Gitarre Banjo Hersteller_Ortega
Test
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25.11.2018

Ortega OBJE350/6-SBK Test

Sechssaitiges Banjo

Kleines Schwarzes

Das Ortega OBJE350/6-SBK ist ein sechssaitiges Banjo, das im ersten Moment durch seinen wirklich coolen Look aus der Masse hervorsticht. Ursprünglich als Spezialist für Nylonsaitengitarren bekannt, hat sich die Marke unter dem Dach der fränkischen Meinl-Gruppe längst auch mit Westerngitarren, Ukulelen, Mandolinen, Percussion und eben auch Banjos einen Namen gemacht.

Ein Wanderer zwischen den Welten ist das Ortega OBJ350/6, ein sechssaitiges Banjo mit einem wirklich coolen Lock. In welche Richtung die schwarze Schönheit klanglich tendiert und ob sich der Umstieg von der Gitarre lohnt, soll der folgende Test offenbaren.

Details

Das Ortega OBJ350/6 kommt in einem passenden und erfreulich stabilen Gigbag. Der erste Eindruck ist düster: Schwarz, wohin das Auge blickt. Sogar für das Fell hat Ortega ein schwarzes Remo Weatherking gewählt - weiter weg kann ein Banjo zumindest optisch eigentlich nicht von der "Wir-haben-beides"-Szene entfernt sein. Wir erinnern uns: Das war die Antwort, die die Blues Brothers in "Bob's Country Bunker" auf die Frage nach dem dort gespielten Stil erhielten: Country UND Western ...

Optisch also klasse, allerdings unter Umständen nicht ganz ohne Einschränkungen, da man dem schwarzen Fell einen eher weichen Sound nachsagt. Die Praxis wird es zeigen.

Unser Testkandidat gehört in die große Klasse der Alu-Banjos asiatischer Herkunft. Damit ist gemeint, dass der Kessel aus Aluminiumdruckguss besteht. Dieser Kessel ist in exakt dieser Form bei etlichen anderen Banjos zu finden, sodass man beinahe vermuten könnte, dass es in China eine einzelne Fabrik gibt, die alle Hersteller mit eben diesen Kesseln beliefert. Das hat natürlich den Vorteil, dass sie günstig zu haben sind.

Das Fell wird mit sage und schreibe 30 Spannschrauben fest gehalten. Dadurch kann das Fell zum einen sehr gleichmäßig gespannt werden, zum andern erfordert es einen erhöhten Arbeitsaufwand, wenn man es nachspannen muss (musste ich auch erst einmal, aber nicht viel), ein neues Fell aufziehen oder auch nur das ab Werk etwas schief aufgezogene Fell aus ästhetischen Gründen ein wenig drehen möchte, um das Remo-Logo geradezurücken.

Der Hals ist interessanterweise mit nur einer Schraube befestigt, die in die Koordinatorstange mündet, die wiederum mit einer weiteren Schraube gesichert wird. Auf der Koordinatorstange sitzt ein ziemlich massiver Sechskant. Mit diesem kann man dank Rechtsgewinde auf der einen und Linksgewinde auf der anderen Seite die Saitenlage sehr komfortabel in nur einem Arbeitsgang justieren. Allerdings muss man sich den erforderlichen 14er-Maulschlüssel selbst besorgen.

Als Material für den Hals wurde Mahagoni verwendet, zumindest laut Datenblatt. Sehen kann man davon nichts, denn er ist komplett in ein einwandfrei aufgetragenes, mattschwarzes Lackgewand gehüllt. Das weiß eingefasste Griffbrett besteht aus Ovangkol, einem der vielen Materialien, die inzwischen verwendet werden, um dem CITES-bedingten Palisanderdebakel zu entkommen. Als Bundmaterial wurde zu einem eher dicken Draht gegriffen, der schon beinahe Jumbo-Ansprüchen genügt. Die Kopfplatte kennen wir aus dem Gitarrenbereich. Nur der Armrest ist aufwändig verziert und trägt eingraviert das Firmenlogo.

Ab Werk sind Saiten mit Loop-End aufgezogen, also solche ohne das bei Gitarren gebräuchliche Ball-End. Die Saiten werden durch ein Loch im Saitenhalter gefädelt und mit diesen Schleifen in passende Haken eingehängt. Durch diese Konstruktion kann man das Instrument jedoch auch mit normalen Saiten ausstatten, da die Ball Ends dann in besagten Löchern im Saitenhalter hängen. Es lohnt sich übrigens, mit dem Saitenmaterial und der Saitenstärke zu experimentieren. Normale E-Gitarrensaiten zum Beispiel klingen noch mal deutlich anders als die aufgezogenen Akustikdrähte.

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