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31.05.2017

PMC MB3-XBD-A: Erstes Testhören der neuen Monitore

„Hearmore“-Tour im Dorian Gray Studio Berlin

Wenn man die Möglichkeit hat, ein großes Monitoringsystem von PMC zu hören, dann ist es geradezu verpflichtend, das zu tun. Und wenn es eine neue Version eines bekannten, beliebten und erwiesermaßen hervorragend klingenden Systems gibt, dann gilt das erst recht. Die Zahlen- und Buchstabenkombination des vorgestellten Monitoringsystems ist nicht gerade einfach zu merken. PMC MB3-XBD-A geht nicht leicht von der Zunge, hat aber natürlich einen Hintergrund. „XB“ beispielsweise steht für „Extended Bass“, „MB“ für „Medium Box“. Wen das angesichts der Fotos verwundert: Ja, es gibt tatsächlich noch eine „BB“, also „Big Box“. Um das System in klanglich angemessenem Rahmen während der kleinen Roadshow mit SSL vorzuführen, hat man sich in Berlin für die Dorian Gray Studios entschieden. Dort sind die Lautsprecher in einem hervorragenden Regieraum von Akustiker Jochen Veith gut aufgehoben – und auch die Vorgängermodelle der PMC MB3-XBD-A stehen dort.

PMC: Grundprinzipien der Edel-Company

Chris Allen, Mitarbeiter der 1992 gegründeten „Professional Monitoring Company“ („PMC“), hat zunächst ein wenig über das von Peter Thomas gegründete Unternehmen erzählt. Bei der BBC, für die er tätig war, gab es das Verlangen nach einem sehr hochwertigen, großen Lautsprechersystem. Weil es nichts gab, das den Ansprüchen gerecht wurde, hat Thomas schlicht ein System nach den eigenen Vorstellungen gebaut. Da aber die BBC nichts von eigenen Mitarbeitern kaufen durfte, hat er den Broadcaster verlassen und PMC gegründet. Die ersten Speaker sind übrigens heute noch bei der BBC in Betrieb.

Ein grundlegender Ansatz PMCs ist der Aufbau von Gehäusen nach dem Transmission-Line-Prinzip. Geschlossene Lautsprecher sind recht ineffizient, bei größeren Hüben arbeitet die Membran gegen das innere Luftvolumen, das dann wie ein Dämpfer agiert. „Ported“-Systeme, also Bassreflexgehäuse, haben wiederum ihre Probleme, den einzig sinnvollen Ansatz sah man bei PMC im Transmission-Line-Prinzip.

PMC ist ein Hersteller, der Dinge gerne soweit wie möglich selbst in die Hand nimmt. Die Treiber werden so gut wie alle im Haus gefertigt, lediglich der renommierte dänische Hersteller Scan-Speak fertigt nach strengen Vorgaben von PMC einige Treiber. Elektronische Bauteile werden auf 2% Toleranz selektiert, das ist ein enorm kleiner Wert. Sogar die Schaumstoffe zur Dämpfung im Gehäuseinneren sind nicht von der Stange.

Aufbau der PMC MB3-XBD-A

Die MB3-XBD-A ist ein aktives Dreiwegesystem, welches bei 380 Hz und 3,8 kHz trennt. Den Tweeter bildet eine 34mm-Seidenkalotte mit einer speziellen Dispersionslinse, die den Sweet-Spot sehr breit gestaltet. Die Mitten übernimmt ein Soft-Dome-Treiber von 75 Millimetern Durchmesser. Auffällig ist der 12“-Basstreiber, dessen Heatsinks auf der Vorderseite liegen. Die Bass Extension („XBD“) ist im Grunde das gleiche Gehäuse wie der eigentliche Speaker, aber eben ohne MF- und HF-Systeme. In jedem Gehäuse ist die Transmission Line drei Meter lang, jede Boxenseite wiegt ohne Verstärkung satte 88 Kilogramm.

Ohne das zusätzliche Rack macht das PMC-System keinen Mucks. Ein „Control 1200“ und zwei „Power 2400“-Monoblöcke sind die für Verstärkung und Steuerung zuständig. Diese stammen nicht von Bryston, wie bei einigen anderen Abhören und frühen Versionen, sondern sind ebenfalls In-House-Produkte. Weil Class-D-Verstärkung in den letzten Jahren deutliche Qualitätssprünge gemacht hat, nutzt man diese Schaltverstärker nun, um die Lautsprecher anzutreiben. Power steht massig zur Verfügung: Die Tweeter werden mit 275, die Mittenlautsprecher mit 550 Watt Leistung angetrieben, für den Bass stehen 2400 Watt pro Seite zur Verfügung. In der „Control 1200“-Einheit ist auch ein DSP beinhaltet, der Crossover-Filter, EQs und Schutzschaltungen regelt. PMC erlaubt neben dem analogen auch den digitalen Anschluss über AES3 (AES/EBU) mit bis zu 192 kHz. Die Remote des Systems wird über RJ45 angeschlossen. Der Frequenzgang wird ohne Nennung von Abfallwerten mit 20 Hz – 25 kHz angegeben, der maximale Schalldruckpegel mit kolossalen 129 dB(SPL).

Erster Klangeindruck

Ich konnte in Berlin schon vor der eigentlichen Veranstaltung testhören, wodurch sich mein Klangeindruck auf mehrere Stunden addiert hat. Neben mir unbekannten Produktionen konnte ich solche abspielen, die mir sehr gut bekannt sind. Erst einmal vielleicht zu den Dingen, die für einen gewissen Wow-Effekt sorgen können. Zunächst wäre da die schiere Lautstärke, die die beiden Türmchen hinter der SSL-Konsole erzeugten. Natürlich wird der „PA-Modus“ in der Musikproduktion selten genutzt, aber als Belohnung oder um Kunden zu erfreuen oder zukünftige zu beeindrucken, immer wieder mal gerne. Nun, laut können viele. Was sich allerdings schnell zeigt, ist dass dieses PMC-Monitoringsystem einen enormen Pluspunkt besitzt: Es klingt bei verschiedensten Pegeln nahezu identisch! Und ja: Man kann verdammt leise mit ihnen hören, ohne das Gefühl zu haben, immer lauter drehen zu müssen. Für Lautsprecher dieser Größenordnung ist das alles andere als eine Selbstverständlichkeit!

Beeindruckend ist auch der Frequenzgang. Besonders in den Bässen macht sich das Konzept positiv bemerkbar. Sichtlich unaufgeregt, konkret und kurz wird der Bass übertragen, eine „Verschwammung“ tritt nur dann auf, wenn das wiedergegebene Material es so beinhaltet. Die Höhen spielen klar, fein und greifbar. Die enorme Auflösung der Mitten ist aber das eigentliche Highlight. Ich habe sehr, sehr reich instrumentierte und kompakt gemischte Produktionen gehört, etwa „Ladies And Gentlemen, We Are Floating In Space“ von Spiritualized und in den Mitten sehr dichte Britpop-Produktionen wie Embraced und Bluetones – ich kenne kaum ein Lautsprechersystem, das nicht einknickt und matscht. Spitze! Mir persönlich ist der Präsenzbereich etwas zu kräftig abgestimmt, wodurch mir das Gesamtbild etwas zu spitz ist. Natürlich kann man damit besonders kritische S-Laute gut erkennen, nach meinem Geschmack dürfte es aber alleine im Pegelverhältnis etwas weniger sein.

Und noch etwas beweist, warum PMC mehr tut als mit den MB einfach nur „große, laute Lautsprecher“ anzubieten. Eine weitere Eigenschaft macht die Systeme so tauglich für eine klassische Regie: Es ist ein bekannter, störender Umstand, dass viele Monitore, von Nearfields bis Mains, an der Mastersektion eines Pultes gut klingen, sobald man aber mit dem Regiestuhl zu den Kanälen weiter links oder rechts fährt, mit einer sich stark verändernden Klangfarbe zu kämpfen hat. Besonders schlimm ist es oft, wenn man sich am Rack bückt, um dort am 19“-Equipment zu schrauben. Die PMC MB3-XBD-A sind hingegen atemberaubend homogen. In einem mehrere Meter großen Feld vom Pult bis zum hinteren Drittel des Regieraumes waren keine auffälligen Änderungen wahrnehmbar. Sicher: Gerade im Bassbereich ist es besonders die Raumakustik, die dafür verantwortlich ist (und im Dorian Gray wirklich hervorragend ist!), aber die maximal flache Farbenänderung in den Höhen ist frei von jeglichen Sprüngen – das muss man den PMCs erst einmal nachmachen.

Was spricht nun eigentlich gegen die PMCs? Nun: Man benötigt einen Raum entsprechender Größe – und ungefähr 60000 Euro…

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