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Test
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23.04.2015

Roland R-26 Test

Mobiler Digitalrecorder

Der Große von Roland

Der Roland R-26 Portable Recorder im bonedo-Test: Der Roland R-26 ist wohl einer der größten Vertreter der Zunft der Mobilrecorder und hart an der Grenze, das für mobile Digitalrecorder beliebte Jackentaschen-Format zu überschreiten. Die Mitbewerber unseres Testmarathons stellt der Roland R-26 zumindest mit seinen äußeren Maßen buchstäblich in den Schatten.

Doch gilt das auch für Klang und Bedienbarkeit?  Die Zeichen stehen gar nicht so ungünstig. Immerhin bietet der R-26 neben der Kombination aus zwei mischbaren internen Stereo-Mics auch zwei zusätzliche Eingänge mit Phantomspeisung für externe Kondensatormikrofone und einen Touchsceen. Auf den nächsten Seiten sehen wir uns den Roland-Recorder genauer an.

Details

Bestandsaufnahme: Die Ausstattung des Roland R-26

Wie für die Gerätegattung mobiler Digitalrecorder nicht unüblich, bringt der R-26 eine Auswahl an Zubehör mit. So finden sich in der Verpackung neben dem Recorder selbst eine 2 GB große SD-Card und ein USB-Kabel zur Verbindung mit einem Computer. Wer größere Pläne hat, der kann SDHC-Karten mit einer Speichergröße von bis zu 32 GB verwenden, die noch größeren SDXC-Karten werden dagegen nicht unterstützt. Seine Stromversorgung bezieht der Roland R-26 über vier AA-Batterien, die im dafür vorgesehenen Fach auf der Rückseite eingesetzt werden. Der Punkt, dass diese nicht im Lieferumfang enthalten sind, lässt sich wohl verschmerzen — vor allem, da man im Gegenzug mit einem passenden Netzadapter entschädigt wird, der es ermöglicht, den Recorder gänzlich ohne Batterien an einer Steckdose zu betreiben. Im Falle vieler Konkurrenten muss entsprechendes Zubehör für teures Geld dazugekauft werden, und dem ist hier erfreulicherweise nicht so. 

Sollte dem R-26 bei Außenaufnahmen eine frische Brise um die Ohren wehen und für unerwünschtes Rumpeln in den Mitschnitten sorgen, so kann man dies mit dem enthaltenen Windschutz weitestgehend eliminieren. Die kleine Mütze aus Schaumstoff hat zwar eine leichte Neigung zum Zerknittern, erfüllt aber natürlich ihren Zweck. Zum Kennenlernen des Recorders empfiehlt sich die Lektüre des mit etwa 100 Seiten sehr umfangreichen Benutzerhandbuchs, das detailliert über die Bedienung aufklärt und nebenbei einige konkrete Empfehlungen für verschiedene Aufnahmesituationen gibt — leider aber nur auf Englisch. Eine deutsche Version kann jedoch in Form eines PDF-Dokuments von der Herstellerseite heruntergeladen werden. Zudem liegt eine DVD mit einer LE-Version von Cakewalk Sonar X1 bei, die bei der Markteinführung des Roland R-26 im Jahr 2010 noch brandaktuell war, aber auch heute noch gute Dienste beim Verrichten der grundlegenden Nachbearbeitung verrichten wird. Das tut die DAW-Software allerdings nur auf Windows-PCs, denn eine Version für OS X gibt es nicht.

Der R-26 von allen Seiten

Richten wir den Blick auf unseren Testkandidaten selbst! Der Roland präsentiert sich mit seinen prominenten Maßen von 18,0 x 8,2 x 4,1 cm und einem Gewicht von 450 g inklusive Batterien wie ein richtiges Werkzeug. Das Gehäuse ist größtenteils aus solidem Kunststoff mit einigen Metall-Elementen an den Flanken gefertigt und insgesamt sehr gut verarbeitet. Auch die am Kopfende sitzenden internen Mikrofone werden durch schwarze Metallgitter geschützt. Die silbrigen Fassungen in diesem Bereich sind dagegen wiederum aus Kunststoff, wirken aber so stabil, dass dies kein Grund zur Kritik ist. In wenigen speziellen Fällen gibt sich der R-26 wegen seiner Größe recht sperrig, beispielsweise dann, wenn er mit einem Blitzschuhadapter auf eine Spiegelreflexkamera montiert wird, um Ton zum Video mitzuschneiden. Für solche Anwendungen gibt es definitiv praktischere Lösungen. 

Ein Vorteil der großzügigen Dimensionierung des Roland ist natürlich, dass man bei unserem Testkandidaten keine Probleme mit winzigen oder zusammengequetschten Bedienelementen bekommen wird. Im Gegenteil: Die Handhabung des Field-Recorders ist durchweg komfortabel, und das liegt nicht nur an den angenehm anzufassenden Gummitastern oder an den beiden gut laufenden Input-Reglern, sondern vor allem natürlich an dem geradezu luxuriösen Touchscreen. Während man sich im Umgang mit manchen Konkurrenzprodukten gerne einmal wie ein verrückter Wissenschaftler fühlt, der wild auf einem Taschenrechner herumtippt, um durch verästelte Menüs und Untermenüs zu navigieren, ist die Benutzerführung des R-26 angenehm intuitiv, was bei der gebotenen Funktionsvielfalt (wie man im Praxis-Teil noch sehen wird) auch gut so ist. Dass die Auflösung des Displays mit 160 x 160 Pixeln auf einem Bereich von ca. 5,5 x 5,5 cm und Monochrom-Darstellung den guten alten Gameboy nur leicht übertrifft, tut dem keinen Abbruch.

In Bezug auf die Möglichkeiten, den Roland R-26 mit zusätzlicher Audio-Peripherie zu verbinden, ziehen zunächst natürlich die beiden XLR/Klinke-Kombibuchsen auf der Unterseite des Gehäuses alle Aufmerksamkeit auf sich. Für die Verwendung von Kondensatormikrofonen, die Versorgungsspannung benötigen, lässt sich separat für jeden der beiden Eingänge eine 48 Volt Phantomspeisung aktivieren. Wer dagegen ein Elektret-Kondensatormikrofon verwenden will, das sich mit weit geringerer Spannung (Plug-In-Power) zufrieden gibt, der schließt dies auf der rechten Seite des Gehäuses an einer dafür vorgesehenen Miniklinken-Buchse an. Dort befinden sich außerdem ein Kopfhörer-Ausgang, ein kleiner Speaker zum schnellen Kontrollhören und ein zugehöriger Lautstärke-Regler. Betrachtet man den Recorder dagegen von der anderen Seite, so findet man den Power/Hold-Schalter, eine Buchse zum Anschluss des Netzadapters und einen Erdungsanschluss. Der Slot für die SD-Card und die Mini-USB-Buchse werden von einer Gummi-Abdeckung geschützt, die sich glücklicherweise auch ohne überlange Fingernägel leicht öffnen lässt.

Zwei mal Stereo: Die internen Mikrofone Dass ein mobiler Digitalrecorder in Hinblick auf die internen Mikrofone mehr als nur ein Stereo-Pärchen an Bord hat, ist zwar etwas außergewöhnlich, aber kein Einzelfall. Der Zoom H2n beispielsweise verbirgt unter seinem Mikrofonkorb zwei Varianten in XY- und MS-Anordnung und einige Geräte aus der LS-Serie von Olympus bieten ein drittes Mikrofon, das dem Signal der Stereo-Mics beigemischt werden kann. Ähnliches gilt auch für unseren Testkandidaten. Sehen wir uns das Kopfende mit den vier Lauschern also einmal genauer an. 

In der Mitte sitzen zunächst einmal zwei direktionale Mikrofone in traditioneller XY-Anordnung. Die beiden Schallwandler sind in einem Öffnungswinkel von 90° zueinander ausgerichtet und horchen folglich nach links und rechts vorne. Da hier vor allem die Unterschiede im Schalldruck an den Kapseln für die Abbildung des Stereo-Panoramas sorgen, spricht der Tontechniker in diesem Fall von Intensitätsstereofonie. Weil sie die Räumlichkeit so schön einfängt und zudem platzsparend ist, wird eben diese Mikrofonierung häufig für mobile Digitalrecorder verwendet.

Bei den zusätzlichen omnidirektionalen Mikrofonen an den Seiten ist das allerdings anders. Diese fangen mit ihrer Kugel-Charakteristik den Schall aus allen Richtungen gleichberechtigt ein. Dementsprechend sind für die Stereo-Abbildung vor allem die Laufzeitunterschiede der an den Kapseln ankommenden Schallwellen ausschlaggebend. Laut Lehrbuch spricht man in diesem Fall von Laufzeitstereofonie, wobei die beiden Omni-Kapseln des R-26 in der Tat ein wenig zu nahe beieinander liegen, um eine wirklich effektive Stereo-Abbildung zu ermöglichen. Höchstwahrscheinlich hätte ein einzelnes Omni-Mikrofon als Spezialist für die tieferen Frequenzanteile ausgereicht. Bevor wir nun aber schon auf rein theoretischer Basis Rückschlüsse auf den Klang ziehen, warten wir lieber auf die Audio-Beispiele des Praxis-Teils!

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