nämlich fast wie ein lebendiges dynamisches Mikrofon und erinnert mich in dieser Eigenschaft etwas an das Audix i5. Das hatte ich zum Test allerdings nicht parat, daher kommt das obligatorische Shure SM57 als akustischer Anhaltspunkt zum Einsatz. Im Vergleich besitzt das sE natürlich etwas mehr Brillianz, klingt aber nicht so topfig scharf wie viele andere günstige Kleinmembraner an der Snare. Stattdessen bildet es auch die Mitten angemessen präsent ab und wirkt damit kaum weniger druckvoll als der Shure Klassiker. Auch die Übersprechungen sind geringer und klingen zudem auch besser. Als ausgesprochenes Rocksnare-Mic würde ich es trotzdem nicht empfehlen, aber wer einen etwas detaillierten Sound mag, ohne den Bauch der Trommel zu verlieren, sollte sich so ein sE mal anhören.

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