Test
2
15.08.2014

Propellerhead Thor for iPad Test

Apple iPad App

Der Synthese-Hammer jetzt auch für iOS


Thor mag zwar nicht der mächtigste aller indogermanischen Götter sein, mit der Befehlsgewalt über Blitz und Donner ist er aber in jedem Fall der lauteste. Der von Propellerheads geschaffene Hybrid-Synthesizer gleichen Namens darf sich dagegen durchaus rühmen, innerhalb der DAW „Reason“ nicht nur laut, sondern auch ziemlich multifunktional zu sein.

Denn das bei ihm realisierte Konzept von drei Oszillatoren, die – jeder für sich – eine andere Synthese-Spielart beinhalten können, ist fraglos eine ziemlich mächtige Waffe, um so ziemlich jedes mögliche (und unmögliche) Klangereignis zu formen – auch jenseits von Blitz und Donnersounds. Was ist die iPad App im Stande zu leisten?

Details

Konzept


Thor ist formal der Kategorie der subtraktiven Synthesizer zuzurechnen – sprich: In drei Oszillatoren werden Schwingungsspektren erzeugt, die durch Hüllkurven, Filter und Modulatoren geformt in klassischer Synthese-Sprache „subtrahiert“ werden. Der Begriff der Subtraktion erklärt sich daraus, dass durch den Einsatz von Filtern (u.a. High-, Low-, Band-Pass) und Hüllkurven, der Klangrohling, der die Oszillatoren verlässt, in Bezug auf die Lautstärke aber auch das Frequenzspektrum so lange gefiltert/reduziert wird, bis er den gewünschten Vorstellungen entspricht. Dass diese Klassifizierung in Anbetracht von Resonanzfiltern, deren Selbstoszillation oft als eigenständiger Klang genutzt wird (und den Klang eher „anreichern“) und Effekten, die das Signal mächtig aufblasen können, nicht immer ganz trennscharf ist, liegt in der Natur der Sache. Aber als grobe Einteilung hat der Begriff nach wie vor seine Gültigkeit.

Als Klangerzeuger innerhalb der DAW „Reason“ war Thor seinerzeit eine sensationell gute und auch dringend notwendige Erweiterung, denn die Synthesemöglichkeiten des „kleinen“ Subtraktiv-Synthesizers „SubTraktor“ erschöpfen sich doch recht schnell und der Klangvorrat des charmanten Graintable-Synths „Malström“ war ebenfalls recht schnell ausgelotet. Der semi-modulare und klanglich entsprechend vielseitige Thor Synthesizer dagegen erlebt gerade aktuell vor dem Hintergrund des musikalischen Trends zu komplexen, LFO-gesteuerten Basssounds wieder einen zweiten Frühling.

Der klanglichen Vielseitigkeit Ihres Synthesizer-Flaggschiffs ist man sich bei Propellerheads natürlich bewusst und entsprechend kommen die Algorithmen des Synths auch in der Klangerzeugung der semiprofessionellen Musik-App „Figure“ zum Einsatz. Nur logisch also, dass sich die Schweden nun dazu entschlossen haben, den kompletten Synthesizer auf das iPad zu portieren. Denn wer möchte nicht gerne beispielsweise in der Straßenbahn am Klangvorrat für seinen nächsten Mega-Track schrauben.

Installation


Nachdem man sich mit dem im App-Store angezeigten Preis von 13,99 Euro angefreundet hat, findet die gerade einmal zwei Megabyte große Applikation mit einem Klick auf „kaufen“ ihren Weg auf das beliebte Frühstücksbrettchen. Auf einem iPad der ersten Generation konnte ich bei einigen, aufwändigeren Sounds Audioaussetzer hören, weshalb man mindestens ein iPad 2 einplanen sollte, um den Ressourcenhunger der App zu befriedigen. Noch CPU-intensiver wird die Sache natürlich, wenn man Thor im „Audiobus“-Verbund mit anderen Apps kommunizieren lässt.

Klangerzeugung


Wie bei nahezu jedem in diesem Sektor der Galaxis gebräuchlichem Synthesizer, ist die kleinste Einheit eines Klanges auch in Thor der Oszillator. Davon hat er allerdings direkt drei mit auf den Weg bekommen, wovon jeder für sich mit einem von (derzeit) sechs verschiedenen Oszillator-Typen bestückt werden kann. Der so geformte Klangrohling wandert dann in frei mischbarem Verhältnis in wahlweise eine oder zwei Filterstufen (seriell/parallel), die wiederum jede für sich mit einem von vier Filtermodulen ausgestattet werden können (Low Pass Ladder, State Variable, Comb und Formant Filter). Im Anschluss zwingt eine optionale Sättigungs-/Shaper-Einheit dem Klanggebilde eine markante Signatur auf

Nächster Halt sind drei Hüllkurven, die jeweils mit der Formung von Modulations-, Filter- und Lautstärke-Verläufen betraut sind und von einem sehr flexibel einsetzbaren Tempo- und Key-synchronisierbaren LFO flankiert werden. Schlussendlich warten noch ein Delay, ein Chorus, eine dritte Filtersektion (ebenfalls mit vier unterschiedlichen Modi), eine globale Hüllkurve und ein weiterer LFO darauf, den Klang final zu veredeln (oder zu dekonstruieren, je nachdem was man will). Und wäre das nicht schon genug, hat Thor auch noch eine Modulationsmatrix an Bord, in der nicht weniger als dreizehn parametrische Querverbindungen zwischen so ziemlich jeder möglichen (und unmöglichen) Quelle und Ziel gezogen werden können. Ach, und fast hätte ich noch den extrem vielseitigen 16-stufigen Stepsequencer vergessen, in dem pro Stufe Tonhöhe, Anschlagsstärke, Notendauer und Länge plus zwei frei adressierbare Parameter programmierbar sind. Oszillatoren
Wie eingangs bereits gesagt, ist Thor ein Hybrid-Synthesizer, der dank seiner sechs Oszillator-Modelle ein extrem weites Spektrum an Klangcharakteristiken erzeugen kann. Die derzeit verfügbaren Schwingungsgeneratoren sind:

Analog


Ein klassischer „Analog“-Oszillator mit den drei Grundschwingungen Rechteck (inklusive Pulsbreitenmodulation), Sinus, Sägezahn und Dreieck.

Wavetable


Schon die hellblaue Farbe verweist auf PPG und spätestens der Blick in den Wellenformvorrat zeigt, dass hier der legendäre Wave Pate gestanden hat.

Phase Modulation


Was seinerzeit einmal eine eher exotische Klangerzeugung beispielsweise im Hause Peavey und Casio war, findet nun einen Neustart im Thor: Die Rede ist von der kraftvollen Phasenmodulationssynthese, die problemlos in der Lage ist, extrem durchsetzungsfähige und bissige Klangspektren zu generieren.

FM Pair


Auch der guten alte Frequenzmodulationssynthese wurde in Thor ein Modul gewidmet. Und wie schon in Yamahas DX7, obertönt es hier in allen Facetten von glockig bis metallisch.

Multi Oscillator


Im Grunde handelt es sich hier um einen Analog-Oszillator mit einer nachgeschalteten Detune-Schaltung, die mit wählbarer Stärke und Skalierung den Klang anreichert.

Noise


Ein auf den ersten Blick vielleicht unspektakulärer, nichtsdestotrotz extrem nützlich, denn man will ja auch mal eine Snare oder Hihat erzeugen: der Rauschgenerator.

Filter


Auch die Filter-Abteilung von Thor ist bestens ausgestattet. Vier Module stehen hier bereit, um dem Klang ordentlich auf die Pelle zu rücken.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare