Gitarre Hersteller_Peavey
Test
1
06.02.2014

Praxis

Ein Combo, massiv und groß, der in einer schwarzen Rüstung steckt. Es sollte eigentlich klar sein, dass so einer nicht beim Kindergeburtstag „Alle meine Entchen“ singen will. Und entsprechend ist bereits der Rhythm-Kanal abgestimmt. Das heißt im Umkehrschluss, dass sich derjenige, der einen ultracleanen Ton benötigt, schon mal in Ruhe nach etwas anderem umsehen sollte, denn auch im Rhythm-Channel ist primär Overdrive angesagt. Schlägt man nicht allzu hart in die Saiten, erhält man bei einer Pre-Einstellung von 2 einen halbwegs unverzerrten Sound.

Wichtig: Alle beschriebenen Einstellungen zu den Beispielen entsprechen den Zahlen am Amp-Bedienfeld (0-10).

Gitarre Presence Resonance Reverb Post High Mid Low Pre
Les Paul 5 5 off 7 5 5 5 2

Blues-Sounds lassen sich mit geringen Pre-Volume-Einstellungen verwirklichen.

Gitarre Presence Resonance Reverb Post High Mid Low Pre
Les Paul 5 5 off 7 7 7 5 3

Wenn man den Pre-Regler nun weiter aufdreht, geht das Zerren los. Zuerst noch ganz gemächlich, aber bis zur mittleren Position 5 entwickelt sich ein ordentliches Rock-Rhythmus-Brett, wobei sich die Verzerrung sehr feinfühlig regeln lässt. Was beim Spielen besonders auffällt, ist das starke Kompressionsverhalten auch bei geringen Lautstärken, man muss also nicht mit hartem Anschlag um den Zerrsound kämpfen. Zwar leidet die Dynamik und man kann nicht so viel über den Anschlag steuern, aber in härteren Rockbereichen ist das auch nicht so dramatisch. Mit voll aufgedrehtem Pre-Volume sind schon etwas rockiger klingende Bluesriffs und mehr machbar.

Gitarre Presence Resonance Reverb Post High Mid Low Pre
Les Paul 5 5 off 6 7 9 3 10

Schaltet man auf Crunch, ist der Amp offen für alles, was man normalerweise als Rockbrett bezeichnen würde. Auch hier ist eine sensible Regelung des Zerrgrades möglich, der ab 5 nicht mehr stark zunimmt, sondern einfach nur dichter wird.

Gitarre Presence Resonance Reverb Post High Mid Low Pre
SG 8 3 off 6 6 7 4 4

Jetzt kommt der Lead-Channel an die Reihe, der dort anschließt, wo der Crunch-Modus beim Rhythm-Channel aufhört. Der Zerrsound hat mehr Sustain und ein Akkord klingt auch schon bei geringem Pre-Volume lange, ohne pegelmäßig abzufallen. Hier zuerst einmal ein Riff mit Pre-Volume auf 2.

Gitarre Presence Resonance Reverb Post High Mid Low Pre
SG 8 3 off 6 5 3 2 2

Der Zerrgrad ändert sich nicht sehr stark, bis zur mittleren Position hat er sein Maximum erreicht und im zunehmenden Verlauf des Regelweges wächst er noch um eine ordentliche Portion Low End. Mit dem Equalizer ist ein großes Spektrum an Klanggestaltung möglich, vor allem Presence- und Resonance-Regler runden das Ganze in beiden Kanälen ab. Die Möglichkeiten reichen von sehr aggressiven Metal-Sounds mit abgesenkten Mitten bis zu muffigen Tönen, die eher in die Stoner-Richtung gehen. Ihr hört jetzt drei Beispiele, einmal extrem höhenbetont, dann die goldene Mitte und als drittes den muffigen 6505. Die Klangregelung ist gut abgestimmt, selbst bei extremen Einstellungen klingt der Amp nicht heftig bzw. unnatürlich im Frequenzbild verbogen.

Gitarre Presence Resonance Reverb Post High Mid Low Pre
SG 10 3 off 6 10 0 5 6
Gitarre Presence Resonance Reverb Post High Mid Low Pre
SG 7 4 off 6 6 6 3 6
Gitarre Presence Resonance Reverb Post High Mid Low Pre
SG 2 4 off 6 1 9 5 6

Auch in Sachen Transparenz kann der 6505 massiv Punkte sammeln. Selbst bei hoher Verzerrung ist der Ton klar, was man deutlich hört, wenn zum Beispiel Akkorde gegriffen und die Saiten nacheinander angeschlagen werden. Trotz vollem Zerrgewitter bleibt jeder Anschlag hörbar. Kein Wunder, dass diese Ampkonzeption so gerne im Studio benutzt wird, denn sie ist in der Lage, auch aggressiven Sound definiert darzustellen.

Gitarre Presence Resonance Reverb Post High Mid Low Pre
Les Paul 8 4 off 5 6 6 4 7

Bisher habt ihr den Amp mit dem Mikrofon abgenommen gehört, nun werden wir dem Sound des Line Outs mit der integrierten Speakersimulation ein Ohr widmen. Die kann sich nämlich hören lassen! Wo bei gut klingenden Amps häufig eine eher mittelmäßige „Alibi-Speakersimulation“ integriert ist, hat man hier keine halben Sachen gemacht. Leider ist der Line Out nicht im Ruhezustand zu betreiben, man kann ihn nur in Verbindung mit angeschlossenem Lautsprecher benutzen. Silent Recording ist daher nicht angesagt, es sei denn, man hängt eine „Dummy Loadbox“ an den Lautsprecherausgang. Im folgenden Beispiel hört ihr auch den integrierten Federhall, der sich ganz gut ins Klangbild einfügt und auch bei höheren Einstellungen nicht vordergründig klingt. Mir persönlich hat der Reverb allerdings eine etwas zu lange Nachhallzeit.

Gitarre Presence Resonance Reverb Post High Mid Low Pre
Les Paul 6 5 6 5 5 4 4 5
2 / 3
.

Verwandte Artikel