Hersteller_Propellerhead DAW Software
Test
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08.08.2013

Propellerhead Reason 7 Test

Digital Audio Workstation

Alte Liebe rostet nicht, sagt ein Sprichwort. Wenn dem so ist, sollte es zwischen dem Autor dieser Zeilen – einem Anwender der ersten Stunde - und Reason in der neuen Version Nummer sieben eigentlich bestens klappen. Mit an Bord hat das Mutterschiff aller fotorealistisch gestalteten DAWs nun unter anderem einen grafischen EQ/Analyzer, ein Plugin namens Audiomatic Retro Transformer, integrierte REX-Konvertierung und – man ist versucht, ein „endlich“ einzufügen – Subgruppen im integrierten Mischpult und MIDI-Out-Kanäle.

Ob, und wenn ja, was diese Dreingaben des Updates zur Förderung der Produktionspartnerschaft zwischen Tester und Software zu leisten imstande sind, davon berichte ich im Folgenden.

Details

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ein Musiker diese Zeilen lesen sollte, der in seinem bisherigen Studioleben noch nie von der digitalen Audio Workstation Reason gehört (oder mit ihr gearbeitet) haben sollte, gebe ich einen kurzen Überblick über das Grundkonzept und die Historie der Software.

Reason ist eine zur Jahrtausendwende veröffentlichte DAW der schwedischen Softwarefirma Propellerhead, die sich bereits durch das legendäre Rebirth (eine Emulation von zwei Roland TB-303s, einer TR-808 und 909, die klanglich durch so genannte „Mods“ erweiterbar waren) einen ziemlich guten Namen im Bereich der Softwaretools zur Erzeugung elektronischer Musik machen konnten. Die Kernqualitäten, die bereits in Rebirth positiv aufgefallen sind, nämlich geringer Ressourcenhunger, attraktive, fotorealistische Optik und hohe Stabilität der Software waren vom Start weg auch in der wesentlich aufwändigeren DAW Reason auf der Habenseite zu finden. Zwei Besonderheiten von Reason waren (und sind auch heute noch) der modulare Aufbau in einem virtuellen „Rack“ und das Konzept, das sämtliche Geräte auf der Rückseite realitätsnah mit Patch-Kabeln verbunden werden können. Das betrifft sowohl das Audio- und Modulations-Routing als auch die Noten-Trigger-Steuerung, die innerhalb von Reason über das klassische CV/Gate-Prinzip gelöst wurde. Wohlgemerkt – können, nicht müssen. Wer einfach nur Musik machen will und von der im Hintergrund werkelnden Kabelage nichts wissen möchte, spart sich den Druck auf den Tab-Taster (dieser ruft in Reason die rückseitige Ansicht des Racks und der zugehörigen Verkabelung auf).

Was zur vollwertigen DAW fehlte, war die Möglichkeit Audiomaterial aufzunehmen und zu arrangieren. Mit Version sechs wurde auch dieser Entwicklungsschritt vollzogen, denn der vorher als Einzelprodukt vermarktete, lineare Mehrspur-Rekorder ‚Record‘ wurde direkt in die Software integriert. Einer Einschränkung ist Reason über alle Programmversionen hinweg allerdings treu geblieben. Die Einbindung externer Plugins, egal ob sie jetzt AU oder VST als Schnittstelle nutzen, ist nicht möglich. Zwar begründet Propellerhead diese Restriktion mit der Programmstabilität – der eigentliche Grund dürfte aber vielmehr in der Homogenität der Benutzerführung und des GUI liegen. Völlig unwillig zur Kooperation mit externen Klangverbiegern ist Reason dennoch nicht, denn mit Version 6.5 motzten die Schweden ihre Software mit einer Schnittstelle auf, die es Fremdherstellern ermöglicht, so genannte ‚Rack Extensions‘ zu programmieren, die sich wahlweise im Propellerhead-Online-Shop oder direkt aus der Software heraus (ähnlich Apples App-Store) erwerben lassen. Und die Hersteller haben diese Möglichkeit ganz offensichtlich gerne genutzt, denn zwischenzeitlich sind knapp 150 Rack Extensions mit allen erdenklichen Funktionen und Konzepten erhältlich (in nicht minder breit gefächerten Preisklassen). Propellerhead nutzen diese Schnittstelle natürlich auch selbst und gliedern Komponenten, die sie nicht als essentiell für den Kernumfang ihrer Software ansehen entsprechend aus. So auch den ‚Audiomatic Retro Transformer‘, der der aktuellen Version als kostenlose Dreingabe spendiert wurde (wobei „kostenlos“ in Anbetracht eines Update-Preises von 129,- Euro natürlich relativ zu sehen ist).

Installation

Nach der Installation kennt Reason 7 drei Möglichkeiten, sich als rechtmäßig lizensiert zu fühlen:

a.) Die vorübergehende „On-Demand-Lizenzierung“ beim Server.

b.) Das Authentifizieren eines Rechners.

c.) Das Herunterladen der Lizenz auf einen sogenannten Ignition Key.

Besonders die temporäre Internet-Verifizierung verdient dabei eine lobende Erwähnung und zwar deshalb, weil sie parallel zu den beiden anderen Lizenzierungsmethoden angewandt werden kann. Möchte man beispielsweise nur kurz ein Layout am Mobilrechner festhalten, um dieses später am stationären (dauerhaft verifizierten) Rechner zu finalisieren, so ist dies nun problemlos möglich.

Ein Wermutstropfen: Die Registrierungsdaten müssen bei jedem Programmstart neu eingegeben werden. Das ist lästig, aber auch verständlich, denn ohne diese Hürde würde sich die temporäre Version ja im Ergebnis verhalten, wie eine dauerhaft registrierte.

External MIDI Instrument Device

Das Schokoplätzchen der Sieben dürfte das neue „External MIDI Instrument Device“ sein – zugegebenermaßen nur für die Anwender, die es auch brauchen, sprich über externe Klangerzeuger verfügen und nicht nur mit dem Rechner solo arbeiten. Hierbei handelt es sich um ein Rack-Gerät, das MIDI-Signale, vorausgesetzt ein korrekt installiertes MIDI-Interface ist dem Computer bekannt, von externen Geräten empfangen und an sie senden kann. Als physikalische Schnittstelle können dazu sämtliche korrekt ins System eingebundene MIDI-Interfaces dienen. Allerdings (derzeit) nicht mehr als vier, denn mehr lassen sich in den Voreinstellungen nicht auswählen.

Hat man Reason einmal gesagt, welche Hardware-Schnittstellen es zum Transport von MIDI-Events benutzen darf, lassen sich diese im Anschluss per Drop-Down-Menü im MIDI-Input-Device auswählen. Ebenso wie der zu benutzenden MIDI-Kanal. In der Grundeinstellung empfängt und sendet das „EMI-Device“ das Standard-Repertoire an MIDI-Kommandos: Noten, Velocity, Pitch-Bend und Modulation. Über einen Taster kann ich ferner den Transfer von Programm-Change Informationen und einem (einzelnen) Continuos-Controller samt dezidiertem Regler auf der Frontseite des EMI-Device aktivieren. Ein erster Test, bei dem ich mein altgedientes Schlachtschiff Roland JD-800 ansteuere (mit Pitchbend und Modulation) verläuft auf Anhieb erfolgreich.

Wem das zu wenig Einflussnahme ist, dem steht es natürlich frei, mehrere EMI-Geräte zu kaskadieren und entsprechend mehr CC-Kanäle „im Griff“ zu haben. Wer oft auf einen bestimmten CC-Parametersatz zugreifen muss, der ist entsprechend gut beraten, die einzelnen EMIs in einem schicken Combinator-Preset zusammenzufassen.

Audiomatic Retro Transformer

Was die omnipräsenten und entsprechend inflationär gebrauchten Patinierungs-Filter von Instagram und artverwandten Apps für die Handykamera sind, verspricht der Retro Transformer für Audiomaterial zu sein. Gewohnt liebevoll gestaltet warten hier sechzehn programmatisch mit Schlagworten wie beispielsweise „Tape, Radio, VHS, Vinyl, mp3“ oder auch „Circuit“ betitelte Klangverbieger auf ihren Einsatz.

Halten wir uns an dieser Stelle nicht lange mit Erklärungen auf uns lassen die Effekte einfach mal für sich sprechen respektive klingen. Bevor es losgeht möchte ich allerdings anmerken, dass alle Effekte mit einer Automation des Transform-Parameters vom Minimum zum Maximum versehen wurden. In der deutschen Übersetzung wurde dieser etwas unglücklich mit Effektstärke übersetzt, was nur die halbe Wahrheit ist. Denn der Regler wirkt (intern) auf verschiedene Parameter des gewählten Programms gleichzeitig – das deutsche Wort „Transformation“ wäre hier also auch nicht verkehrt gewesen.

Wie hoch man hier den persönlichen Gebrauchswert ansiedeln möchte, ist natürlich reine Geschmackssache. Wer, aus welchen akustischen oder stilistischen Gründen auch immer, seinem Audiomaterial entsprechend auf die Pelle rücken möchte, sei es, um einem viel zu dominanten Synthesizer die Schärfe zu nehmen, ein ultracleanes Drumloop zu verwursten oder bestimmten Sounds eine spezifische Färbung mit auf den Weg zu geben, findet hier jedenfalls eine bunte Palette verschiedenster Effekte. Anzumerken ist, dass sich die klangliche Wirkung einiger Programme auch mit den Bord-Effekten und/oder Kombinationen davon erreichen lässt. Einige FX haben aber durchaus das Zeug dazu, dass man sie bald in manchen Produktionen wiedererkennen wird. Wie in den Audiobeispielen zu hören ist, profitieren einige Programme sehr davon, den Transform-Parameter zu modulieren. Den Effekt jedenfalls, dass das Audiomaterial im Break eine ansteigende Zerschredderung durch den MP3-Effekt erfährt, habe ich jedenfalls sicher nicht zum letzten Mal verwendet.

Spectrum Analyzer

Ein Klick auf den neu hinzugekommenen Wellenform-Button (in Audiotracks innerhalb des Racks und in Mischpultkanälen) öffnet ein skalierbares Fenster, in dem die Energieverteilung über den Frequenzbereich in Echtzeit visualisiert wird. Und nicht nur das: Die insgesamt fünf Bänder des Reason-Mischpult-EQs lassen sich hier über entsprechende Knotenpunkte zeitgemäß auch direkt anfassen und modifizieren. Im Fall der semiparametrischen Equalizer führt ein Gedrückthalten der Umschalttaste wahlweise auch noch zur Modifikation der Flankensteilheit. Die Darstellung der Wellenform erfolgte auf unserem Testrechner in allen Skalierungen flüssig (i7 2,3 GHz, 64 GB-RAM). Aktiviert man die Checkbox „Auswahl folgen“, visualisiert die Ansicht praktischerweise immer den gerade selektierten Kanal.

Subgruppen

Ein wirklich längst überfälliges Feature hat endlich Einzug in das Reason-Mischpult gehalten. Die Rede ist von Subgruppen. Die Umsetzung ist dabei ziemlich elegant geglückt: Ein Klick auf den Output-Schalter öffnet nämlich ein Auswahlfenster, wo jetzt die Option „Neuer Ausgangsbus“ zu finden ist. Wähle ich diese aus, ergänzt Reason das Mischpult um einen Kanalzug, der im Gegensatz zu „normalen“ Kanalzügen rund um den Fader einen farbigen Rahmen aufweist. Weise ich nun einen Einzelkanal dieser Subgruppe zu, wird dies optisch durch ein gleichfarbiges Label mit dem Namen der Subgruppe signalisiert, was gerade bei umfangreichen Projekten für einen merklichen Gewinn in Bezug auf die Übersichtlichkeit sorgt.

Rex-Konvertierung

Eine kleine aber feine Detailverbesserung hat im Bereich des internen Datenaustauschs stattgefunden, denn Audioclips können nun (fast) ohne Umweg, fertig „gesliced“ aus einer Audiospur in den OctoRex transferiert werden. Dazu selektiere ich einfach den gewünschten und nach Möglichkeit schon optimal im Beat-Raster sitzenden Clip und gebe mit einem Rechtsklick den Befehl „Clip-Bouncing in Rex-Loop“. Daraufhin erscheint im Werkzeugfenster das exportierte Audiosegment, welches mit einem Klick auf den Taster „In das Rack“ in einen freien Slot des OctoRex geworfen wird.

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