Hersteller_Pioneer
Test
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03.09.2019

Praxis

Organisation

Bei jedem der 16 Tracks lässt sich in jedem der maximal 128 Projekte individuell ein Ausgang definieren, man muss sich also nicht – wie bei manch anderem Sequenzer – im Voraus entscheiden, welche Tracks global welchen Ausgang befüttern. Auch eine weitere wichtige Organisationsfrage möchte ich gleich klären: Pro Track stehen bis zu 64 Pattern zur Verfügung. Andere Sequenzer bieten eine Anzahl von Pattern und dort dann beispielsweise 16 Tracks, die dann zumeist einer Klangquelle fest zugeordnet sind. Der SQUID ist hingegen trackorientiert organisiert. Wer nur eine einzige Vier-Viertel-Bassdrum in seinem gesamten Projekt benötigt, programmiert eben nur dieses eintaktige Pattern auf dem entsprechenden Track und nutzt nur das.

Für abwechslungsreiche HiHat-Varianten werden entsprechend viele Patterns auf dem HiHat-Track erzeugt, entweder stets neu per Step-Writing programmiert, in Echtzeit eingespielt, oder als Kopien eines bereits eingespielten Patterns editiert. Solch ein Pattern kann dann bis zu 64 Steps (vier Takte) haben. Diese relativ kurze Patternlänge könnte für manche Anwender bereits eine Einschränkung darstellen. Findige Füchse aber probieren diesen Workaround: Damit komplexe Patternkombinationen auf Knopfdruck aufgerufen werden können, gibt es die sogenannten Pattern-Sets, sechzehn Kombinationen aus den Pattern von bis zu sechzehn Tracks, die ‚on-the-fly‘ stets neu zusammengestellt werden können. Diese entsprechen in etwa den „Scenes“ in Ableton Live, nur ohne die Notwendigkeit, pro Scene auch einen entsprechenden Clip in jedem zu spielenden Track zu platzieren.

Nach kurzer Eingewöhnung empfand ich dieses Konzept als sehr stimmig: Es bietet sämtliche Freiheiten beim Live-Jam und eine sichere Struktur bei Live-Performances, wo Patternwechsel auf dem Punkt sitzen müssen. Aber Achtung: Einen Song-Mode, oder wenigstens eine Pattern-Chain-Liste, gibt es nicht.

Sequenzerfunktionen

Die Sequenzfunktionen sind wohl die flexibelsten, die ich je unter den Fingern hatte. Die Pioneer-Ingenieure haben fast alle Standards abgedeckt und dann viele Spezialitäten dazugepackt, die wir bisher nur aus nerdigen Boutique-Boxen und Eurorack-Taktgebern kennen. Zunächst: Sowohl mit den sechzehn Pads als auch mit einem angeschlossenen MIDI-Keyboard lassen sich monophone und maximal achtstimmig polyphone Sequenzen einspielen und im Nachhinein weitgehend verbiegen. 23 Skalen können als Einspielhilfen gewählt und auch nachträglich verändert werden. Auch Step-Sequenzing ist natürlich möglich. Und MIDI-Pattern lassen sich auch vom Computer importieren.

Sehr schön bewährt sich die Tie-Funktion bei 303-mäßigen Sequenzen, die einen Slide ähnlich wie bei der 303 erzeugt. Für angeschlossene CV/Gate-Instrumente steht per Shift + Tie auch ein spezieller „CV Slide“ zur Verfügung. Natürlich können alle Aktionen bei laufendem Sequenzer durchgeführt, auch das Abspeichern des Projekts, was auch notwendig ist, da es keine Autosave-Funktion gibt. Pitch, Notenlänge, Velocity, Count (die Anzahl der Steps pro Pad) und Divide (die Anzahl der ausgelösten Trigger pro Pad) werden mit den fünf Endlosreglern rechts neben der Pad-Matrix eingestellt. Diese dienen auch zum Verändern der Tonhöhe der gesamten Sequenz. Der Tranpose-Button links der Pad-Matrix sorgt nur für eine momentäreTransponierung. Ist eine bestimmte Skale angewählt, erzeugen unter Umständen zwei nebeneinanderliegende Pads die gleiche Transponierung.

Als besonders intuitiv empfand ich das Suchen und Kopieren der passenden Note im Trigger oder Scale-Menü, um diese dann im Triggermenü per Paste intuitiv einzufügen. Sozusagen wie Drag-und-Drop am Laptop. Natürlich lassen sich Noten auch per angeschlossenem MIDI-Keyboard einspielen. Ist eine bestimmte Skale angewählt, werden auch vom MIDI-Keyboard nur die passenden Noten angespielt. 

Time Warp

Hat man beim freien Spielen plötzlich eine Bassline oder Melodie gespielt, muss man sie nicht extra wiederholen, um sie aufzunehmen. SQUID hat sich bis zu 16 Takte seit dem letzten Start gemerkt. „Time Warp“ ist wie ein Clipboard, dass sich die letzten gespielten Ereignisse merkt und Takt für Takt als weiß umrandete Snapshots auf den sechzehn Pads zur Verfügung stellt. Drückt man dann eine der Tasten, werden die entsprechenden Ereignisse abgespielt.

Wie viele Takte „zurückgeholt“ werden sollen, kann ebenfalls sehr intuitiv festgelegt werden. Die gewünschte Phrase wird dann sehr einfach einem Pattern zugeordnet und steht damit sofort zur Verfügung. Das ist ein richtiges Killerfeature, im Kompositionsprozess wie auch im Live-Jam, weil sogar der Sequenzer dafür nicht gestoppt werden muss.

Undo

Das ist eigentlich das Gegenteil von Time Warp: Fehler können wieder rückgängig gemacht werden. SQUID zeigt sogar die letzten Aktionen an, sodass man per Undo nicht alles komplett macht, sondern nur z. B. ganz gezielt, die drittletzte Aktion. Ich hätte das gern für mein Leben. Oder zumindest für Ableton Live.

Melodic Control

Hier werden bis zu 23 Skalen angewählt. Das geht bei laufender Sequenz, man muss sich also nicht vorher für eine Skale entscheiden und pro Pattern ist eine eigene Skale möglich. Sehr schön, um verschiedenste Variationen einer Bassline oder Hookline durchzutesten.

Audiobeispiele

So klingt Melodic Control am Beispiel einer kleinen Melodie aus dem Roland SH-101.

Speed Modulation

Hier gilt es zu experimentieren: Sechs verschiedene Modulationen (Dreieck 1 und 2, Sinus, Kosinus, Sägezahn und Rechteck) stehen zur Modulation des rhythmischen Gefüges bereit. Modulationslänge und-tiefe werden per Drehregler hinzugefügt. Bei Triangle 2 und Cosine passiert bei zwei Schritten Modulationslänge gar nichts, dann wird es wild. Bis zu 64 Schritte sind möglich. Die Square-Modulation bringt die musikalischsten Ergebnisse und klingt bei zwei Schritten Modulationslänge fast besser als der Shuffle-Swing der Groove Control. 

Audiobeispiele

Die Modulationstiefe wird bei allen Beispielen erst positiv (nach rechts) und dann negativ (nach links) gedreht. Anschließend wir die Modulationslänge langsam erhöht, solange sinnvolle Ergebnisse dabei entstehen. Als Sound dient ein SQUID-Arpeggio, gespielt von einem perkussiven kurzen Rechteck aus dem Roland SH-101.

Groove Control

Mit dem „Swing“-Endlosregler wird die Shuffle-Intensität eingestellt. Dies bezieht sich allerdings - wie auch bei allen anderen Tools - nur auf den jeweils angewählten Track. Effektiver ist der Groove Bend, eine Art Joystick zum bremsen oder beschleunigen des Grooves. Groove Control funktioniert übrigens nur pro Track, zudem ist der Groove Bend im Gegensatz zum Swingfaktor „momentary“, muss also in Echtzeit gezogen - und aufgenommen werden.

Für Freunde des vertrackten Grooves: Der SQUID kann Transpose, Speed Control, Groove Bend und Rhythmic Control (kommt gleich noch) im Pattern aufnehmen. Und bei Nichtgefallen die einzelnen Parameterblöcke separat löschen. Auch solche Spezialitäten wie Shuffle über DIN-Sync-out senden, wie sie der leider mittlerweile nicht mehr hergestellte Roland SBX-1 bietet, wären für Pioneer eine Überlegung wert. 

Audiobeispiel

Am Beispiel eines kleinen Snare-Grooves wird der Swing-Faktor langsam auf 100% und wieder zurück auf 0% gedreht. Danach ein paar Groove Bend-Aktionen.

Running Direction

Wer sagt denn, das eine Sequenz stets stur geradeaus laufen muss? Beim Toraiz SQUID geht das in verschiedenste Richtungen und auf die kommt man wahrscheinlich auch erst, wenn das Grid aus einer 4 x 4-Matrx im Gegensatz zu einer Reihe aus 16 Schritten besteht. Im normalen Modus startet die Sequenz auf dem ersten Pad oben links, arbeitet die oberste Reihe ab, dann die zweite, endet beim 16. Pad unten rechts, und dreht die gleiche Runde dann gleich noch mal.

Soweit, so bekannt. Beim zweiten Modus (Pfeil nach unten) läuft die Abspielrichtung senkrecht, also erst die Reihe ganz links, dann die nächste Reihe und so weiter. Beim dritten Modus in Schlangenlinien, beim vierten von oben links im Uhrzeigersinn ins Zentrum, beim fünften gegen den Uhrzeigersinn und beim letzten immer abwechselnd Pad 1 und 3 und 2 und 4 und 5 und 7, und so weiter. Was eben auf einer 4 x 4-Matrix Sinn macht.

Eigentlich fehlt nur noch „das Haus vom Nikolaus“ als Richtungspattern (da reichen dann auch zwei mal drei Pads aus). Zu allem Überfluss können alle Abspielrichtungen auch rückwärts geschaltet, oder auf den Kopf gestellt werden. Dadurch bietet jede Sequenz bis zu 24 Abspielvarianten – und unzählige Inspirationen. Jedes Pattern „merkt“ sich übrigens seinen Abspielmodus, es besteht also keine Notwendigkeit, diesen festzuschreiben. Und weil die Sequenzlauflichter bei jedem Muster entsprechend über die Matrix tanzen, könnt Ihr das per Bewegtbild am besten nachvollziehen.

Im Video programmiere ich aus einer simplen Bassdrum/HiHat-Kombi ein grooviges Shuffle-Element und dann im Handumdrehen eine bouncende 303-mäßige Step-Sequenz. Diese wird dann im weiteren Verlauf des Videos noch mit den Nachbearbeitungstools des SQUID gehörig durch die Mangel gedreht.

Auch mit am Start: Eine Roland TR-8S als Soundquelle, ein Roland CMU-810 via CV/Gate, ein Twisted Electrons AY3 für den lustigen 8-Bit Game-Effekt-Sound und ein Radikal Technologies Delta CEP A für die deepen polyphonen Akkorde. Beim Programmieren des SQUID ist Fantasie und Ausprobieren gefragt. Aus den simpelsten Sequenzen können komplexe Groove-Monster entstehen. Wenn es nicht sofort klappt, lassen sich dank der simplen Undo-Funktion uncoole Bearbeitungsschritte sofort wieder schmerzlos entfernen: Try and error, ohne Error!

Pioneer Toraiz Squid Sound Demo (no talking)

Step-Programmierung und nondestruktive Sequenzmodulation mit dem Toraiz SQUID

Speed Control

Speed Control ist ein simples halbieren oder verdoppeln der Abspielgeschwindigkeit der Sequenz. Da taumelt die Sequenz in Zeitlupe oder rast im Pogoschritt aus dem Zeitmaß heraus. Leider rastet sie nicht immer automatisch exakt auf dem richtigen Downbeat ein. Auch hiefür hat Toraiz eine Lösung, die da heißt: „Fixed Length“. Der kleine unscheinbare Button unten rechts startet nicht nur eine taumelnde Sequenz wieder korrekt ein, wir können in den Settings sogar definieren, ob das nach vier Beats (ein Takt) oder 16 Beats passieren soll, ja selbst Viertel-Zwischenschritte sind möglich wie 0,25 Beats, 0,5 Beats, 0,75 Beats. Sehr cool.

Mit der Taste „Gate Hold“ lässt sich die Triggerausgabe unterbrechen, um z. B. einen längeren Ton oder Akkord einfach mal stehen zu lassen oder intuitiv eine Pause in eine Sequenz zu platzieren. Denn auch die Speed Control-Aktionen lassen sich aufnehmen.Und noch ein kleines weiteres Schmankerl bietet die Speed Control: Per Shift dienen die Buttons für Half-und-Doublespeed als „Nudge-Controls“, was nichts Anderes bedeutet, als das man die Geschwindigkeit des SQUID kurzzeitig bremsen, oder beschleunigen kann, um ihn manuell an ein DJ-Set anzupassen.

Audiobeispiele

Downbeat on the 'One': Mit Fixed Length fängt man durch Count offset wild gewordene Snares wieder ein. Die Fixed Length wird von 4 Beats auf zwischenzeitlich 0,25 Beats reduziert und die Snare per Pitchregler zum Clap transponiert.

Rhythmic Control

Das ist prinzipiell ein Stotter-Effekt für kurze Trigger-Loops von ¼, 1/8, 1/16, 1/32, auch triolisch oder punktiert. Kann auch gehalten werden. Auch die Aktionen dieser Sektion lassen sich aufzeichnen und separat wieder löschen. Klasse zum Jammen und Ideen sammeln. Und ein kleiner Ersatz dafür, dass die ebenfalls etwas versteckt vorhandene Note Repeat-Funktion nicht aufgenommen werden kann.

Beim SQUID lassen sich die untersten oder obersten Pads – je nach Gusto – als Note Repeat-Buttons einsetzen (1/8, 1/16, 1/32). Der grüne Button ganz rechts dient dazu, die Note Repeats triolisch zu spielen. Leider können diese Note Repeats nicht im Pattern aufgenommen werden, sie sind reine Performance-Funktionen. Das ist schade, denn das Einspielen von HiHats per Beat Repeat ist ein Klassiker für Nutzer von Akai MPC oder NI Maschine.

Der Toraiz SQUID glänzt also mit einer Fülle an non-destruktiven Möglichkeiten zur Manipulation der aufgenommenen Sequenzen. Diese bleiben auch bei den abenteuerlichsten rhythmischen Verbiegungen im Original erhalten. Und wenn man sich dann wünscht, das eine oder andere besonders schöne Ergebnisse fest in das Pattern hineinzuschreiben, dann fällt einem wieder ein, dass dies ja gar nicht notwendig ist.

All diese Möglichkeiten stehen ja nicht lediglich pro Gerät oder pro Track, sondern alle auf einmal für jedes einzelne Pattern (also theoretisch 1.024-mal in jedem der 128 Projekte!) zur Verfügung. Das finde ich schlichtweg „mind-blowing“. Und sollte man ein programmiertes Pattern bis zur Unkenntlichkeit verschrauben, lässt sich per „Delete Mode“ sehr schnell wieder der Ausgangszustand herstellen. Schrauben ohne Risiko!

Audiobeispiel

Eine Snare und eine HiHat-Figur werden mit den Tools der Rhythm-Section moduliert und das Ergebnis im Pattern aufgezeichnet und dann wieder gelöscht.

Melodic Control

Diese Sektion ist nicht dem Groove, sondern der Melodie verpflichtet. Hier wählt man dynamisch die Skalen aus – auch gern nachträglich – und hier sitzt der Arpeggiator.  Eigentlich muss man sagen: Die vielen Arpeggiatoren, denn jeder Track hat einen und jeder kann pro Pattern ein oder ausgestellt, und in den Settings unabhängig von den anderen eingestellt werden. Da ist es auch nicht schlimm, dass es nur die Muster Up, Down und Up/Down und keine Hold-Funktion gibt. Man nimmt das Arpeggio einfach im Pattern auf und kann es dann noch viel feiner abschmecken.

Harmonizer

Der Harmonizer ist eine Art „Super-Chord-Memory“, die ähnlich aufgebaut ist wie die Chord-Memory-Funktion z. B. des Roland Alpha Juno-1 aus den 1980er Jahren: Akkord anspielen oder einen Preset-Akkord auswählen, mit dem Harmonizer festhalten und dann nach Belieben über die Tastatur spielen.  Nur hier eben gleich sechsmal und beliebig untereinander kombinierbar.

 Sehr stark und ein echtes Highlight des Toraiz SQUID, zumal die Trigger selbst nicht verloren gehen. Ist man mit dem Akkord nicht zufrieden, kann der Akkord neu festgelegt werden und wird dann von den bereits eingespielten Triggernoten gespielt.  Das ist sowieso eine der herausragenden Eigenschaften des SQUID: Fast alle Funktionen sind non-destruktiv.

Chords

Eine weitere Akkord-Funktion wird per Shift und Scale erreicht. Die Pads leuchten nun violett und 16 verschiedene, teilweise fünf-bis-sechsstimmige Akkordpresets sind über die Pads verteilt. Die Chord-Sets haben blumige Namen wie „Dawn“, „Moody“,  „Dusk“, „Spark“ oder „Farewell“, und man findet beim Herumspielen schnell Akkordfolgen, die toll zusammenpassen.

Dazu braucht es natürlich angeschlossene polyphone Klangerzeuger und so habe ich im SQUID einfach mit ein paar Akkorden das Arturia Piano V angespielt. Ich gebe gern zu, dass ich solche Akkordchanges ohne maschinelle Hilfe nur nach ausgiebigen Üben hinbekommen würde. Puristen werden über solche Presets sicher die Nase rümpfen, aber ich bin mir sicher, dass die SQUID-Chords für viele Producer eine Art Geheimwaffe werden. 

Audiobeispiel

Mal schnell ein paar Akkordwechsel erzeugt, dank der Presetchords des Toraiz SQUID

Patternsets

Die Patternsets sind in etwa Snapshots für Pattern-Konstellationen. Weil der SQUID nicht patternbasiert mit bis zu 16 Tracks arbeitet, sondern trackbasiert mit bis zu 64 Pattern, kann man schon mal durcheinanderkommen. Die 16 Patternsets dienen dazu, komplexe Patternkombinationen umzuschalten, also z. B. Bassdrum auf Track 1, Pattern 1 mit dem Clap auf Track 2, Pattern 2 und dem Synth auf Track 9, Pattern 58.

Produzenten von Dance-Music müssen also nicht ständig die 4/4-BD-Basis über alle Pattern durchkopieren, sondern exakt einmal programmieren und können dieses eine Pattern dann in allen Patternsets nutzen und trotzdem mit einem Switch von einem komplexen Pattern zum nächsten schalten. Das geht beim Jammen, quasi aus dem Handgelenk und ist richtig cool. Das würde ich mir z. B. auch für die Sessionview in Ableton wünschen.

Random

Zufallsalgorithmen waren schon immer gute Inspirationshelfer im Falle völliger Ideenlosigkeit. Beim SQUID kann Random auf Tonhöhen, Notenlängen, Anschlagsdynamik und CC-Daten übertragen werden, auch, ob ein Step „Active“ ist oder nicht, können wir dem Zufall überlassen. Wer es etwas strukturierter mag, gibt dem SQUID in den zehn Randomizer-Settings klarere Anweisungen, oder versucht es mit Interpolation.

Interpolation

Auch beim SQUID spielt der kalkulierte Zufall eine große Rolle: Ein Start-, Mittel und –Endpunkt werden definiert und dann erzeugt SQUID kontinuierliche Datenverläufe zwischen diesen drei Noten, wie z. B. Tonhöhen, Notenlänge, Anschlagsdynamik und sogar CC-Daten. So perlen z. B. die Noten vom tiefen C zum mittleren C und dann noch etwas weiter, wie im folgenden Audiobeispiel. Dann wird eine andere Skale angelegt und per Randomizer, Abspielrichtung und Active aus der Sequenz - einer simplen Note auf 16 Steps - eine kleine groovige Bassline gebaut.

Trigger Probability

Auch diese Funktion ist nicht global, sondern kann pro Track aktiviert werden. Es ist die Wahrscheinlichkeit, wann die nächste Note des Patterns getriggert wird, von 0% (gar nicht) bis 100% (immer) und das kann ebenfalls pro Pattern definiert werden und SQUID merkt sich das.

Audiobeispiel

Die Zufallsfunktionen garantieren enorme Flexibilität im Verändern von vorgegebenen MIDI-Noten. 

Zusammenspiel mit der DAW

Der Toraiz SQUID ist aber nicht zwangsläufig nur ein Gerät zur Kontrolle eines Hardware-Maschinenparks. Auch nur im Zusammenspiel mit der DAW ist der ‚Kalmar‘ ganz wunderbar zu verwenden. Mit dem Computer als Master-Clock dient der SQUID zum Generieren von Sequenzen, Spielen komplexer Akkorde, und alles kann sofort in der DAW aufgenommen und weiterverarbeitet werden.

Auch praktisch: Selbst wenn der SQUID als MIDI-Clock-Slave konfiguriert ist, lässt er sich noch eigenständig starten und stoppen, sodass man Sequenzen auf dem SQUID auch mal schnell ohne den Zusammenhang mit der DAW hören oder programmieren kann.

SQUID Manager

Der SQUID Manager ist eine kostenlose Applikation für macOS (ab 10.12 Sierra) oder PC zum Senden und Empfangen von Projekt- und Patterndaten zwischen SQUID und dem Computer. Selbst MIDI-Files kann man direkt zum SQUID senden. Und wenn ich direkt sage, dann meine ich: Bei laufendem Sequenzer und sofort beginnt SQUID das Pattern zu spielen. Ich habe einige Pattern vom ABL Bassline-Plugin als MIDI-Files exportiert und in den SQUID geladen, um damit eine SH-101 anzusteuern.

Audiobeispiel

SH-101 spielt über CV/Gate eine vom ABL-Bassline-Plug-in exportierte Basslinie.

Weitere Features

Wer sich an den oft all zu grellen RGB-Pads und Buttons bei den anderen kunterbunten aktuellen Sequenzern und Samplern stört, wird den SQUID für sein Brightness-Settings-Menü (Global 2) lieben: Sowohl das Display, als auch die Buttons und die Pads lassen sich individuell heller oder dunkler schalten. Sogar die Helligkeit der gedimmten Pads lässt sich einstellen. Oder einfach nur per USB-Power nutzen: Auch dann sind alle Lichter schön gedimmt. Das sich Steps per Copy/Paste kopieren lassen, hatte ich ja schon erwähnt. Das gleiche gilt übrigens auch für Pattern wie Pattern-Sets und das – Achtung, Achtung! – auch projektübergreifend. Die Super-Bassline vom Projekt 1 kann also auch in andere Projekte eingefügt werden. Natürlich muss dazu ein neues Projekt geladen werden, aber SQUID behält die Copy-Information im Speicher. Genial!

Und hier noch ein kleiner SQUID-Hack, falls die schwelgenden Synth-Pads dann doch mal 16 Takte lang sein sollen: Wenn für jeden Step der vier möglichen Takte eines Patterns „Count 4“ eingestellt ist, erhöht sich die Anzahl der Steps auf 256. Jeder Pattern-Step entspricht dann einem Viertel, was für Drumgrooves nicht funktioniert, aber für die vier SEM V-Akkorde (gespielt vom SQUID Akkord-Preset mit dem schönen Namen „Blessing“) dann aber doch. Alternativ kann man aber auch einfach den „Pattern-Speed“ auf „x0.25“ stellen und das Pattern wird ebenfalls in 16 Takten abgespielt, während die übrigen Patterns im normalen Tempo weiterlaufen. Und wenn User diese beiden Methoden kombiniert, ist das Pattern ergo 64 Takte lang. Also 1.024 Steps.

Audiobeispiele

Pattern mit einer Länge von 16 bis zu 64 Takten sind mit dem Toraiz SQUID mit etwas Trickserei ebenfalls machbar.

Alternativen

Ein sehr beliebter Hardware-Sequenzer muss wohl derzeit der Arturia BeatStep Pro sein. Nicht nur wäjhrend der Superbooth sah man ihn an vielen Ausstellerständen, auch modulare Liveacts nehmen die flache Flunder gerne mit auf die Bühne, dank den beiden CV/Gate- und acht Triggerausgängen. Mit Letzteren kann der SQUID nicht dienen. Demgegenüber bietet er 16 statt drei Spuren und fortschrittlichste Sequenz-Techniken, die man sonst nur aus der Modularwelt kennt. Akai Force und Synthstrom Audible Deluge bieten ebenfalls starke Sequenzer-Features und können zwei CV/Gate-Synths bedienen, haben allerdings keinen DIN-Sync-Ausgang und keine dermaßen tighte Computereinbindung wie der SQUID. 

Angenehm ist auch, dass man für die Nutzung des SQUID keinerlei Adapter mitführen muss, um für alle Einsatzszenarien gewappnet zu sein: Er kann per USB-Power mit Strom versorgt werden, wenn mal das Netzteil vergessen wurde und die MIDI-Buchsen liegen im altbekannten DIN-Format vor. Die Sequenzer aus dem Hause Elektron verfügen auch über viele schöne Tricks, aber bieten bei weitem nicht die Anschlussvielfalt des SQUID. Der Toraiz SP-16 Sampler aus gleichem Hause ist für das Arbeiten mit Audio optimiert, die Sequenzing-Features sind ziemlich schwach.

Mit dem SQUID stellt Pioneer dem TSP-16 eine äußerst potente Schaltzentrale für alles was MIDI ist zur Seite. Allerdings vermisse ich bei dieser Kombination immer noch die Möglichkeit, multi-gesamplete Sounds zu spielen. In den Neunziger Jahren hätte man einen Hardware-Sampler angesteuert, aber diese Gattung ist mittlerweile so gut wie ausgestorben. Bleibt dann doch nur wieder der Laptop als Klangquelle für Multisample-Sounds. Es ist bemerkenswert, dass in Zeiten omnipotenter DAWs ein Hardware-Sequenzer wie der SQUID mit Kreativ-Features überzeugt, die durch ihre Haptik so viel intuitiver und zugänglicher sind, als eine Software-Lösung.

Wer sollte sich den Toraiz SQUID einmal genauer ansehen?

Grundsätzlich kann man als Sequenzer-Liebhaber von den Features des SQUID nur begeistert sein. Hier haben die Entwickler von Pioneer sehr gut nachgedacht, das Beste aus den bekannten Konzepten von Standalone bis Eurorack zusammengebracht und eine sehr intuitive und kompakte Wunderkiste vorgestellt.

Zur Generierung von Sequenzen beim freien Jammen oder auch beim Kreativprozess im Studio, kenne ich kein zugänglicheres und kompletteres Gerät, auch gerade im Zusammenspiel mit einer DAW. Nicht prädestiniert ist es hingegen für komplexere Livesets, bei denen Programm-Changes auf den Punkt sitzen müssen, da pro Track/Project nur jeweils ein Programm-Change programmierbar ist, und das Umschalten von einem Project zum nächsten eine kleine Weile dauert.

Wer einen Bühnen-Sequenzer sucht, der eine komplette Live-Performance weitgehend vorgeplant abliefert, ist wahrscheinlich mit einer Akai MPC oder Force besser aufgehoben. Wer aber maximalen Zugriff auf die einzelnen Sequenzen sucht, kommt am SQUID eigentlich nicht vorbei. Das ist schade für all die kleinen Kreativ-Sequenzer, wie z. B. Make Noise Rene oder den Intellijel Metropolis, denn hier kommt ein Konkurrent, der deren Tricks draufhat, ... und, noch so viel mehr.

Statement Florian Meindl

Der Wahl-Berliner Techno-Produzent Florian Meindl nutzt den Toraiz SQUID schon seit geraumer Zeit in seinem Studio, als kreativen Ideengeber, als Bindeglied für alle Hardware und Software und quasi auch als „Masterkeyboard“.

„Pioneer hatte mich vor über einem Jahr zwecks Ideen für einen Sequenzer kontaktiert. Ich habe einige Punkte eingebracht, die ich aus der Modularsynthwelt kenne, wie zum Beispiel die programmierte Sequenz von innen nach außen zu spielen, etc. und ich habe meinen Wunsch nach CV und Gate geäußert. Der fertige Sequenzer hat mich dann überrascht, weil er noch viel mehr kann, als ich mir erhofft hatte. Man kann z. B. Gate Längen von kurz nach lang und umgekehrt modulieren, den Sequenzer nicht nur reverse laufen lassen, sondern eben kreisförmig von innen nach außen - sogar von langsam zu schnell innerhalb eines Patterns ist möglich!

Ein starkes Feature ist auch das Speichern von Lieblings-Akkorden auf sechs Buttons, das erinnert mich an das ‚Omnichord‘, mit dem man Akkordfolgen testen konnte. Der SQUID ist jetzt jedenfalls mein Hauptsequenzer für das ganze Studio, man kann alles Mögliche damit ansteuern und es ist alles tight!“

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