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Test
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31.01.2014

Pinguin Audio Meter PG-AMM-Stereo Test

Metering- und Analyzer-Software

Viele Meter für viel Geld

Pinguin Audio Meter im Test bei bonedo – Musik ist ein akustisches Medium, aber der Wunsch nach visueller Unterstützung ist fast so alt wie die Geschichte der Tonaufzeichnung. Die Entwickler des Pinguin Audio Meters zählen dabei zu den Veteranen der deutschen Studioszene.

Wir alle verbringen viele Stunden des Tages damit, unser Gehör zu schulen. Was gut klingt, ist auch gut, und das Organ, das uns hier zur Referenz dient, ist nun mal das Ohr. Aber der Mensch ist auch ein Augentier. Visuelle Orientierung ist ein menschliches Grundbedürfnis, und das macht auch vor der Ohrendomäne Musikproduktion nicht halt. Zudem dienen Studio-Messinstrumente nicht nur als Ergänzung zum Gehör: Es gibt Dinge, die kann man nur schwerlich mit den Ohren erfassen, während ein Messinstrument hier blitzschnell und präzise Aufschluss geben kann. Hand aufs Herz: Wer kann den Klangunterschied von drei oder fünf aufeinanderfolgend clippenden Samples treffsicher hören? Ein Metering-Tool ist an dieser Stelle glasklar und unbestechlich, und das ist nur ein Beispiel…

Das Hamburger Pinguin Ingenieurbüro hat mittlerweile rund 25 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Messinstrumenten. Sein Flaggschiff-Produkt, das Pinguin Audio Meter, zählt zu den Klassikern seines Genres, dank seiner speziellen Qualitäten darf es gerade im Broadcast-Bereich als Standard gelten. Die Software konkurriert hier seit langem auf höchstem Nivaeu mit sündteuren, rein hardwarebasierten Lösungen. Im Lieferprogramm befindet sich ein ganzer Strauß an Lösungen für verschiedene Anwendungen. Wir beschränken uns hier auf die Basisversion, die für sämtliche Stereo-Anwendungen vollkommen ausreicht und demnach für die meisten Projektstudioanwender die auch preislich interessanteste Option darstellen dürfte.

Details

Schnell installiert, nicht ganz so schnell konfiguriert

Mit einen angenehm schlanken Installer (34 MB für PCs, 22 MB für Mac-Betriebssysteme) ist das Meter mit dem possierlichen Polarvogel schnell heruntergeladen, wobei als Kopierschutz ein Aladdin Sentinel Hardlock USB Dongle fungiert. Wie bei allen ernstzunehmenden Metering-Tools oberhalb des Freeware-Einsteigerlevels erfordert die Konfiguration der Software jedoch einigen Aufwand. Dies ist aber kein Kritikpunkt, sondern es liegt einfach in der Natur der Sache. DAWs bieten heute praktisch endlose Konfigurations- und Routing-Optionen, auf diese muss eine Metering-Software natürlich Rücksicht nehmen – und das dann alles entsprechend einzustellen, erfordert bisweilen etwas Zeit und Gedankenaufwand.

Wie die meisten Standalone-Metering-Programme kann auch das Pinguin Meter die Eingänge des verwendeten Audio-Interfaces abgreifen. Das ist in Recording-Situationen eine feine Sache, hilft aber weniger, wenn Musik aus der DAW heraus abgespielt werden soll. Hier kann ein Loopback im Interface helfen, bei dem der Hauptausgang wieder auf einen (ansonsten stummgeschalteten) Eingang geroutet wird. Als Ergänzung bietet das aktuelle 2.1-Update der Software als Neuerung auch ein Routing-Plug-In, das über VST-, AU- oder DPM-Schnittstellen in praktisch jede DAW integriert werden kann und dann von dort einen Audiostream an das Pinguin-Meter sendet. Damit kann beispielsweise der Hauptausgang von Logic, Live oder Cubase über die Meteringsoftware abgebildet werden, ohne dass man beim Interface-Routing Kapriolen schlagen muss.

Zehn verschiedene Messinstrumente

Die Pinguin-Basisversion bietet insgesamt zehn unterschiedliche Messinstrumente, von denen maximal acht zeitgleich zum Einsatz kommen können. Darunter befinden sich sämtliche Standards, aber auch ein paar speziellere Meter, die man – je nach Perspektive – im Projektstudio nicht so dringend benötigt, die aber teilweise auch hier eine willkommene Ergänzung zum Metering-Einheitsbrei darstellen können. Das muss aber jeder selbst entscheiden, denn letztlich ist Metering eine ebenso subjektive Angelegenheit wie das Monitoring. Und genau so wie eine Studioabhöre das Thema zahlreicher Glaubenskriege war und ist, so ist auch der Gebrauch, die Einstellung und Verfeinerung von Messinstrumenten eine sehr persönliche Sache, der man ordentlich Zeit widmen kann – und sollte.

 

Ein zentrales Element des Pinguin-Meters ist die Pegelkontrolle

Standardmäßig kommt hier eine VU/PPM-Anzeige in horizontaler Bargraph-Arbeitsweise zur Anwendung, welches aber auch in anderen Modi betrieben werden kann. Es bietet dazu auch die Betriebsweisen SPPM +9 dBfs, QPPM, True Peak (mit einer Integrationszeit, die mittels Oversampling kürzer ist als ein einzelnes Sample) sowie das K-System von Bob Katz. Ebenso wichtig ist die Kontrolle des Frequenzgangs. Hier bietet Pinguin zwei Optionen: Die erste kommt als recht flexibles FFT daher, welches zahlreiche Einstellmöglichkeiten der Analysefenster, Decayzeiten, Anzeigevarianten und dergleichen bietet. Die Fenstergröße ist fest auf 2048 Samples eingestellt, was einen ganz guten Kompromiss darstellt zwischen der Auflösung des Meters und dem zeitlichen Ansprechen der Anzeige. Mit einer Auflösung von 21,5 Hz lässt sich allerdings der Bassbereich weniger exakt kontrollieren, als dies beispielsweise beim Bassdrum-Tuning erforderlich wäre. Eine einstellbare FFT-Fenstergröße wäre also eine nicht unwichtige Ergänzung bei einem zukünftigen Update. Zusätzlich bietet Pinguin noch ein Terzband-RTA auf Basis von Bandpassfiltern. Manche Anwender bevorzugen solch eine Anzeige, weil sie – je nach Konfiguration und Vorlieben – etwas gröber auflöst und dementprechend keine Details von den größeren Energieverteilungszusammenhängen einer Mischung ablenken. Ergänzend kann man auch noch auf ein Spektrometer zurückgreifen, welches den Energieverlauf im Frequenzspektrum auf einer Zeitachse abbildet.

Besonderheit: MF Correlator

Auch das Stereobild hat man mit dem Pinguin-Meter gut im Blick. Hier gibt nicht nur das Goniometer Aufschluss, gewissermaßen die Mutter aller Stereomessinstrumente, sondern auch ein Korrelationsgradmesser. Damit verfügt das Pinguin schon mal über die Grundausstattung, die einfach nicht fehlen darf. Eine schöne Ergänzung, und zwar eine, die ich in dieser Form noch nirgendwo sonst gesehen habe, ist der MF Correlator. Dieses Meter schlüsselt den Korrelationsgrad bzw. die Phasenlage eines Signals in Terzband-Unterteilung nach Frequenzen auf. Diese Information ist eine sehr nützliche Ergänzung zu den anderen Stereo-Meters. Im Prinzip ist es ja so: Alle diese Messinstrumente beleuchten den selben Sachverhalt, nur eben jeweils aus einem etwas anderen Blickwinkel. Und ein schlüssiges Gesamtbild ergibt sich oft aus dem Zusammenspiel der einzelnen Komponenten. Die EBU-Meter hingegen, für Broadcast-Anwendungen unverzichtbar, dürften in der gewöhnlichen Projektstudio-Musikproduktion nicht die zentralste Rolle spielen. Dennoch sind es gerade auch diese Komponenten, welche dem Pinguin-Meter seinen guten Ruf verschafft haben.

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