Test
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24.09.2016

Praxis

Also rein ins Getümmel. Nach dem Einschalten lädt Toraiz erst einmal das zuletzt genutzte Projekt, gleichgültig, ob es vorher gespeichert worden war oder nicht. Waren die Sounds auf einem USB-Stick, der beim erneuten Einschalten nicht im Slot steckt, können diese Samples natürlich nicht geladen werden (werden nicht geladen). Die Sequenzen findet man jedoch trotzdem vor.

Tipp: Das könnte ein nützlicher „Hack“ sein, um ein Default-Set voller Trigger, aber ohne Samples zu erstellen.

Im laufenden Betrieb können weitere Samples nachgeladen werden. Die Preview-Funktion beim Laden von Samples spielt die jeweils im Browser angewählten Samples in einstellbarer Lautstärke ab, kann aber auch ausgeschaltet werden. Gewünscht hätte ich mir die Option, beim Browsen nach Sounds das Vorhören nur über die Kopfhörer zu erledigen und diese in so einem Fall vom Master abkoppeln zu können. Zumindest ist die Kopfhörerlautstärke regelbar, wenn auch sehr versteckt im Arranger-Menüfenster.

Performance Pads

Die Pads fühlen sich gut an. Ohne einen der vier zugeschalteten Pad-Modi triggern sie einfach den Grundton des geladenen Samples. Wenn „Track“ aktiviert ist, kann der jeweils zu bearbeitende Track angewählt werden. Das ist praktisch, wenn man sich im Track-Menü befindet und schnell zwischen den Tracks hin- und herschalten möchte. Ist „Mute“ aktiviert, kann man die einzelnen Tracks natürlich stummschalten, die Pad-Schlagfläche ist dann unbeleuchtet. Bei gehaltener Shift-Taste kann ein Track per Druck auf das entsprechende Pad solo geschaltet werden. Mehrere Tracks gleichzeitig solo schalten, geht allerdings nicht.

„Slice“ ist prima für Loops. Hier wird jedwedes Audiofile in 16 Teile auf die Pad-Matrix gelegt und spielbar gemacht. Ein eintaktiges Sample wird in 16 Sechzehnteln angeboten, ein zweitaktiger in 16 Achteln und bei einem sechzehntaktigen File triggert jedes Pad einen ganzen Takt. Ist das Sample intern geloopt, werden auch die Slices geloopt.

Im „Scale“-Mode steht das Sample dann chromatisch zur Verfügung, allerdings nur bis zu einer Oktave höher oder tiefer vom Grundton. Daher sind dann die obersten drei Pads auch unbeleuchtet, denn da gibt’s dann nichts zu triggern.

Tipp: Wird das Sample um drei Halbtöne tiefer gestimmt, können alle Pads benutzt werden.

Besonders möchte ich hervorheben, dass Sample-Loops, die per Scale chromatisch gespielt werden, trotzdem ganz selbstverständlich im Sync bleiben, wenn ihnen als Time Stretch Option „M.Temp“ zugeordnet ist. Dadurch ergeben sich fantastische Möglichkeiten: Synchron zum Beat können die Loops in verschiedensten Tonhöhen chromatisch angespielt und selbstverständlich im Sequencer auch eingespielt werden.

Die Step-Buttons

Die „TR-8 Sequencer-Buttons“ dienen neben der Step-Programmierung auch dem Umschalten von Patterns und Scenes. Dafür wird zuerst der jeweilige Modus mit Hilfe der beiden Buttons über den blauen Pattern-Length-Buttons ganz rechts eingeschaltet.

Pattern-Wechsel sind quasi selbsterklärend, aber aufgepasst beim Szenenwechsel: Drückt man den Scene-Schalter, zeigt einem Toraiz sämtliche vorhandene Szenen in alternierenden Farben. Wählt man eine Scene an, zeigt Toraiz sämtliche vorhandenen Pattern, jedoch alle in der Scene-Tastenfarbe. Erst wenn eines dieser Pattern angewählt wird, springt Toraiz vom aktuell spielenden Pattern auf das angewählte in der neuen Scene.

Drum Sampler

Pro Scene können also 16 Samples auf die Pads und damit in die Tracks geladen werden, beispielsweise kurze Drum Hits oder auch bis zu 32 Sekunden lange Stereo-Samples. Toraiz synchronisiert auch externe MIDI-Geräte und seine Nudge-Funktion prädestiniert ihn zudem als Master-Clock-Quelle, wenn es darum geht, BPM manuell an andere Signale anzugleichen. MIDI-Noten kann er allerdings nicht senden, da ist er dann ganz „DJ-Sampler“ und kann nicht wie die MPC als Schaltzentrale für ein MIDI-Setup dienen. Schade!

Für alle, die den Toraiz einfach als reinen Drum Sampler nutzen wollen, fällt das alles natürlich nicht weiter ins Gewicht. Vor Rolands 909DAY wurde ja spekuliert, ob eine der Neuvorstellungen vielleicht ein Drum Sampler à la TR-8 sein könnte. Nun, der Toraiz ist unter anderem genau das – und viel mehr!

Sampling

Solange wir den TSP-16 mit präzise vorgeschnittenen Sample-Loops füttern, ist alles bestens. Im Verbund mit Drum Machines und Grooveboxen ist er genau der Hardware-Sampler, auf den sicher nicht nur ich seit Jahren sehnsüchtig gewartet habe. Beim Abspielen der Samples synchron zum Beat, beim Verändern der Geschwindigkeit mit weiterhin synchronen Sample-Loops stellt sich so ziemlich genau das Grinsen ein, wie anno dazumal bei der ersten Ableton Live Version. Nur hier haben wir keinen Laptop, das ist Hardware. Toll!

Leider ist der Sampling-Vorgang des Toraiz unter Betriebssystem 1.10 eine sehr umständliche Angelegenheit. Von einem DJ-Sampler erwarten wir, dass man unkompliziert Loops sampeln, integrieren und manipulieren kann. Das können selbst kleine Looper-Pedale von Boss. Beim TSP-16 ist das etwas – kompliziert.

Erstes Szenario

Eine Roland TB-3 läuft MIDI-synchronisiert im Loop mit. Der Toraiz kann zwar bis zu vier Takte taktgenau sampeln, aber einen quantisierten Samplestart kennt er nicht. Aufgenommen wird exakt bei Druck auf die Soft-Taste im Samplemenü. Das ist leider höchst unpräzise. Zwar gibt es die Möglichkeit als Auslöser im Sampling-Threshold „Play“, also den Druck auf die Play-Taste anzuwählen. Aber dafür muss man den TSP-16 ja erstmal stoppen, was auch nicht Sinn eines Live-Samplers sein sollte. Aber dann funktioniert es gut. Zur Vorbereitung eines Live-Sets ist das also ein adäquates Mittel.

Zweites Szenario

Wir führen dem Toraiz ein nicht synchronisiertes Sample zu, beispielsweise von Schallplatte. Hier muss man dann tatsächlich manuell Record drücken. Hat man dann den Loop im Kasten, kann der Bereich des Samples per „Selection Start und End“ noch eingegrenzt werden, allerdings nur per Finger auf dem Touchscreen und ohne Zoom-Möglichkeit. Die entsprechenden Werte über den Endlosreglern verändern sich zwar, mit den Endlosreglern selbst hat man aber merkwürdigerweise keine Möglichkeit der Einflussnahme. Zudem fehlt jede akustische Kontrollmöglichkeit. Wir sehen zwar die Wellenform des Samples, können es aber noch nicht anspielen, denn zur weiteren Verwendung will das Sample erst mal benannt und abgespeichert werden. Auch das sehr spartanische Edit-Window bietet keine Erleichterung, hier kann dem Sample noch manuell mit auf den Weg gegeben werden, welche BPM-Zahl (wenn man diese zufällig weiß) und wieviele Takte es hat, aber diese Arbeit sollte ein hochprofessioneller Loop-Sampler dem Anwender auch abnehmen können. Beim Versuch, das Sample-Menü zu verlassen, stellt sich ein Warnhinweis in den Weg: Abspeichern oder alles ist verloren.

Nach dem Speichern wechselt man ins Menü „Sample Playback“. Hier können wir dann endlich den Start- und Endpunkt setzen, per Touchscreen aber dankenswerterweise jetzt auch mit Unterstützung von Zoom und den Endlosreglern. Aber leider folgt der Focus des Zoom nicht den Einstellparametern, springt also beispielsweise nicht zum Startpunkt-Anzeiger, wenn man den Startpunkt-Regler bedient. Möchte man sehen, was man tut, muss man ständig im Sample hin und her scrollen, um den Überblick zu wahren. Keine intuitive Lösung!

Aber was tun, wenn der angebotene Grid nicht korrekt ist? Das kommt in der besten Software vor und in jeder DJ-Software, auch in Rekordbox, kann man das manuell angleichen bis es passt. Der Toraiz bietet diese Möglichkeit leider nicht. Einzelne Sounds sampeln klappt prima, aber bei Loops, die Tempo-synchronisert werden sollen, tut sich der Toraiz noch schwer. Das verwundert, weil das Teil sich ansonsten kaum eine Blöße gibt. Und weil es in System-Version 1.10 über Funktionen verfügt, die im Handbuch (Version 1.0??) noch gar nicht dokumentiert sind, hoffe ich auf ein System-Update, das dieses Thema zufriedenstellend löst.

In der Zwischenzeit bereitet ihr eure Loops besser in Ableton oder Traktor vor und übertragt sie per USB auf den Toraiz. Mit „vorgekauter Kost“ kommt er prima klar und macht dann auch genau das, was er kann und soll: ohne Computeranbindung und geschwindigkeitsunabhängig Sample-Loops abzuspielen und zum Jammen anzubieten.

In Sync

Im Sync Menü können verschiedenste Quellen und Ziele für die Synchronisation angewählt werden. Als Tempo-Master sendet der Toraiz MIDI-Clock via MIDI-Out oder USB. Als Slave empfängt er ebenfalls via MIDI-In oder USB. Über die MIDI Out/Thru-Buchse wird die empfangene Clock auch weitergeleitet. Und dann war da ja noch „one more thing“ …

Pro DJ Link

Kommen wir zum Heiligen Gral dieses Tests: Wie verhält sich der Toraiz im Verbund mit anderem Pioneer Equipment? Läuft er wirklich per LAN-Verbindung synchron mit einem CDJ? Skepsis scheint berechtigt, denn das aktuelle Handbuch (Stand: 2. August 2016) schweigt sich über dieses ziemlich wichtige Feature des TSP-16 komplett aus. Also: Holt die Luftschlangen raus: Ja, er macht es! Auf der Utility-Page wählt man als Sync-Option „Pro DJ Link“ an. Es gibt drei Optionen: BPM Sync, Beat Sync und Bar Sync. BPM Sync übernimmt die Geschwindigkeit des CDJs, der als Master fungiert, aber ignoriert den Downbeat. Man muss den Toraiz schon sehr präzise einstarten und ihn dann mit der Funktion „Touch Nudge“ auf der BPM-Page angleichen.

Anders sieht das bei Beat Sync und Bar Sync aus: Auch hier sollte man den Downbeat einigermaßen präzise treffen. Daraufhin eiert der Toraiz für ein bis zwei Takte auf der Suche nach dem „perfect beat“ herum, lockt sich dann aber auf den Beatgrid des Master-Players ein und läuft dann synchron. Ungläubiges Staunen: Wie machen die das bloß?

Dezente Geschwindigkeitsänderungen am CDJ werden klaglos vom TSP-16 übernommen, auch bei Geschwindigkeitsänderungen um +/-10 bleibt er folgsam. Bei Ungenauigkeiten im Beatgrid kann man auch mit den Nudge-Tasten das Tempo nachjustieren, ein großer Vorteil gegenüber MIDI-Clock, die keine Veränderungen zulässt.

Da alle Pioneer-Geräte mit Pro DJ Link Option nur eine LAN-Buchse haben, benötigt man einen LAN-Hub, um alles miteinander zu verbinden. Auf der Beat-Page findet sich dann anstatt des großen virtuellen TAP-Buttons ein Feld, in dem man anwählen kann, ob das Master-Tempo von einem von vier möglichen Playern kommen oder automatisch ermittelt werden soll. Einziger Wermutstropfen: Bei aktiviertem Pro DJ Link wird keine MIDI-Clock ausgegeben. Ein TSP-16 im Player-Link kann also nicht der Master-Clock-Geber für einen MIDI-Clock-Verbund sein. Sehr schade.

Davon unbenommen: Die Synchronisation mit CDJs ist schon allein ein absolutes Killerfeature. Kühnste Träume werden endlich wahr: einen CDJ-Track mit laschen Drums mal eben mit fetterer Bassdrum und selbst programmieren Hi-Hats aufmöbeln? Kein Problem mehr! Mit Snare Rolls im Break die Meute zum Wahnsinn treiben? Check! Mit den eigenen Stem-Loops jammen? Läuft beim Toraiz!

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