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Test
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12.05.2015

Pioneer XDJ-RX Test

All-in-One DJ-System

Profi-Workstation für DJ-Einsatz ohne Laptop?

Alles zur neuen DJ-Wunderwaffe und All-in-One DJ-Workstation Pioneer XDJ-RX im Bonedo-Test: Was der Controller kann, was er nicht kann und wie er sich beim Auflegen anfühlt, haben wir uns mal angeschaut, schließlich möchte die Konsole mit dem zentralen Hi-Res Display Standalone Zweikanal-Mixer, MIDI-Controller und USB-Rekordbox-Player mit DJ-Link in Personalunion darstellen. Dabei legt sie Pioneers bekanntes Club-Layout und bewährte Effekte aus der DJM-Serie an den Tag und eröffnet dem DJ, das komplette Set vom USB-Stick zu spielen und seinen Laptop gleich zu Hause zu lassen, wobei das integrierte Rekordbox-System mit dem zentralen Vollfarb-Display für einen Workflow bürgen möchte, den man sonst nur vom Mac oder PC kennt.

Toll daran ist, dass sich die Songs, egal ob sie nun vom USB-Stick, Smartphone oder von einem Rechner stammen, untereinander synchronisieren, quantisiert im Takt loopen und slicen oder auch mit Beat-FX versehen lassen – für manches Mitglied der beschallenden Zunft sicher maßgebliche Kaufkriterien. Doch nicht für alle, denn gerade mobile Diskotheken und Party-DJs, die auf einen umfangreichen Musikdatenbestand zugreifen müssen, fordern mitunter ganz andere Qualitäten ein. Ist dies also nur die halbe Miete? – Nein! Und hier erfahrt ihr warum.

Details

Nach dem Auspacken folgt gleich die Erkenntnis, dass das Gerät in vielerlei Hinsicht ordentlich was hermacht. Allein schon das formschöne Chassis mit dem zentralen, angewinkelten Bildschirm, die Pioneer-typischen Deck- und Mixersektionen, ja sogar die dicken Standfüße sind eine Augenweide. Dazu bietet das Full-Size-Format mit den einhergehenden großen Tasten, den mächtigen Wheels sowie Fadern und Knobs, die sich einfach gut anfühlen, viel Raum zum Arbeiten. Besonders schwer ist der XDJ dennoch nicht geraten, denn mit einem Gesamtgewicht von acht Kilogramm wiegt er weniger als einer (!) meiner Vestax PDX-3000 Turntables. Die allgemeine Verarbeitung, mal abgesehen davon, dass an meinem Sample-Testmuster die kleinere der beiden Kopfhörerbuchsen (6,3 mm/ 3,5 mm) etwas wackelig war, ist zudem ausgezeichnet.

Ausgangsseitig lassen sich Main Floor (XLR, Cinch) und Booth (Klinke) beschallen und ebenso lässt sich der XDJ direkt an einen professionellen Amp oder eine aktive DJ-PA anschließen. Die Master-Dämpfung ist dazu in drei Stufen von -6 dB über 3 dB bis 0 dB schaltbar.

Als vollwertiger Standalone Mixer mit integriertem MP3-Player, USB-Audiointerface und MIDI-Controller kann Pioneers Spross natürlich Musik von USB-Datenträgern, einem Computer oder externen Zuspielern verarbeiten. Dazu haben Deejays die Möglichkeit, Musik von Tablets und Smartphones via Pioneers Rekordbox App einzubeziehen. Die zentralen Peakmeter sind sehr gut aufgelöst und stehen in Mono für die Channels sowie in Stereo für den Master parat. Hier lassen sich die Kanäle rein optisch schon einmal gut angleichen. Moderatoren und MCs dürfen auf zwei Mikrofoneingänge mit Einschaltknopf, separaten Gain-Reglern und einem gemeinsamen +/-12 dB Zweiband-EQ zurückgreifen, die nicht nur ein rauscharmes Signal auf den Master schicken, sondern obendrein noch über eine gut voreingestellte (Schwellwert oder die Intensität des Ducking-Effekts sind nicht justierbar) zuschaltbare Talkover-Funktion zur automatischen Absenkung der Musiklautstärke verfügen.

Praktischer Nutzen: Ich muss weder die Musik noch das Mikrofon, das wahlweise über eine Kombi- oder Klinkenbuchse angeschlossen wird, jedes Mal erneut einpegeln. Obendrein kann ich acht (!) Effekte auf das Mikrofonsignal, die Kanäle, die Crossfader-Seiten oder den Master anwenden, was das Ganze auch für Sänger oder MCs interessant macht. 

Sound

Für Klangeingriffe verfügen beide Kanäle über optional als (Kill-) Isolatoren zu betreibende +6/-26 dB Dreiband-EQs und einen Regler für die Parametersteuerung eines Color-FX (Noise, Gate/Comp, Crush oder Filter). Soundmanipulierend sind natürlich auch die im Zusammenhang mit der Mikrofonsektion bereits erwähnten acht zuweisbaren Beat-Effekte, deren Synchronisationsgrundlage (BPM) automatisch ermittelt oder manuell eingeklopft wird. Das Timing lässt sich entweder in Millisekunden oder in Taktschlägen von 1/16 bis 16 einstellen. Die Handhabe ähnelt der des DJM-Mixers und alles wird leicht ablesbar im Display dargestellt. Natürlich fällt der Zugriff auf Effektparameter nicht so umfangreich aus wie beispielsweise in Traktor. Muss er auch nicht, wenn ihr mich fragt, denn eine solide Auswahl an Bread & Butter-FX hat der XDJ-RX bereits an Bord und sie verbrauchen nicht einmal CPU-Power des Rechners. Pioneers Effektkiste klingt ordentlich, was sich auch über die Master Tempo-Funktion sagen lässt, die beim Pitchen einen Zeitverdichtungs- oder Zeitdehnungsalgorithmus startet, ohne dabei die Tonhöhe zu verändern. Aufgrund der flexiblen Range (+/- 6 bis 100) ist sie auch für die eine oder andere Effekteinlage gut zu gebrauchen.

Ich möchte an dieser Stelle zu Protokoll geben, dass der Sound über die ganze Maschinerie hinweg die gewohnt hohe Pioneer-Qualität an den Tag legt. Das beginnt bei den Phono-Eingängen, reicht über die guten AD/DA-Wandler und das integrierte mit 24 Bit und 44,1 kHz arbeitende Interface und mündet im druckvollen, satten Master-Playout und dem transparenten, ordentlich lauten, zerrfreien Kopfhörerverstärker. Genug Saft aus allen Rohren für Polka, Party, Pub und Parade. Und für die Statistik: Ich habe in diesem Test mit einem Sennheiser HD8 sowie dem Ultrasone DJ1 Pro gemixt und für den Soundcheck die HK-Audio Lukas Nano 600 PA als Referenz verwendet. Es folgen einige weitere Audiobeispiele:

Decks und MIDI

In den Decksektionen treffe ich neben Transport-, Spul- und Sync-Tasten auf diverse Kreativfunktionen, darunter Hotcues, Autoloops und Slicer, zugeschnitten auf die Rekordbox- oder MIDI-Performance. Die Tastenbeleuchtung finde ich ein wenig suboptimal, da nicht alle Tasten einbezogen wurden und auch das Feeling der aus Hartplastik gefertigten Performance-Tasten etwas anders ist als bei den anschlagdynamischen Vertretern des S8 und DDJ-SX2.

Die Funktionalität als MIDI-Controller möchte ich an dieser Stelle nur kurz anreißen, denn das aktuell (einzige) Mapping für Traktor lässt bezüglich der bidirektionalen Kommunikation mit der Hardware (LED-Feedback, ausbleibende Display-Unterstützung) und den Funktionsaufrufen (Deck 3 und 4) teilweise noch Defizite erkennen. Für besonders erwähnenswert halte ich, dass man selber entscheiden kann, ob man ein Master/Preview Setup mit Traktor und XDJ einrichten möchte und mit dem internen Mixer zu arbeiten gedenkt oder ob man den External Mixer Modus, sprich die separate Ausgabe der Deck-Signale an das integrierte XDJ-Pult bevorzugt. Nach einer guten Stunde „Treckerfahren“ ist für mich ganz klar: Die Basics gehen, aber wenn es Traktor „in Depth“ sein soll, gibt es ausreichend Alternativen zum XDJ-RX. Ob es eine Scratch-Zertifizierung für das Interface seitens Serato oder NI geben wird, ist in Anbetracht der restlichen XDJ-Serie wohl anzuzweifeln.

Kommen wir nun aber ohne Umschweife zur vermeintlichen Gretchenfrage: Laptop Workflow Out-of-the-Box? Geht das? – Die Antwort folgt auf dem Fuß im Praxisteil ...

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