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Workshop
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06.07.2016

Noten lesen lernen für Gitarristen 6

Die Pausen

Noten lesen für Anfänger – Schritt für Schritt erklärt

In der heutigen Folge unseres Notenworkshops steht nicht das im Mittelpunkt, was wir spielen, sondern das, was wir laut unserer Noten nicht spielen sollen. Genauer gesagt wollen wir uns mit den Pausen in der Musik beschäftigen und mit der Art und Weise, wie man sie notiert und wie man sie liest. Eine neue Erkenntnis ist es nicht: Pausen und deren genaue Einhaltung sind für die Musik genauso wichtig wie gespielte Töne, und kaum ein Stück kommt ohne aus.

Gitarre spielen nach Noten ist immer in erster Linie "learning by doing". Um dich auf die Spielpraxis vorzubereiten, habe ich daher einige Übungsstücke vorbereitet, die neben den bisher gelernten Elementen der Notation auch die Pausen in allen denkbaren Kombinationen beinhalten.

In der ersten Folge hast du erfahren, dass die Tondauer durch das Aussehen, also die Gestalt der Note zum Ausdruck gebracht wird. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Dauer von Pausen. Zu jedem Notenwert gibt es auch den entsprechenden Pausenwert, dem ebenfalls jeweils ein bestimmtes Zeichen zugeordnet ist.

Die Pausenzeichen finden oftmals auch in der Tabulatur-Schreibweise Verwendung, sodass du ihnen womöglich schon begegnet bist. Beispiel 1 zeigt noch einmal die bisher behandelten Notenwerte (ganze Note bis Achtelnote) und stellt ihnen die zugehörigen Pausen gegenüber.

Wie du siehst, haben die Pausen optisch keinerlei Gemeinsamkeit mit ihren gleichwertigen Noten. Die ganze Pause ist ein kleiner Balken, der von unten an einer Notenlinie "hängt". Die halbe Pause sieht aus wie die ganze, "liegt" aber oben auf der entsprechenden Notenlinie. Viertel- und Achtelpause sind wiederum ganz eigenständige Zeichen. Bei mehrtaktigen Pausen, insbesondere bei sehr vielen Pausentakten hintereinander, kann es schnell unübersichtlich werden. Daher gibt es zu diesem Zweck ein eigenes Zeichen. Die Zahl über dem Pausensymbol gibt hier die Anzahl der Pausentakte an. Eine Besonderheit: Die ganze Pause gilt immer für einen ganzen Takt, unabhängig von der Taktart eines Stückes, also auch in 2/4, 3/4 oder 6/8.

Zum Kennenlernen der Pausenwerte habe ich eine kleine praktische Übung vorbereitet, die nur aus einem Ton (c') und Pausen besteht, sodass du dir erst einmal keine Gedanken über die Abfolge verschiedener Töne machen musst, sondern dich ganz auf die korrekte Abfolge von Noten- und Pausenwerten konzentrieren kannst.

Zwei wichtige Aspekte gilt es dabei im Auge zu behalten:

1. Wechselschlag

Wir pendeln mit der Anschlagshand in Achteln, das bedeutet für den 4/4-Takt, das 1, 2, 3 und 4 mit Abschlägen gespielt werden. "Und"-Zählzeiten werden hier generell mit Aufschlägen gespielt. Notenbeispiele mit Pausen stellen keine Ausnahme dar!

2. Beenden der Töne durch Abstoppen der Saiten

Pause bedeutet Stille, ein noch klingender Ton muss zu Beginn einer Pause aktiv abgestoppt werden. Bei gegriffenen Tönen genügt es, leicht den Druck zu lösen, um diese zu beenden. Zum Abstoppen von Leersaiten würde ich dir empfehlen, einen oder mehrere Finger ohne Druck auf die schwingende Saiten aufzulegen.

Alle Klangbeispiele sind wieder zum Metronom mit 100 bpm für die Viertelnoten eingespielt, bei den Beispielen im 6/8-Takt ergibt sich daraus ein Grundschlag von 200 bpm für die Achtelnoten.

Erheblich schwieriger wird es, wenn wir Punktierung und Überbindung in die Notenbeispiele mit einbeziehen. Eine Pause kann genau wie eine Note mit einem Punkt (rechts hinter der Pause) um die Hälfte ihres Wertes verlängert werden. Pausen können bzw. müssen jedoch nicht übergebunden werden. Man verlängert eine Pause ganz einfach, indem man eine weitere Pause mit dem gewünschten Wert hinzufügt.

Das folgende Beispiel beinhaltet wieder nur einen einzigen Ton, aber dafür jede Menge Pausen, Punktierungen und Überbindungen.

Eine Pause ist für den Rhythmus genauso wichtig wie ein gespielter Ton. Zum richtigen Einhalten der Pausen ist es also unumgänglich, die Notenbeispiele komplett in Achteln mitzuzählen ("1 und 2 und 3 und 4 und") und somit auch die Pausen in ihrer Dauer sehr ernst zu nehmen. Ich stelle mir Pausen wie lautlos gespielte Töne vor, die ich nur in Gedanken mitspiele. Übung macht auch hier den Meister.

Nach diesem reinen Rhythmus-Training wenden wir uns mit den nächsten Notenbeispielen wieder der musikalischen Realität zu, wo wir ja neben Notenlängen und Pausen auch beachten müssen, welche Töne überhaupt gespielt werden.

Im Einzelfall kann es immer wieder vorkommen, dass es dir zu schwerfällt, ein Notenbeispiel gleich wie notiert zu spielen. Das schnelle Finden der richtigen Töne auf dem Griffbrett erfordert oftmals schon die gesamte Aufmerksamkeit, gerade wenn wir es mit schwer zu lesenden Tonarten oder vielen Versetzungszeichen zu tun haben. Und mit den Pausen kommt hier natürlich noch ein weiteres erschwerendes Element hinzu.

In diesem Fall solltest du das Stück/die Stelle erst einmal mithilfe der folgende Methoden vereinfachen:

1. Rhythmus einzeln üben

Anstatt in diesem Fall die zeitliche Abfolge der Töne zu ignorieren, würde ich gerade damit anfangen. Wann immer du eine Stelle spielen möchtest, die dir rhythmisch nicht völlig klar ist, solltest du sie zuerst in aller Ruhe klatschen oder klopfen. Das hat den Vorteil, dass du dir noch keine Gedanken über die richtigen Töne machen musst und dem Rhythmus deine volle Aufmerksamkeit widmen kannst. Ist dieser erst einmal verinnerlicht, hast du den Kopf wieder frei und kannst dich um die Auswahl der Töne kümmern.

2. Tempo reduzieren

Ich bin der Meinung, dass sich der geübte Musiker so gut wie jedes Stück erarbeiten kann, wenn er es zunächst ganz langsam Ton für Ton übt und dann erst nach und nach das Tempo steigert. Viele von uns sind jedoch in dieser Hinsicht ungeduldig und wollen alles möglichst schnell im Originaltempo spielen. Dabei in Kauf, dass sich Fehler und Ungenauigkeiten einschleifen. Ein Notenbeispiel ganz langsam anzufangen hilft dir dagegen, Fehler von vornherein zu vermeiden. So gerätst du nicht in die Verlegenheit, sie im Nachhinein auszubügeln zu müssen, denn das gestaltet sich zumeist langwieriger. Also bitte immer langsam anfangen und erst ganz allmählich das Tempo anziehen!

3. Takte einzeln üben

Außerdem ist es in der Regel qualvoll und wenig effizient, beim Üben eines komplexen Stückes gleich alles auf einmal lernen zu wollen. Besser ist es, das Stück in seine einzelnen Takte zu zerlegen. Dann übst du den ersten Takt so lange, bis du ihn so sicher beherrschst, dass du ihn gar nicht mehr falsch spielen kannst. Erst dann solltest du dir den zweiten und dann nacheinander alle folgenden vornehmen. Dann kannst du dazu übergehen, Takte erst in Zweier- , dann in Vierergruppen zu verbinden, die du erst nach perfekter Beherrschung am Ende wieder zum vollständigen Stück zusammenfügst.

Diese Tipps solltest du auch beim Einüben der folgenden Notenbeispiele beherzigen. Aber sie haben darüber hinaus eigentlich immer Geltung, wenn's schwierig wird, nicht nur bei Notenbeispielen mit Pausen!

Diese Herangehensweise kannst du jetzt ausprobieren. Beispiel 4 verbindet Rhythmen mit Pausen und dem Tonmaterial der C-Dur-Tonleiter (die Stammtöne).

Die nächste Etüde steht im Dreivierteltakt und beinhaltet als zusätzliche Schwierigkeit einige Versetzungszeichen.

Nun wird es noch etwas schwieriger. Wir befinden uns in der Tonart F-Dur (Vorzeichen beachten!) und die rhythmische Lesbarkeit wird durch Punktierungen und Überbindungen erschwert. Denke an meine oben erwähnten Übetipps!

Auch den 6/8-Takt hatten wir als häufig verwendete Taktart kennengelernt. Das folgende Beispiel steht in der Tonart D-Dur.

Diese Übung steht in Es-Dur, beinhaltet aber zusätzlich noch einige tonleiterfremde Töne, die mithilfe von Versetzungszeichen notiert sind.

Zur Erinnerung:

Vorzeichen stehen zu Beginn eines Stückes zwischen Notenschlüssel und Taktartangabe sowie am Anfang jeder weiteren Zeile. Sie gelten für das ganze Stück und jede Oktavlage (z.B. E, e, und e').

Versetzungszeichen stehen direkt vor einer bestimmten Note und gelten für alle weiteren Noten derselben Tonhöhe bis zum Taktende, nicht jedoch für andere Oktavlagen.

Es folgt ein Beispiel im 2/4-Takt in der Tonart E-Dur.

Zu guter Letzt noch ein Übungsstück mit allen gelernten Noten- und Pausenwerten und vielen Versetzungszeichen. Auf den ersten Blick mutet es etwas unübersichtlich an, aber wenn du die besprochenen Übeschritte beherzigst, ist auch das kein Problem!

Ich wünsche dir viel Erfolg beim Üben!

Bis zum nächsten Mal!

Für noch mehr Übematerial zu diesem Thema empfehle ich die Videos und PDFs auf meiner Seite "gitarrenvideounterricht.de"!

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