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31.12.2020

Schallwandler Podcast: Pantha du Prince

Gespräche mit Klangforschern und Soundtüftlern

Pantha du Prince über norwegische Trolle, klingende Steine, den Umgang mit der eigenen kritischen Stimme, Fieldrecordings, Buto, den Weg des Performers und das Leben ohne Wohnung

Pantha du Prince ist das Soloprojekt von Hendrik Weber, der 1975 in Bad Wildungen, dem "hessischen Sibirien", geboren wurde. Als Teenager mit 13 Jahren entdeckte Hendrik für sich die Gitarre und so spielte er zunächst Bassgitarre in diversen Bands, wie z. B. ab 2000 bei der beliebten Hamburger Indie-Combo „Stella“, einer der Nachfolgebands der „Hamburger Schule“, die mit einer Mischung aus Rock, Pop und elektronischen Elementen bekannt wurde. Später wechselte Weber zur elektronischen Musik. Er startete mit  einem 16-Kanal-Studiomixer, der Drohnen mit Samples und einem Computer kombinierte.

Diese frühen Experimente bildeten die Grundlage und zwar sowohl für seine experimentelle Musik als „Panthel“ und „Glühen 4“ wie auch später für seinen Techno als „Pantha du Prince“.  

Sein Debut unter diesem Namen, mit dem er berühmt werden sollte, hatte der Musiker 2002 mit der 12 inch EP „Nowhere“. Zwei Jahre später war es Zeit für sein erstes Studioalbum, ein TechHouse Minimal Album. „Diamond Daze“ wurde 2004 begeistert aufgenommen. Dieser Release spiegelte Hendriks Affinität zum britischen „Shoegaze” der späten 80er-Jahre mit Bands wie z. B. „My Bloody Valentine“ wider. Gleichzeitig war die Liebe des jungen Produzenten für „Detroit Techno“ à la Carl Craig und Minimal Techno wie z. B.von Chain Reaction nicht zu überhören.

Es folgten eine Remix 12"-Veröffentlichung („Butterfly Girl Versions“, 2005) sowie neues Material („Lichten/Walden“, 2006) und schließlich 2007 „This Bliss“ sein zweites Studioalbum als Pantha du Prince, wie schon zuvor ebenfalls auf Dial Records. 2010 veröffentlichte er sein drittes Album „Black Noise“ und zwar beim legendärem Londoner Label „Rough Trade Records“. Geoff Travis, der Gründer des Labels höchstpersönlich, brachte den jungen Newcomer zu der englischen Independent-Institution. Für „Black Noise“ war Weber zuvor mit einem Kumpel in Wäldern und Bergen der Schweiz zu Fuß unterwegs gewesen und hatte dort Fieldrecordings gemacht, die später in die Produktion eingeflossen sind. Heute gilt dieses Album „Black Noise“ mit den digitalisierten Naturgeräuschen, knisternden Sounds und Glöckchenklängen längst als Genre-Klassiker. Bei der bedeutenden deutschen Musikpreis-Verleihung „Echo“ in Berlin 2011 wurde Pantha du Prince für dieses Album mit dem Kritikerpreis ausgezeichnet.

Nächste Station von Hendrik Webers Klangforschungen war Norwegen und „minimal music“. 2010 entwickelte Weber unter dem Namen „Pantha du Prince & The Bell Laboratory“ zusammen mit dem norwegischen Komponisten Lars Petter Hagen in Oslo und Berlin ein Stück zeitgenössischer Musik. In The Bell Laborator" erforschen Weber und Hagen Glocken und melodische Perkussion rhythmisch und klanglich und setzen diese in einem Perkussionswerk für ein 64 Glocken großes Carillon um, begleitet von einem sechsköpfigen Ensemble. Die Weltpremiere für dieses Werk wurde im August 2011 auf dem Oya Festival in Oslo furios gefeiert.

Heute arbeitet Weber als erfolgreicher Komponist, Produzent und Konzeptkünstler und auch in seinem aktuellen Projekt The Conference of Trees, seinem inzwischen sechsten Studioalbum, spielen Naturgeräusche eine wichtige Rolle und es geht um die Kommunikation der Bäume. Pantha du Prince hat mit seinem aktuellen Werk versuch dieses Phänomen, was wissenschaftlich längst erwiesen ist, musikalisch und künstlerisch umzusetzen. Natürlich auf seine ganz eigene Art und mit höchst unterschiedlichen Instrumenten. Vom klassischen Cello, über jede Menge Klanghölzer und Glocken in unterschiedlichen Stimmungen bis zu selbstgebauten Instrumenten und Elektronik, schufen Weber und seine vier Mitmusiker eine zehnteilige Suite. Die Aufnahmen sind zum Teil aus Live-Konzerten und im Studio entstanden.

Schallwandler

Als damals das Black Noise Album rauskam und Hendrik damit auf Tour ging, habe ich Pantha du Prince das erste Mal live erlebt – im Ungarischen Haus in Berlin am Alex. Der Raum, der ganz mit Holz verkleidet ist, war abgedunkelt und dann tauchte vor den großflächigen Visuals eine Gestalt in einer langen schwarzen Kutte mit spitzer Kapuze auf. Man konnte kein Gesicht erkennen. Das hatte was total Magisches und Mystisches. Die Musik mit dem Klang der Glocken und den knisternden Sounds hatte mich sofort gepackt. Da war Sehnsucht zu hören und irgendwie hatte das auch was Romantisches. Auf dem Cover der Platte ist ja auch eine Kapelle am Hang eines Berges zu sehen, die sich in einem Bergsee spiegelt, gleichzeitig war der Sound aber überhaupt nicht kitschig oder nostalgisch, sondern total funky und ging in die Beine. Seitdem bin ich Fan! Und es war und ist mir eine große Freude, die Entwicklung dieses einzigartigen Klangkünstlers und Performers zu verfolgen.

Als Hendrik sich bereiterklärt hat, mich in meinem Studio zu besuchen, war ich ganz aus dem Häuschen und ziemlich aufgeregt! Und da stand er dann auch, total pünktlich, denn er kannte die Location gut, weil er selbst mal im Hinterhaus, was ich nicht wusste, sein Studio hatte. Er erschien im lässig existenzialistischem Anzug in solidem Schuhwerk und hatte sich als Snack ein in trockenem Seetang eingewickeltes Reisdreieck mitgebracht. Dazu servierte ich einen Baumtee aus Tiroler Tannennadeln, die ich von meinem letzten Bergbesuch mitgebracht und vor unserem Treffen zu einem würzigen Tee aufgekocht hatte.

Nach kurzem Miteinander vertraut und warm werden verflog die Zeit wie im Flug und wir kamen beim Plaudern von Höckschen aufs Stöckschen, wie man im Ruhrgebiet zu sagen pflegt. Das war der längste Schallwandler Talk, den ich bislang hatte und keinen Moment langweilig. Im Gegenteil!  Vom Afrofuturismus bis hin zu Dinosaur jr gab es viel zu besprechen. Also hört am Besten selbst rein und wie immer: gute Unterhaltung!

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