Bass
Test
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25.09.2015

Pigtronix Bass Station Test

Bass-Compressor, -Verzerrer, -Booster, DI-Pedal

Soundverdreher für Bassversteher!

Die Firma Pigtronix residiert in Long Island/USA und ist noch relativ jung. Gegründet wurde sie 2003 von den beiden Gitarristen David Koltal und Brian Bethke mit der Zielsetzung, futuristische Analogeffekte zu kreieren, also moderne Analogpedale in der digitalen Ära zu erschaffen. Der Erfolg scheint den Gründern Recht zu geben - die Liste berühmter Namen, die mit Pigtronix-Effekten ihren individuellen Sound gestalten, wird immer länger. Dabei steht bei Pigtronix stets die Gestaltung neuer Sounds im Vordergrund der Entwicklung ihrer Pedale, nicht etwa das Emulieren oder Re-Designen von Vintage-Effekten.

Für uns Tieftöner hat man sich bei Pigtronix eine besondere kleine Kiste ausgedacht, deren Zuordnung in eine typische Gattungsart zugegebenermaßen etwas schwer fällt. Was ist also diese Bass Station eigentlich? Sie ist nämlich kein Multieffekt, kein Preamp, keine reine DI-Box, kein A/B-Switcher. In erster Linie beherbergt sie einen Compressor und einen Booster, allerdings mit der zusätzlichen Möglichkeit, einen sehr speziell klingenden Verzerrer hinzuzuschalten und darüber hinaus separat eine externe Effektkette einzuschleifen, nämlich über einen getrennt schaltbaren Loop-Weg. Klingt interessant? Ist es auch! Wir sind sehr gespannt, was man damit so alles anfangen kann.

Details

Egal, was sich im Inneren der Pigtronix Bass Station verbirgt, rein optisch ist sie schon einmal ein absoluter Hingucker. Irgendwie fühle ich mich sofort in die bezaubernde Science-Fiction-Welt der 60er versetzt, zumindest erinnert mich das Design stark daran. Man erkennt Orbitstrukturen, ein schwarzes Sternenfeld, zwei grüne Planeten (der größere der beiden lässt nur seine obere Hälfte erkennen), mittig platziert und von einem Saturn-Ring umzogen. Dazwischen platziert, bzw. optisch passend eingebettet, befinden sich die Bedieneinheiten: drei Fußschalter, vier Potis, drei LEDs und eine oben platzierte XLR-Buchse. Alle cremefarbenen Beschriftungen sind gleichfalls, wie auch das mit grüner Planetenfarbe umrahmte "Pigtronix Bass Station"-Logo, ausgesprochen ansprechend gestaltet. Das Auge hört ja schließlich mit!

Rechts befindet sich eine Klinken-Eingangsbuchse, links ein Klinkenausgang und zwei weitere Klinkenbuchsen für den schaltbaren Mono-Effekteinschleifweg unter Hinzunahme externer Effektgeräte. Die drei Fußtaster wurden sehr nah an der unteren Kante platziert. In der Tat wäre kein Millimeter mehr Platz vorhanden, um sie noch weiter nach unten zu setzen. Bezüglich des Schaltvorgangs ist das allerdings recht angenehm, denn man hat gewissermaßen nur noch den entsprechenden Schalter unter der Sohle und nicht noch eine darunterliegende Gehäusekante. Zwischen den Schaltern liegt zudem ein größerer Abstand, denn auch dieser wurde entsprechend der Gehäusebreite maximal ausgelotet und versehentliche "Doppelschaltvorgänge" sind dadurch auszuschließen.

Von rechts nach links steppen wir uns durch die Fußschalterfunktionen:

Compressor:

Ich behaupte mal, dass man den Compressor der Pigtronix Bass Station als deren Herzstück bezeichnen kann. Er basiert auf dem Pigtronix "Philosopher Bass Compressor", der auch als Standalone-Gerät existiert. Wird der Compressor eingeschaltet, wird dies durch eine blaue LED angezeigt, die mittig oberhalb zwischen dem rechtem und dem mittlerem Fußtaster sitzt. Die Bedienelemente des Compressors liegen in der oberen rechten Ecke. Drei Potis, ausgestattet mit kleinen schwarzen Metallknöpfen und den Bezeichnungen Volume, Compression und Sustain, bieten eine intuitive und überschaubare Bedienung. Der Volume-Regler dient der Anpassung des Ausgangslevels des komprimierten Signals. Der Sustain-Regler gleicht einem regelbaren Threshold, also der Signal-Barriere, ab welcher der Compressor beginnt einzugreifen. Je weiter der Regler nach rechts gedreht wird, desto stärker wird die Kompression. Der Compression-Regler sollte eigentlich besser Blend-Regler heißen, denn hier wird das Verhältnis zwischen dem trockenen (unkomprimierten) und dem komprimierten Signal geregelt. Dies hat den Vorteil, dass man selbst bei sehr stark komprimierten und pumpenden Signalen wahlweise noch den Attackanteil des unkomprimierten Signals hinzumischen kann, um dadurch dem Basssignal einen starken "Punch" zu verleihen.

Zusätzlich befindet sich unter den drei halbkreisförmig angeordneten Potis ein kleiner Kippschalter mit der Bezeichnung "Grit". Dahinter verbirgt sich eine Overdrive-Schaltung, die sich zusätzlich innerhalb des Compressorschaltkreises aktivieren lässt. Der Sound dieses Verzerrers wurde angeblich von Jack Bruce inspiriert, besitzt also ganz klar Vintage-Charakter. Die Intensität des Overdrives ist immer gleich, und der Effektanteil wird lediglich über den Compression-Regler bestimmt, also dem Verhältnis zwischen trockenem Signal und komprimierten Signal.

Boost:

Der mittlere Fußschalter aktiviert die Boost-Funktion. Die Pigtronix Bass Station kann das Bass-Signal bis zu 12dB boosten. Das regelbare Poti hierfür sitzt im oberen linken Drittel der Gehäuseoberfläche, stilvoll im Inneren eines blauen Planeten platziert, darüber liegend eine grüne LED, die gut und gerne einen Mond darstellen könnte, der um den Boost-Planeten kreist. Der Boost kann einerseits verwendet werden, um gezielt zwischen normaler Lautstärke und Sololautstärke umzuschalten, oder aber auch, um gegebenenfalls den Pegel anzuheben, falls eingeschliffene Effekte oder Effektketten die Lautstärke herabsetzen sollten.

FX Loop:

Der FX Loop sitzt in der Schaltung hinter dem Compressor und vor dem Booster und bietet gewissermaßen eine Mono Patch Bay zum bequemen Einschleifen eines Effektgerätes oder einer ganzen Effektgerätekette. Ist der FX Loop deaktiviert, so umgeht das Signal die Effektgeräte im True Bypass. Dies hat zwei Vorteile: Erstens muss man nicht mehrere Effekte gleichzeitig synchron an- und ausschalten, was für Zweifüßler äußerst schwierig ist, und zweitens wird das Basssignal durch den True Bypass nicht durch eine Kette von weiteren Geräten im Bypassmodus unnötigerweise negativ beeinflusst, wenn kein Effekt in der eingeschliffenen Kette benötigt wird. Der Effektweg ist seriell ausgelegt und der Effektanteil im Loop beträgt entsprechend immer 100%. Eventuelle Probleme mit abgesenktem Ausgangspegel bei aktivierter Effektloopkette können durch die Boostfunktion der Bass Station ausgeglichen werden.

In der oberen linken Ecke wurde eine XLR-Ausgangsbuchse installiert, die parallel mit der 6,3mm Klinken-Ausgangsbuchse verlötet ist. Das macht die Pigtronix Bass Station gleichermaßen zu einer DI-Box. Etwas irritierend ist hierbei jedoch das Fehlen eines Groundlift-Schalters. Zudem zeigt ein Blick in das Innere, dass die beiden Buchsen lediglich direkt miteinander verdrahtet wurden, ohne jegliche galvanische Trennung.

Das Testgerät war zudem offensichtlich falsch verdrahtet, denn sobald man beide Ausgangsbuchsen gemeinsam belegte, reduzierte sich der Ausgangspegel um gefühlte 50% und machte das Signal dadurch nicht mehr verwendbar. Das Problem konnte man provisorisch beheben, wenn man die Klinke aus der Buchse des Klinkenausgangs ein Viertel weit herauszog. Das jedoch ist sicher nicht im Sinne des Erfinders - hoffen wir also auf einen Einzelfall!

Die Stromversorgung der Pigtronix Bass Station erfolgt ausschließlich über ein mitgeliefertes 18 Volt Gleichstrom-Netzteil. Laut Bedienungsanleitung kann man auch 9V-Netzteile verwenden, reduziert damit jedoch den vollen Dynamikumfang.

Der Gehäuseboden wird ohne Gummierung ausgeliefert, um gegebenenfalls direkt auf ein Pedalboard geschraubt werden zu können. Für den frei liegenden Bodenbetrieb liegt der Packung jedoch eine rutschfeste Gummiunterlage bei, die selbstklebend angebracht werden kann.

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