Gitarre Hersteller_PRS
Test
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04.09.2019

Praxis

Trocken gespielt klingt die Gitarre ausgeglichen und etwas twängiger, als ich es von vielen Test-PRS-Gitarren der SE-Serie kenne. Wenn man die Saiten anschlägt, spürt man förmlich, wie sich der Ton vom Tremoloblock aus über den gesamten Korpus ausbreitet. Der Primärklang ist also offen und besitzt ein ausgeprägtes, aber nicht aufdringliches Obertonspektrum. Was die Bespielbarkeit angeht, muss man sich als Spieler einer USA-PRS leicht umstellen, denn die Instrumente aus fernöstlicher Fertigung haben einen etwas breiteren Hals. So beträgt die Breite am Sattel 43,5 mm, während mein klassisches Modell mit 42,5 etwas schlanker ist. Am 12. Bund ist der Abstand sogar noch größer, denn hier misst mein USA Modell 51,3 mm, während die Testgitarre mit knapp 53,3 mm aufwartet. Das ist zwar nicht viel, aber mir fällt der Unterschied beim Spielen sofort auf, auch wenn man sich schnell daran gewöhnt. Am Amp klingt die Gitarre obertonreich und durchsetzungskräftig mit einem gut ausgeprägten Twäng. Alles in allem also ein gelungenes Instrument.
Einzig die Tonabnehmer können mich nicht recht überzeugen und der Grund dafür sind die gesplitteten Sounds. Natürlich erwartet man beim Umschalten ein anderes Klangbild mit Singlecoil-ähnlichen Klängen, aber auch das sollte sich innerhalb der Charakteristik des jeweiligen Pickups bewegen und auf ihn abgestimmt sein. Bei unserer PRS unterscheiden sich die beiden Einstellungen aber meiner Ansicht nach zu stark, und beim Umschalten kommt neben einem Lautstärkeunterschied auch ein stark veränderter Mitten- und Obertonbereich zum Vorschein, sodass man im Grunde die Einstellung am Amp anpassen müsste. Das habe ich natürlich nicht getan, sodass ihr euch immer den Splitmodus und die Humbuckereinstellung getrennt anhören könnt.

Hier der Stegtonabnehmer am cleanen Amp, der in diesem Fall mein alter Vox AC30 ist.

In der Zwischenposition erhält man im Singlecoilmodus einen spitzen, telecasterartigen Sound, bei dem mir die glasigen Anteile zu stark vertreten sind. Dagegen klingt die Humbuckereinstellung rotzig mit einer leichten Anzerrung.

Mit dem Halstonabnehmer klingt die Gitarre in Split- und Normalmodus fast wie zwei unterschiedliche Instrumente. Die Humbuckereinstellung tendiert in Richtung Les Paul, während der Singlecoilmodus auch hier, zumindest für meinen Geschmack, viel zu dünn klingt.

Dank der Kompression, die bei hohen Verzerrungen dazugehört, fallen Lautstärkeunterschiede bei den High-Gain-Sounds kaum noch auf. Überhaupt gefällt mir die Gitarre mit viel Verzerrung weitaus besser als im cleanen Bereich. Sogar die leicht glasig klingenden Splitsounds haben hier einen gewissen Reiz. Am besten aber gefällt mir auch hier wieder die knallige Humbuckereinstellung, die sich wegen ihrer leichten Betonung der oberen Mitten immer gut durchsetzt.

Die Zwischenposition bei Humbuckergitarren wird speziell im High-Gain-Bereich nur selten benutzt. Der Grund ist die fehlende Definition und das Gefühl, dass man es hier weder mit Fleisch noch mit Fisch zu tun hat. Für mehr Definition eignen sich dabei in der Regel eher leistungsschwache Pickups, oder, wie in diesem Fall, die Coil-Split-Funktion.

Kommen wir zum Halstonabnehmer, der mir in diesem Zusammenhang dank seiner ausgeprägten oberen Mitten im High-Gain-Bereich am besten gefällt. Hier setzt sich die Gitarre sowohl im Split- als auch im Humbuckermodus perfekt durch.

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