Feature
9
06.10.2008

Aller Anfang ...die Basics!

Am Beginn Eurer Karriere kümmert Ihr Euch am besten zunächst vor Eurer Haustür um Auftrittsmöglichkeiten.

Das hat mehrere Vorteile: Als Musikfans kennt Ihr das Programm der Jugendzentren und Clubs in Eurer Stadt. Ihr wisst, wo Bands spielen, deren Musik Eurer ähnelt. Genau dort erreicht Ihr Eure Zielgruppe: ein Publikum, das Euch mögen wird.
Zudem verursacht ein Auftritt in Eurer Heimatstadt kaum Kosten, denn Ihr esst und schlaft zu Hause und fahrt notfalls mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Konzert.

Kontaktaufnahme: Kontaktiert die Clubs Eurer Wahl und fragt nach freien Terminen.

Auf CDs oder gar Demo-Tapes und Berge von Papier legt heute niemand mehr großen Wert. Schickt besser eine E-Mail mit Eurer Anfrage, einer kurzen Beschreibung der Band und einem link zu Eurer Website oder Eurer My-Space-Seite, auf der man Musik von Euch hören kann. So kann der Clubbetreiber sich schnell ein Bild von Euch machen und entscheiden, ob er Euch in sein Programm aufnehmen möchte.
Gebt ihm dabei genug aussagekräftiges Material an die Hand, aber müllt ihn auf keinen Fall mit 20 MB großen E-Mail-Attachments zu.

Haltet Eure E-Mail kurz, sorgt aber dafür, dass Euer Web-Auftritt alle nötigen Infos über Eure Band und vor allem natürlich Eure Musik enthält. Stellt Eure Songs in möglichst guter Qualität ins Netz und aktualisiert die Seite, so oft es geht.
Kein Club-Besitzer ist glücklich, wenn er aufgrund einer veralteten Website eine Sixties-Soul-Kapelle bucht und plötzlich eine Post-Punk-Elektro-Truppe auf seiner Bühne steht, nur weil Ihr plötzlich festgestellt habt, dass Mute doch viel cooler ist als Motown. Ändert Ihr Euer Programm, Eure Besetzung, Eure Musikanschauung, ändert Ihr automatisch sofort auch Eure Website – sonst ist sie wertlos!

Um von vornherein ein etwas größeres Publikum zu erreichen, empfiehlt sich der Auftritt im Vorprogramm einer bekannteren Band.


So spielt Ihr zumindest vor deren Fans, so lange Ihr noch keine eigenen habt.
Wenn Ihr bereits wisst, vor welcher Band Ihr auftreten wollt, weil Eure Musik gut zum Programm dieser Combo passt, dann macht einen entsprechenden Vorschlag. Ihr erleichtert dem Clubbesitzer die Arbeit. Er kennt Euch nicht und kann Euch deswegen schlecht einschätzen. Jeder Hinweis von Euch hilft ihm also. Bleibt aber realistisch und überlegt genau, ob Euer Thrash Metal das Publikum der Medieval Folk Combo, die nach Euch spielt, wirklich glücklich machen wird.

Vielleicht seid Ihr besonders ambitioniert oder bereits ein paar Schritte weiter und wollt ganz Deutschland mit Eurer Musik beglücken.
Dann schickt Eure Bewerbung an einen Tourneeveranstalter. Schon zwei, drei aufmerksame Blicke auf eine Plakatwand mit Konzertankündigungen verschaffen Euch ein gutes Dutzend Namen und Adressen. Eine entsprechende Suche im Internet noch viele mehr.



Egal, ob Eure Bewerbung an einen Clubbesitzer oder einen Tournee-Veranstalter adressiert ist: die zu erfüllenden Voraussetzungen sind dieselben.


Christian Bilda, einer der Geschäftsführer der renommierten Hamburger Konzertagentur x-why-z, die vom Club-Konzert nationaler Acts bis zu Stadion-Auftritten internationaler Superstars wie Coldplay oder Gwen Stefani bereits alles betreut hat, erzählt:
„Zunächst wird jede Einsendung geprüft und grundsätzlich entschieden, ob uns das Material gefällt oder nicht. Oftmals haben wir nicht sofort ein Auftritts-Angebot parat, doch sobald sich eine Chance ergibt, eine Band sinnvoll unterzubringen, wird auf das Demo-Material zurückgegriffen und Kontakt zu den Musikern aufgenommen.“

Eine kleine Empfehlung am Rande: Vermeidet bitte, noch am selben Tag oder gleich tags darauf nachzuhaken, wie denn Eure Chancen stehen.

Die meisten Veranstalter reagieren darauf eher genervt. Sie melden sich lieber selbst, wenn es soweit ist. Natürlich kann es nicht schaden, Eure Anfrage zu aktualisieren, wenn sich Veränderungen in musikalischer Ausrichtung und Repertoire ergeben (s.o.). Und wenn sich wochenlang gar nichts rührt, nimmt Euch auch niemand das Nachhaken übel.

 

Von Euren tatsächlichen Live-Qualitäten wird sich in der Regel niemand vorher überzeugen.

Man geht selbstverständlich davon aus, dass Ihr Euer Programm vernünftig auf einer Bühne darbieten könnt. Seid also selbstkritisch und ehrlich, denn alle falschen Angaben schlagen am Ende nur auf Euch selbst zurück! Wenn Ihr live enttäuscht, dann bucht Euch niemand mehr. So einfach ist das.

Bei allerersten Auftritten werden natürlich Abstriche gemacht. Niemand erwartet, dass Ihr in Sachen Routine und Perfektion den Rolling Stones Konkurrenz macht. Doch auch bei Debütanten kann man grundsätzlich erkennen, ob eine Band Potential hat und live gut rüberkommt. Übt also, was das Zeug hält und habt Vertrauen in Euch selbst, aber behauptet nicht, ihr wäret Police auf der Reunion-Tour, wenn Ihr vorher nur im Kinderzimmer Eurer Schwestern vor deren Freundinnen angegeben habt.

Ob es in diesem Stadium wichtig ist, bereits eine CD veröffentlicht  zu haben, lässt sich nicht pauschal beantworten. Für kleine Auftritte in den Clubs Eurer Heimatstadt ist es noch völlig egal. Christian Bilda: „Erst wenn eine Band im Vorprogramm eines bekannteren Acts eine ganze Tour bestreiten will, spielt die Frage nach einer CD oder einer Plattenfirma eine Rolle. Neben den Fragen: Warum sollen wir die mitnehmen? und: Was haben wir davon?, stellt uns diese Frage nämlich auch das Management des Hauptacts.“

2 / 4
.

Verwandte Artikel

User Kommentare