Gitarre Hersteller_Palmer Hersteller_Adam_Hall
Test
1
08.12.2011

PRAXIS

Test-Setup: An unserem Testkandidaten hängt eine 2x12“-Box von Marshall mit G75-Speakern. Abgenommen habe ich eine Membran mit einem Shure SM57 und einem Sontronics Halo. Beide Mikrofone durchlaufen jeweils einen Telefunken V676b Preamp und werden mit einem Avid HD Interface gewandelt.

Schon beim ersten Anspielen fällt die unglaubliche Impulstreue auf. Die Töne springen mich förmlich an – und das ohne Gehörsturz, denn der Amp leistet pro Röhre 5 Watt, also insgesamt 15 Watt, wenn alle auf Volllast arbeiten. Kanal Eins, also die EL84, klingt so, wie man es von diesem Röhren-Typus erwartet - und von Marshalls kennt. Das Höhenbild ist prominent, die Mitten geballt wie eine Faust, und verzerrt rotzt der Drei ordentlich los. Kanal Zwei mit der 6V6 ist die richtige Wahl, wenn es um warme, einschmeichelnde dicke Sounds geht. Die 6L6 befeuerte Endstufe Nummer Drei ist lauter als die beiden anderen. Sie erzeugt einen sehr ordentlichen Punch, der Sound scheint frequenzseitig eine Etage tiefer zu rutschen, wobei das Höhenbild sehr aufgeräumt wirkt und nicht darunter leidet.

Verstärker mit jeweils einer fixen Röhrenbestückung gibt es zu Genüge. Wirklich interessant wird es jedoch, wenn die Kanäle miteinander gemischt werden, daher habe ich mich darauf konzentriert und die Soundfiles unter genau diesem Aspekt erstellt. Die Soundbeispiele wurden mit einer Fender Strat, einer Tom Anderson Strat und einer Duesenberg Starplayer eingespielt. Zuerst hören wir die Duesenberg clean in der Halsposition.

Die Gitarre klingt schön warm, ohne zu dick in den Bässen zu sein. Anschläge werden direkt übersetzt, und auch das Höhenbild ist angenehm und überhaupt nicht aufdringlich. Die erste Röhre, also die EL84, spielt hier nicht mit, der Sound ist ein Mix aus zweiter und dritter Röhre. Als Nächstes kommt die Anderson, ebenfalls in Halsposition für etwas funkigeres Spiel:

Hier darf die EL84 wieder mitspielen. Aber auch der Klangregler wurde ein Stückchen nach rechts gedreht. Mit den Reglern sollte man generell vorsichtig sein, da jeder jeden beeinflusst und man den Sound schnell in eine komplett andere Richtung verbogen hat. Der Sound ist herrlich schmatzig und nicht zu dreckig, und auch hier sind Bass und Höhen sehr ausgewogen. Die Anschläge haben einen schönen Punch und bekommen jeweils einen kleinen Höhenschmatz mit.

Ich behalte die Einstellung bei und wechsele zur Strat, ebenfalls in Halsposition.

Da kommt doch richtig Freude auf! Die Strat klingt exakt so, wie sie eben klingen soll, ohne Wenn und Aber. Man kann den Unterschied der Gitarren wunderbar heraushören, die Stärken werden vom Palmer jeweils superb gezeichnet. Der Sound ist sehr plastisch und raumfüllend, ich bin begeistert!

Jetzt wieder die Duesenberg. Ich drehe die EL 84 weiter herein und der Klangregler am Amp wandert wieder ein wenig gen Westen.

Der P90 am Hals der Starplayer klingt hier schön kehlig, ohne die Anschläge vermissen zu lassen. Diese kommen, wie auch bei den Beispielen zuvor, sehr direkt und werden schön herausgearbeitet.

Zu guter Letzt hab ich mir wieder die Anderson geschnappt, die einen Humbucker an der Stegposition besitzt, und hole jetzt das Gain-Maximum aus dem Amp.

Spätestens bei diesem File wird klar, dass der Drei definitiv kein Metal-Amp ist. Muss er auch nicht, derer gibt es ja nun weiß Gott genügend. Aber um ein wirklich amtliches Rockbrett zu verlegen, könnte der Drei auf jeden Fall der Richtige sein. Man kann förmlich spüren, wie die Endstufenkolben unter Volllast werkeln. Es mischen sich mehr Bässe in den Sound, was ihm auch sehr gut tut. Auch hier ist jeder Anschlag klar definiert, da matscht überhaupt nichts.

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