Gitarre GuitarFX_Pedalboard_DIY
Feature
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22.11.2016

Reportage Pedalboard-Bau beim Fachmann

Stressbrett vom Profi

Jeder Gitarrist kennt das Problem: Man hat zig Lieblingsbodentreter und Sounds, die man gerne bei seinen Gigs zur Verfügung haben möchte, weiß aber nicht, wie man seine Pedale am kompaktesten und am sichersten vor die Füße bekommt. Selbstverständlich gibt es diverse Multieffektboards oder 19" Teile, die man per Floorboard bedienen kann. Aber steht man auf analogen Sound und hat ein paar Verzerrer oder andere Pedale sehr liebgewonnen, kommt man nicht darum herum, sich mit Themen wie Verkabelung, Netzteilen, Buffern und der optimalen Anordnung von Effekten auf einem Floorboard auseinanderzusetzen.

Haben wir in dieser Folge bereits gelernt, wie man sich in Eigenregie ein kompaktes Board zusammenstellt, möchte ich euch nun in Schritten aufzeigen, wie ein Fachmann ein "Stressbrett" plant und zur Vollendung bringt.

Dazu bediene ich mich der Dienste von Stefan Hüther von "Redstuff"- Amps, seines Zeichens primär Edelampschmied, der jedoch ebenso alle anderen Arbeitsaufgaben rund um das Gitarrenequipment erledigt und bereits für Künstler wie Uriah Heep, Carl Verheyen, Vanden Plas und den Prince-Gitarrenbauer Jerry Auerswald tätig war.

Bevor man sich auf die Suche nach dem Fachmann begibt, sollte man jedoch ein paar Überlegungen für sich im stillen Kämmerlein anstellen, denn die Arbeit eines Handwerkers/Technikers kann nur so gut werden, wie eure Vorstellungen und Vorgaben es erlauben.

Da es unzählige Möglichkeiten der Pedalboardgestaltung gibt und ich nicht irgend ein hypothetisches Beispiel konstruieren möchte, würde ich euch dieses Prozedere gerne exemplarisch an meinem Board aufzeigen, das für eine anstehende Tour fit gemacht werden soll:

1. Verwendete Pedale und Konzeption

Zuallererst muss man natürlich eine Auswahl treffen, welche Pedale ihren Weg auf das Pedalboard schaffen und wie die grundlegende Konzeption ausfallen soll.

In meinem konkreten Fall habe ich mich für ein Switching-System entschieden, das heißt, meine Pedale sollen weitestgehend in ein Looperboard eingeschleift werden, das programmierbar ist und mir diverse Pedalkombinationen erlaubt, ohne dass ich Stepptänze vollführen muss (wer sich dafür näher interessiert, kann sich hier weiter schlau machen). Meine Wahl fiel auf das GLab GSC3, da dieses neben Kanalumschaltungen am Amp auch noch midifähig ist.

Ein Wah- und Volume-Pedal dürfen natürlich, neben ein paar Verzerrern und Einzeleffekten, auch nicht fehlen. Für die Effektsektion habe ich mir eine digitale Lösung auserkoren, die die meisten Sounds abdeckt. Pedale, die diese Aufgaben erfüllen, sind z.B. die Line 6 M-Serie oder das Eventide H9, wobei ich mich konkret für letzteres entschied.
Abgesehen davon will ich aber auch die Möglichkeit besitzen, Time- und Modulationseffekte in den Einschleifweg meines Amps zu hängen (was natürlich auch zwei Kabelwege zum Amp mehr bedeutet), und trotzdem eine saubere Verkabelung garantiert wissen. Für solche Zwecke hilft mir eine Patchbay, wie man sie handelsüblich z.B. in dieser Form kaufen oder natürlich auch selbst anfertigen bzw. anfertigen lassen kann.

Steht das Equipment fest, das ins Board soll, kommt der nächste Schritt:

2. Routing

Damit euer Techniker weiß, wie er die Pedale verkabeln soll und die Kabel auch konfektionieren kann, müsst ihr ihn über den Signalfluss informieren, wofür prinzipiell eine Zeichnung ausreicht:

Damit ihr meine Überlegungen jedoch besser nachvollziehen könnt, seht ihr hier noch einmal das sauber gezeichnete Diagramm meines gewünschten Routings:

Am Anfang der Signalkette steht bei mir ein Wah-Pedal und anschließend ein Bufferpedal, das mein hochohmiges Signal umwandelt und Soundverlusten entgegenwirkt.

Anschließend gehe ich in den EP Booster. Natürlich könnte man fragen, warum ich diesen nicht in den Switcher einschleife? Der Grund ist schlichtweg der, dass ich die Möglichkeit haben will, jedes Preset etwas im Pegel anzuheben und ich nicht gezwungen bin, einen meiner sechs Loops im GLab zu opfern.

Von dort gehts weiter in den Switcher, in dem ich alle Zerrer nach aufsteigendem Zerrgrad geordnet und Modulationseffekte in den letzten Loop gesetzt habe (in diesem Fall das Viscous Vibe von TC Electronic). Der GLab liefert mir auch einen Tuner-Ausgang, den ich natürlich auch für diesen Zweck nutze.

Aus dem Switcher könnte ich nun in das Eventide H9, dann in das Volume-Pedal und schließlich in den Amp gehen. Das mache ich aber nicht, denn wähle ich diesen Weg, habe ich alle Effekte vor der Vorstufe und nicht, wie es sinnvoll wäre, im Einschleifweg des Amps.

Hier kommt meine fünffache Patchbay zum Einsatz, denn ich wollte mein Pedalboard so flexibel wie möglich für diverse Amptypen halten:

Die ersten beiden Eingänge sind Stereobuchsen und erlauben mir, über meinen Switcher die Kanalumschaltung am Amp vorzunehmen. Die meisten zweikanaligen Amps verfügen nur über eine Channelswitch-Buchse, allerdings haben viel Amps von z.B. Engl oder Laney mehr als zwei Kanäle, darum habe ich auf der Bay gleich zwei Channelswitch- Buchsen angedacht.

Buchse 3 (to Amp in) wird nun linksseitig mit dem Output des Switchers verbunden und führt anschließend in den Input meines Amps. Aus dem "Send" des Amps geht es zurück in die rechte Seite der Buchse 4 (to Amp Send) und führt von der linken Seite weiter in mein Eventide H9 und dann über das Volume-Pedal zurück zur linken Seite des letzten Eingangs (Amp Return or In) und von dort zum "Return" des Amps.

Was aber, wenn ich über einen Amp ohne Einschleifweg spiele? Kein Problem, einfach mit einem kurzen Patchkabel Eingang 3 und 4 rechtsseitig miteinander brücken, und schon kann ich mich direkt in den Input eines Amps stöpseln.

3. Das Flightcase

Sind alle diese Überlegungen getätigt, sollte man sich um das Floorboard-Gehäuse Gedanken machen. Die meisten Techniker übernehmen diese Aufgabe mit, da sie ja ohnehin bereits die komplette Effektstaffage vor sich liegen haben. Wer auf Nummer sicher gehen und vermeiden will, dass das Case die falschen Maße für das Board hat, der sollte auch diesen Weg gehen. Alternativ kann man auch darum bitten, das Pedalboard auf ein Multiplexbrett zu bauen, anschließend nimmt man Maß und geht zum Casebauer seines Vertrauens. Je nach Case-Größe sollte man zwischen 100 und 250 Euro einplanen.

4. Verkabelung und Platzierung

Und nun überlassen wir das Feld dem Fachmann. Der erste Planungsschritt ist die Anordnung der Pedale, zuerst einmal ohne Kabel, um zu sehen, wie die sinnvollste Platzaufteilung aussehen könnte. Sehr beliebt ist eine Zwei-Ebenenformation, da man hier signal- und stromführende Kabel unterhalb der Pedalebene verstauen kann. Prinzipiell liefert uns das auch ein "Pedaltrain" oder aber, wie ihr hier seht, eine speziell Etage, die Stefan Hüther mithilfe seiner hauseigenen CC-Fräse angefertigt hat, wobei bereits Leitungslöcher in die Etagenfüße gesetzt wurden:

Die Aussparungen seitlich dienen dem Volume und Wah:

Anschließend werden erneut alle Pedale auf der Erhöhung platziert, um alle notwendigen Durchgänge für die Kabel ermitteln zu können, wobei man auch besonderes Augenmerk auf die Steckerlänge richten muss. Die Bohrungslöcher werden selbstverständlich abgerundet, denn wir wollen nicht in Gefahr laufen, unsere Kabel zu beschädigen:

Ist das Etagenbrett vollständig gebohrt, darf mit der Lackierung begonnen werden:

Nun geht's an die Verkabelung und der Lötkolben läuft schon mal heiß! Stefan macht keinen Hehl daraus, dass er kein Freund von "DIY-Zwick-Steck"-Kabellösungen ist und verwendet als Patchchords RG58/U Antennenkabel. Dieser Kabeltyp eignet sich aufgrund seiner Steifigkeit nicht als Instrumentenkabel, hat aber aufgrund seiner Eigenschaften und seiner geflochtenen Abschirmung beste Qualitäten innerhalb des Boards. An Steckern kommen hauptsächlich die hochwertigen HICON-Stecker von Sommercable zum Einsatz:

 Als Netzkabel finden die mitgelieferten GLab Kabel Verwendung. Ein häufiger Fehler bei der Verwendung von Multinetzteilen oder Powerbricks ist, dass man den Stromverbrauch mancher Pedale unterschätzt und dann nicht genug Stromstärke zur Verfügung stellt.
Ebenso häufig überschätzt man allerdings auch den Stromverbrauch gerne mal und verschwendet Stromausgänge, anstatt bereits hier Daisy-Chains einzusetzen, denn analoge Verzerrer benötigen meist weit unter 25mA!
Bei einem amtlichen Board überlässt Stefan nichts dem Zufall und misst alle verwendeten Pedale hinsichtlich ihres Verbrauchs aus, um genau zu wissen, wie viele und welche Pedale an einem Ausgang hängen können.
Das GLab liefert sechs Ausgänge, von denen je drei insgesamt 500 mA bedienen können und demnach kann, vom Eventide H9 abgesehen, alles vom GLab aus befeuert werden.

Alle Kabel sollte man natürlich mithilfe von Kabelbindern optimal zusammenlegen ... 

... und durch die gebohrten Kabelöffnungen führen:

Insgesamt sehen die "Board-Innereien" unterhalb der Etage nun folgendermaßen aus (auf diesem Bild seht ihr auch eine Dreifachsteckdose, die es in abschraubbarer Ausführungen gibt):

Zum Abschluss muss nur noch die Etage mit dem Boden verschraubt werden, was natürlich jederzeit wieder rückgängig gemacht werden kann:

Und fertig ist das Board! Im Endergebnis sieht unser Effektbrett dann folgendermaßen aus:

Für die Beschriftung eurer Presets, Kabel oder Patchbays empfehle ich euch übrigens eine kleine Beschriftungsmaschine bzw. einen Etikettendrucker. Das hält alles übersichtlicher und das Plastik-Etikettenband ist wetter- und wasserfest.

Die Frage, die sich jetzt viele stellen werden, dreht sich um die Kosten einer solchen Aktion.

Die ist sicherlich nicht ganz einfach zu beantworten, da in die Kalkulation natürlich Boardgröße, Material und Arbeitszeit einbezogen werden müssen. Grundsätzlich sollte man jedoch je nach Umfang mit einem Arbeitsaufwand von 6 -14 Stunden für den Techniker rechnen, dessen Stundenlohn sich normalerweise an dem durchschnittlichen Handwerkerlohn orientiert. Die Materialkosten kommen dann natürlich on top, wobei diese sich im Wesentlichen auf Kabel, Stecker, Mounties und Holzbretter beschränken.

Da sich jetzt jeder selbst ausrechnen kann, dass diese Arbeit mit Sicherheit kein Discounter-Schnäppchen ist, bleibt es jedem überlassen, ob er den Profi ranlässt oder doch selbst Hand anlegt. Wer nur vier Pedale besitzt, wird sicherlich auch ohne fremde Hilfe klarkommen. Wer jedoch ein etwas komplexeres Setup wünscht und nicht mit hohem handwerklichen Geschick bzw. Werkzeug gesegnet ist, sollte nicht davor zurückschrecken, Hilfe in Anspruch zu nehmen, denn ein Pedalboard birgt sehr viele potenzielle Fehler- und Störungsquellen und das Gefühl, sich auf sein Equipment verlassen zu können, ist schlichtweg unbezahlbar!

Vielen Dank an Stefan Hüther (http://www.redstuff-amps.de) für die Einblicke in seine Arbeit!

Weitere Informationen und Artikel zu Gitarren Effektgeräten findest du in unserer Themenwelt Effektgeräte

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