Test
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27.08.2021

Praxis

Ich werfe die beiden Boxen auf den Rücksitz und fahre zum örtlichen Rockclub, um mir die ART 912-A genauer anzuhören. Dank der zahlreichen Griffe und des niedrigen Gewichts lassen sich die Boxen auch von Audio-Einzelkämpfern auf Lautsprecherstativen montieren. Die Stromversorgung ist dank der langen Kaltgerätekabel schnell herstellt, und mit Betätigung des Netzschalters sind die Boxen nach wenigen Sekunden einsatzbereit. Der erste Eindruck ist positiv. Der verbaute DSP braucht demnach nicht lange zum Hochfahren und das Grundrauschen ist unabhängig von der Stellung des Volume-Potis erstaunlich gering. Damit lassen sich die Boxen problemlos bei kritischen Anwendungen wie Sprachbeschallung oder Theaterproduktionen einsetzen.

Obwohl die Eingangsbuchse nur für den Betrieb von Line-Signalen vorgesehen ist, versuche ich trotzdem ein Mikrofon direkt anzuschließen, und das mit Erfolg! Wer ein empfindliches Mikrofon verwendet (in meinem Fall ein Shure Beta 58), wird bei aufgedrehtem Volume Poti mit einem respektablen Pegel versorgt. Für die „kleine Ansprache“ zwischendurch könnte das durchaus schon ausreichen. Die volle Lautstärke lässt sich allerdings nur mit einem soliden Line-Pegel abrufen. Wie mit einem angeschlossenen Zuspieler, über den ich ein „Soundcheck-Medley“ abspiele.

Die ART 912-A sieht nicht nur aus wie eine moderne Box, sie klingt auch so! Der Grundklang ist sehr transparent, angereichert mit silbrigen Höhenanteilen und einem warmen Grundton. Keine Box, bei der man das Verlangen verspürt, erst einmal zum Summen-EQ greifen zu wollen. Der Grundklang stimmt und wirkt wie aus einem Guss. Selbst der kritische Übergangsbereich zwischen 12-Zoll-Pappe und Hochtöner fließt nahtlos ineinander über. Der oftmals nervige Mittenbereich von 2 bis 4 kHz wird über den DSP minimal entschärft, was mir aber gut gefällt. Die Auflösung der Zuspielermusik verdient zudem ein HD-Zertifikat. Das habe ich in dieser Preisklasse selten so gut gehört. Erhöht man die Lautstärke signifikant, bleibt der aufgeräumte, entspannte Klangcharakter erhalten. Scheinbar hat der DSP die Treiber gut im Griff.

Spätestens jetzt kommt die Frage nach dem Bass Motion Control Processing auf. Wählt man das Preset „Boost“ und füttert die Box mit einem basslastigen Track, ist das Erstaunen groß, wie viel Kickbass die kleine 12-Zoll-Box erzeugen kann. Die ART 912-A ist natürlich nicht die einzige Aktivbox mit zuschaltbarem Bass Boost, aber im Gegensatz zu den Mitbewerbern bietet das Bass Motion Control Processing einen entscheidenden Vorteil. Während bei den Mitbewerbern eine derartige Bassanhebung unmittelbar zu Lasten der Maximallautstärke geht, so gibt es bei der ART 912-A kaum einen hörbaren Einbruch in der Lautstärke. Offensichtlich ist das Processing in der Lage gerade unter Volllast das eine oder andere dB mehr Pegel und Bass aus der Box zu holen. Definitiv beeindruckend. Für die kleine Partybeschallung muss daher nicht zwingend ein Subwoofer mit von der Partie sein.

Kurz zurück zu den drei Presets. Während „Boost“ sich sowohl für den kleinen DJ-Einsatz und für die Wiedergabe von Zuspielermusik empfehlt, ist die „Linear“-Einstellung für den Live-Betrieb zu bevorzugen. Das „Stage“-Preset sollte man anwählen, falls die Box als Bühnenmonitor zum Einsatz kommt. Das funktioniert erstaunlich gut, der Monitorwinkel passt und selbst mit aufgestellter Hardrocker-„Fuß auf Monitorbox“-Pose behält die Box einen sicheren Stand. Das „Stage“-Preset filtert dabei einiges an den Low-Mids aus dem Sound heraus, die zwangsläufig verstärkt werden, wenn man eine Box flach auf den Bühnenboden legt. Die Klangeingriffe der drei Presets sind durch die Bank passend und nicht zu radikal. Man merkt die lange Praxis der RCF-Entwickler. Wie bereits erwähnt, verändert sich auch unter Volllast der Klang kaum. Das dürfte neben der DSP-Unterstützung auch auf den „M-Rahmen“ zurückzuführen sein. Nervige Gehäuseresonanzen kann ich jedenfalls keine wahrnehmen.

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