Hersteller_Rode
Test
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23.04.2018

Praxis

Das Rode Procaster

Wie verhalten sich beide Mikros im Einsatz? Das Procaster soll den Anfang machen. Ich schließe es an mein Yamaha-Pre-Amp-Audiointerface an und platziere es nicht im Akustik-bedämpften Aufnahmeraum, sondern direkt am Arbeitsplatz vor Tastatur und Maus neben dem Computer. Es soll ja schließlich zeigen ob es sich für Sprachaufnahmen in normalen Nicht-Studio-Umgebungen eignet, und in denen es hin und wieder zu Störgeräuschen kommen kann. Mein Grundeindruck vom Klang ist sehr positiv. 

Die Aufnahme mit zirka fünf Zentimetern Einsprechabstand klingt rund und warm, und der Frequenzgang hat keine sonderlichen Ausbrüche. Man hört allerdings, dass die P-Laute ein wenig überbetont sind und es für noch mehr Sauberkeit sinnvoll wäre, einen zusätzlichen Windschutz zu benutzen. Der separat erhältliche Rode WS2 für zirka 15,– Euro wird hier helfen und passt zudem genau auf das Gehäuse. Aber ganz grundsätzlich gefällt mir der Sound sehr gut. Ich habe hier nicht das Bedürfnis zu EQen oder De-essen zu müssen.

Während der folgenden Aufnahme bewege ich mich kontinuierlich vor dem Mikro und verändere nicht nur den Abstand, sondern auch den Einsprechwinkel. Das Rode Procaster kann hier sehr gut punkten und schafft es, die Variable-D-Fähigkeiten des RE20 nachzuahmen. 

Zum Vergleich habe ich eine vergleichbare Aufnahme mit dem Shure SM58 gemacht. Der Nahbesprechungseffekt kommt hier deutlich zur Geltung, sodass die Stimme extrem bassig wird, sobald ich nahe an das Mikro vorrücke. Der Frequenzgang und somit der Sound des Procaster bleibt wesentlich gleichförmiger, was mir viel mehr Bewegungsfreiheit als das SM58 erlaubt.

Während ich den Abstand zum Mikro vergrößere, verringert sich selbstverständlich die aufgenommene Lautstärke. Der Klangcharakter bleibt aber weitestgehend erhalten, ohne dass all zu viel Raumklang hinzukommt. Der akustische Fokus bleibt auf dem Direktsignal. Einer der Gründe, weshalb das zugrundeliegende Original, das RE20 (und nun natürlich auch das Procaster), bei Bläseraufnahmen so beliebt ist. Man darf sich mit Saxophon u.ä. vor dem Mikrofon bewegen, ohne dass sich der Sound allzu sehr verändert. 

Um das Rode Procaster auf seine Tauglichkeit als Mikro für Lets-Player & Co. zu testen, tippe ich bei der nächsten Aufnahme kräftig auf der direkt darunter liegenden Computertastatur herum. Die Tippgeräusche bleiben schön unauffällig. Zum Vergleich dient wieder das SM58. Hier sind die Tastaturgeräusche deutlicher und ein wenig störend.

Das Rode Podcaster

Nachdem das Procaster in den wichtigen Punkten Sound, Bewegungsfreiheit und Sprachfokus bereits eine sehr gute Figur gemacht hat, steht nun das Podcaster auf dem Prüfstand. An einem Mac oder PC angeschlossen, steht das Mikrofon als Aufnahmequelle zur Verfügung, sobald die Status-LED am Gehäuse grün leuchtet. Falls nun in der verwendeten Aufnahmesoftware das Mikrofonsignal nicht als Eingang zur Verfügung steht, muss man in den Systemeinstellungen des Betriebssystems das Rode Podcaster manuell als Quelle auswählen. Es empfiehlt sich hier auch gleich einen vernünftigen Aufnahmepegel einzustellen. Am PC sollte man den kostenlosen ASIO4all-Treiber verwenden, der meiner Meinung nach ein wenig übersichtlicher als die Windows-Systemsteuerung ist.

Den richtigen Treiber ausgewählt, steht das Podcaster-Mic in einer DAW oder anderen Aufnahmeprogrammen als Eingangsquelle und Wiedergabeziel zur Verfügung. Das Mikrofonsignal liegt verzögerungsfrei am Kopfhörerausgang des Podcaster an. Ein eventuell zugeführtes Playbacksignal, wie beispielsweise der Sound eines Computerspiels, wie man das gerne beim Let‘s-Playen macht, wird auf der Kopfhörerbuchse allerdings nur monofon wiedergegeben. Der Kopfhörerausgang des Rode Podcaster ist zwar als TRS-Buchse Stereo-ready, aber eine stereofone Wiedergabe findet nicht statt. Noch nicht, jedenfalls zum Zeitpunkt des Tests. Vielleicht könnte dies durch ein Firmware-Update noch nachgereicht werden? Einer schnellen, unkomplizierten Sprachaufnahme steht dies aber nicht im Weg.

Wie klingt das Rode Podcaster?

Das Podcaster-Mikro klingt ein wenig mittig, ohne übermäßige Bässe und ohne besonders feine Höhen. Im direkten Vergleich mit dem Procaster klingt es meiner Meinung nach etwas neutraler und nicht so druckvoll. Hier ein Vergleich:

Das Procaster liefert einen Smiley-artigen Frequenzgang mit dicken Bässen, keinen Mitten-Ausbrüchen und einer ordentlichen Portion Höhen. Das Podcaster ist im Vergleich dünner und etwas dumpfer und hat für meine Ohren eine kleine Überbetonung in der Gegend um 500 Hertz. Das muss aber nicht unbedingt von Nachteil sein. Das Rode Podcaster verleiht Sprachaufnahmen von Haus aus nicht ganz so dicke Bässe wie das Procaster und lässt einen entspannter zuhören. Dennoch mag ich den Sound des Procaster ein wenig lieber. 

In puncto Bewegungsfreiheit steht das Podcaster dem Procaster in nichts nach. Auch hier hat Rode es geschafft, dieses tolle Feature des RE20 zu übernehmen und ermöglicht den Podcastern eine sehr große Bewegungsfreiheit vor dem Mikro. Zum Vergleich das Shure SM58, das diese Freiheit nicht bietet und eine Nahbesprechung mit sehr starkem Anstieg der Bassanteile quittiert.

Bei Vergrößerung des Abstandes hat man auch hier beim Podcaster einen schönen Fokus auf die Sprache. Und dies obwohl ich mich beim Einsprechen absichtlich in einer hallenden Umgebung befinde und nicht in einer bedämpften Studioakustik. 

Auch beim Ausblenden von lauten Hintergrundgeräuschen spielt das Podcaster-Mikro in derselben Liga wie das Procaster und das RE20. Bei lautem Tippen auf einer Computertastatur in unmittelbarer Nähe zum Mikro bleibt das Sprachsignal dominant und die Tippgeräusche sind nur dezent im Hintergrund hörbar. Das SM58 kann hier nicht ganz so gut mithalten.

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