Gitarre Hersteller_PRS
Test
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29.10.2020

Praxis

Trocken angespielt zeigt sich die Gitarre über alle Saiten sehr ausbalanciert und das Werks-Setting ist in Sachen Bundreinheit und Saitenlage tadellos. Die Mark Holcomb wirkt sofort vertraut und lädt zum Spielen ein, wobei der akustische Sound wuchtig und massiv daherkommt. Entscheidend ist aber natürlich der verstärkte Klang, weshalb ich die Siebensaiter für die Soundfiles zunächst direkt vor einem 73er Fender Silverface Bassman Top parke und von dort in die Faltung eines 4x12" Celestion PreRola Greenbacks gehe.

Die Pickups sind im cleanen Bereich eine angenehme Überraschung, denen man trotz ordentlicher Power sehr schöne perlige Cleansounds entlocken kann. Und die bieten von durchsetzungskräftigen Pickings über warme Necksounds bis hin zu hohlen, glasigen Split-Zwischenstellungen alle erdenklichen Klangvarianten. Allerdings gilt es hier zu bedenken, dass der Output im gesplitteten Zustand merklich abfällt.

Darf man eigentlich mit der Custom 7-Saiter des Periphery-Gitarristen auch Funk spielen? Ich tue das einfach mal und finde, dass sich die Gitarre auch in dieser Disziplin gut schlägt. Zwar erhält man keinen messerscharfen Tele-Twang, dennoch muss man ihr eine große stilistische Bandbreite zusprechen, die sie zu weitaus mehr als einer reinen Metal-Axt macht.

Nun wechsele ich zu einem Marshall Plexi, bleibe aber im Low-Gain-Overdrive-Bereich. Ihr hört sowohl den Steg- als auch den Halstonabnehmer, die beide einen sehr gut aufgelösten und warmen Crunch bieten, wodurch auch mittenbetonte Indie- und Grunge-Sounds leicht umsetzbar sind.

Ich bleibe beim Marshall im niedrigen Gainbereich, schalte aber auf die Mittelstellung im Splitmodus, d.h., Steg- und Halstonabnehmer arbeiten als Singlecoils und crunchige Funksounds im Stile von Mother’s Finest gehen der PRS auch gut von der Hand. Das Tracking der tiefen B-Saite ist einwandfrei, allerdings muss man bei härterem Anschlag ordentlich aufpassen, damit das Tuning der tiefen Saite beim Einschwingvorgang nicht über das Ziel hinausschießt. Dabei handelt es sich jedoch um ein bekanntes und bauartbedingtes Problem bei 7-Saitern, das zum Herumprobieren mit diversen Saitenstärken einlädt.

Jetzt geht es gaintechnisch einen Gang höher und ich stöpsele die Gitarre in einen Peavey 5150, den ich mit moderaten Gainwerten und mit eher betonten Mitten spiele. Die Saiten werden gut getrennt und man bekommt ein sehr ausgewogenes Bild über das gesamte Griffbrett. Single-Note-Riffs wirken ebenfalls sehr prägnant und liefern astreine Stonersounds.

Für die Metal-Fraktion interessiert uns natürlich, wie die Mark Holcomb mit gescoopten Mitten umzugehen weiß, deshalb erhöhe ich das Gain deutlich und nehme die Mitten raus. Die Siebensaiter zeigt sich auch bei hoher Zerre transparent, die tiefe B-Saite bleibt definiert, ohne zu matschen und die Gitarre bietet ein klanglich sehr ausgewogenes Bild über alle Saiten.

Nun möchte ich die Arbeitsweise des Volume-Reglers überprüfen. Ihr hört das identische Riff erst mit den Fingern gepickt, wobei das Poti auf 5 steht, dann mit dem Plektrum und anschließend den Plektrumanschlag auf 10. Der Regler erlaubt sehr gut die Justierung des Zerrgrades, und auch wenn die Dynamik bei so hohen Gainwerten etwas eingeschränkt ist, lässt sich mit dem Poti sehr gut und nuanciert arbeiten.

Nun folgen noch ein paar Sololicks, die ich erst mit ganz aufgedrehtem und anschließend mit vollständig zurückgenommenen Tonpoti spiele. Melodie- und Solospiel fühlen sich auf der Mark Holcomb nicht zuletzt aufgrund des flachen Radius, aber auch der vorbildlichen Werkseinstellung sehr gut an. Auch wenn ich persönlich nicht in erster Linie siebensaitige Gitarren spiele, stellt sich sofort Vertrautheit ein. Der Tone-Regler erlaubt eine schöne Beschneidung der höheren Frequenzen, was schon fast Ähnlichkeiten zu einem fixen Wah-Sound aufweist, ein Effekt, den man bei alten Gibson Les Pauls ebenfalls gut beobachten kann. 

Zum Abschluss hört ihr eine Praxisbeispiel zu einem Backing-Track, wobei die Gitarrenspuren gedoppelt sind.

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