Test
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29.03.2018

Praxis

Mit einem Gewicht von 2,1 kg und Maßen von 483 x 272 x 59 mm ist der DDJ-SB3 ziemlich kompakt und leicht, aber dennoch gut zu handhaben, ohne dass es fummelig oder eng wird. Auch ein Steckernetzteil muss man nicht mitschleppen, da die Kommandozentrale über USB versorgt wird. Ein gesonderter Treiber wird ebenfalls nicht benötigt, Serato bringt alles mit. Einzig das Firmware-Update sollte man aufspielen, dazu reicht es, die Programmdatei zu starten, wenn der DDJ-SB3 angeschlossen ist und die neue Version drüber zu bügeln

Pioneers DJ-Controller wartet mit einem integrierten 24 Bit/44,1 kHz Audiointerface auf und spielt von Haus aus nativ mit Serato zusammen. Unter Pioneers rekordbox wird er nicht plug’n’play gemappt und wer Traktor oder andere Drittherstellersoftware nutzen möchte, muss ebenso selbst konfigurieren – oder besser gleich auf ein anderes Gerät ausweichen.

Nach dem Download von Serato Intro und der Installation der Software hat man eine funktionsbeschnittene Software am Start. Für den DDJ-SB3 bedeutet dies, es gibt nur eine Handvoll Effekte, die Mixsession kann nicht intern aufgezeichnet werden, sondern muss bei Bedarf extern abgegriffen werden, es sind nur 5 von 8 Performance-Modi verfügbar, Expansion Packs nicht nutzbar und dergleichen. Wer mehr möchte, muss 99 Euro in Serato DJ Pro investieren. Ebenso ist man bei den Konfigurationsmöglichkeiten im Setup-Menü eingeschränkt. Nachstehend einige Screenshots zum Vergleich. 

In the Mix

Das Auflegen mit dem SB3 geht gut von der Hand. Die Verarbeitung ist gelungen, Fader und Regler reagieren samtig und präzise, auch der etwas kurz geratene Pitch steuert ordentlich im Zehntelbereich und kann dreifach umgeschaltet werden (8/16/50 Prozent). Die Hartplastiktasten und Gummi-Pads lassen sich gut triggern und verkanten nicht.

Ein Push-Encoder navigiert durch Seratos Crates und den Browsertree, zwei Ladetasten befüllen die Decks. Innerhalb des grafischen Benutzerinterface sind einige Funktionen gesperrt, darunter intelligente Playlisten, History, Listen-Layout, jedwede GUI-Umschaltung und Wellenformanordnung, Loop-Speicher etc. Drückt man auf die inaktiven Symbole, erscheint jedes Mal unten ein Vorschlag, Serato Pro zu kaufen. Naja, ob das sein muss? Übersichtlich ist das Programm aber allemal und wer etwas weiter weg vom Screen agiert, kann Wellen und Text zoomen, sodass er besser lesbar ist.

Tracks können auf Tastendruck ins gleiche Tempo gesynct werden, aber nicht auf den Beat, das muss per Hand respektive Handradschubsen erfolgen – ein Taktraster wird ohnehin in Serato Light nicht angezeigt. 128 Millimeter im Durchmesser betragen die Jogwheels mit ihren seitlichen Griffmulden und dem Aluminium-Look. Damit ist Spulen, Scratchen und Nudgen möglich. Sie liegen gut an der Hand und setzen Bewegungen akkurat um. Damit man dabei keine Schubser und Pitch-Veränderungen hört, friert der Keylock die Tonart ein. Wie auch in Serato Pro wird der Standard-Algorithmus verwendet, Pitch’n’Time DJ ist ja bekanntlich kostenpflichtig.

Beim Mischpult, ausgestattet mit Vorhörtasten, Trim-Potis und Dreiband-EQ nebst Hoch-/Tiefpassfilter pro Kanal, gibt’s in Anbetracht der Preisklasse eigentlich nix zu meckern, nur wäre mir persönlich der Cuemix-Regler des SB2 lieber gewesen als die Master-Taste, womit sich Pioneer am DDJ-RB für rekordbox orientieren. Über dem Crossfader hat außerdem die Filter-Fade-Taste das Zeitliche gesegnet, dafür bekommt man nun acht Fade-FX an die Hand, zu denen ich gleich noch kommen werde.

Eine Visualisierung des Master-Pegels ist den LED-Ketten nicht zugestanden worden, sie zeigen stattdessen die Kanallautstärken an, auch für Deck 3 und 4, wenn umgeschaltet wird. Dann wird auch ein Pickup-Mode aktiviert. Bedeutet, dass DJ sich zwar merken muss, wann wo was rausgedreht wurde, es kommt aber beim Deck-Wechsel nicht zu Parametersprüngen, da die Software erst dann wieder Änderungen der betroffenen Parameter zulässt, wenn der alte Wert mit dem Regler abgeholt wurde.

FX und Performance-Pads

Sechs Effekte stehen unter Serato Light zur Verfügung. Diese können nur rudimentär gesteuert werden. (An/Aus, Mischungsverhältnis gemeinschaftlich, Taktung via Shift). Leider ist es nun nicht mehr möglich, sämtliche drei Effekte von der Hardware aus zu selektieren, das kann nur noch für den ersten Klangveredler passieren. 

Performance-Pads

Unter Serato Light sind nur 5 von 8 Performance-Modi verfügbar, die schraffierten Texte folglich Serato Pro vorbehalten. Die Beleuchtung der Pads ist im Gegensatz zu den Topmodellen immer gleich und zwar rot. Zwar ist die untere Reihe mit Symbolen für Suchen, Censor und vorheriger Track ausgestattet, das funktioniert aber nicht in jedem Modus, sondern nur bei den Hotcues (4) und Sample-Slots (4). Was wiederum zu Abweichungen führt in der Verwendung von Serato Pro. Bei den Pad Scratch FX, Trans (ein Gate mit diversen Timings) und Fade FX sind alle acht Tasten für die verwendete Betriebsart reserviert. Beat Jump, Roll und Slicer können nur nach dem kostenpflichtigen Upgrade genutzt werden, ebenso der Slip-Modus. Was noch fehlt im Bunde, sind die Fade-FX und Scratch FX.

FX Fade

Die FX-Fade-Funktion soll bei weichen Überblendungen und zur Kombination verschiedener musikalischer Stilrichtungen behilflich sein. Im Detail finden sich hier Kombinationen aus einer Lautstärkenabsenkung mit einem Hochpassfilter, Tiefpassfilter, Loop-Playback oder Back Spin. Das hört sich wie folgt an..

Pad Scratch

Hier handelt es sich nicht um vorgefertigte Sample-Sounds, sondern um vorgefertigte (Cue-Routinen, die auf den aktuellen Track gemappt werden. Acht unterschiedliches Scratches, darunter Babyscratches und Chirps, können auf Tastendruck beatsynchron abgespielt werden, überlagert oder solo versteht sich. Das kann durchaus auch als eine Vorlage für das eigene Scratch-Training herhalten. Zu erwähnen wäre noch, dass angelegte Cuepoints hier als Scratch-Marker dienen und via Shift angefahren werden, damit die Scratches an den unterschiedlichen Track-Passagen starten. 

Nicht unerwähnt lassen möchte ich den Utility-Mode, der mittels Shift/Play/Power ausgelöst wird. Hier hat DJ die Möglichkeit, die Backspin-Länge auf kurz, mittel und lang einzustellen, den Cutlag des Crossfaders in 52 Schritten von 0,5 mm bis 5,7 mm einzustellen und für Faderstart-Funktion vorzugeben, ob diese, falls aktiviert, mit Sync starten soll oder nicht.

Möchte man den DJ-Platz zwischenzeitlich mal verlassen, um mit den Kumpels am Tresen zu quatschen oder aufs stille Örtchen zu gehen, kann man auch die Autoplay-Funktion einschalten, dann wir nach Ende eines Titels ein neuer geladen und abgespielt. Das funktioniert auch ohne Hardware im Trainings-Modus, mit dem ihr bequem auf dem Sofa ohne angeschlossene Hardware Track-Prepping betreiben könnt.

Alles in allem kann man also sagen, dass der DDJ-SB3 recht gut ausgestattet ist für ein Einsteiger-Tool, man kommt aber nach einiger Zeit an die Grenzen, was wiederum die Idee fruchten lassen könnte, zur Serato DJ Vollversion zu greifen. Aber wisse: Zwar erhaltet ihr mehr Features, aber nicht wenige Funktionen sind bei Serato abhängig von der verwendeten Hardware, daher gilt es im Einzelfall zu prüfen, ob man nicht mit einem größeren Controller besser fährt.

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