Gitarre Hersteller_Neunaber Reverb
Test
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07.08.2017

Neunaber Wet Stereo Reverb Test

Hall-Pedal mit Multi-Effekt Option

Raumwunder

Das Neunaber Wet Stereo Reverb aus der Expanse-Linie besitzt wie seine Serienkollegen die Fähigkeit, in diesem Fall nicht nur als Hall-Pedal zu arbeiten, sondern sich mittels Computer auch für diverse andere Effekte zu öffnen. Im Großraum von Los Angeles liegt die Stadt Orange, die auch Heimat von Neunaber Audio Effects ist, einem familiengeführten Hersteller von Audioeffekten. Brian Neunaber gründete sein Unternehmen 2009 und hat seither mit einigen bemerkenswerten Effektkreationen auf sich aufmerksam gemacht.

Auch die Expanse-Serie basiert auf einem Konzept, mit dem er neue Wege beschreitet. Neben einem "Haupteffekt" lassen sich die Pedale wahlweise mithilfe eines Computers mit weiteren Effekten bestücken. Im folgenden Test befassen wir uns aber in erster Linie mit den Eigenschaften, die unserem Wet Stereo Reverb von seinen Schöpfern mit auf den Weg gegeben wurden, dem Hall.

Details

Optik/Verarbeitung:

Bevor er sein eigenes Unternehmen gründete, zeichnete Brian Neunaber unter anderem mitverantwortlich für die DSP-Architektur der aktiven Lautsprechersysteme der QSC K-Serie. Zuvor entwickelte er bereits Effektprozessoren und Modelling-Amps für die Marken Crate und Ampeg.

Neunaber Pedale vermitteln einen hochwertigen Eindruck, der sich schon bei der schwarzen Verpackung mit goldener Schrift einstellt. Neben dem Pedal beinhaltet diese ein Micro-B USB-Kabel, eine Bedienungsanleitung, ein Tütchen mit vier Gummifüßen und einen Firmenaufkleber. Mithilfe der für Mac und PC kostenlos auf der Herstellerwebsite erhältlichen Software lassen sich unterschiedliche Reverbs, Shimmer, Echo/Delay, Chorus, Flanger/Phaser und auch ein Tremolo in das Pedal einspeisen. Das Pedal muss lediglich mit dem beigelegten USB-Kabel am Rechner angeschlossen werden und schon kann es losgehen. Ein tolles Konzept!

Im heutigen Test werde ich mich allerdings ausschließlich mit der Wet-Reverb-Software beschäftigen, mit der unser Kandidat bestückt ist und die, soviel vorweg, ein echter Kracher ist. Aber vorher schauen wir uns das Pedal etwas genauer an.

Das Metallgehäuse ist schwarz lackiert und trägt eine in Blau gehaltene Bedienoberfläche. Die weiße Schrift erleichtert das Ablesen der drei samtig drehenden Potis, die mit griffigen schwarzen Kunststoffknöpfen samt weißen Skalenstrichen bestückt sind. Beschriftet sind sie mit Mix, Tone und Depth und besitzen folgende Funktionen:

  • Mix: Hier wird der Anteil des Effekts zum Direktsignal bestimmt. Ganz nach links gedreht ist nur das Direktsignal, ganz nach rechts das Effektsignal zu 100% zu hören.
  • Tone: Dieser Regler beeinflusst den Klang des Halls. Nach links gedreht wird er in den Höhen gedämpft und klingt entsprechend dunkler, dreht man im Uhrzeigersinn, werden die Höhen angehoben und der Hall wird präsenter.
  • Depth: Die Länge des Reverbs wird hier bestimmt. Ganz nach rechts gedreht kommt ein sogenannter Infinite-Verb zustande, sprich, der Hall endet nicht und dürfte vor allem Freunde der Ambient-Musik besonders erfreuen.

Wird der robuste Metallfußschalter durchgedrückt, signalisiert eine blaue LED den aktiven Zustand. Neunaber bietet das Pedal in zwei Versionen an, einmal mit einem Buffered- oder mit einem True-Bypass. Der Buffered-Bypass bereitet nicht nur im eingeschalteten und ausgeschalteten Zustand das Signal auf, er unterstützt auch das Ausklingen der Hallfahne bei den Effekten, bei denen es notwendig ist, wie Hall und Echo. Die True-Bypass-Version ermöglicht drei Varianten:

  • Buffered Trails: Wird das Pedal im Ausklang des Halls in den Bypass versetzt, wird die Hallfahne nicht abgeschnitten.
  • True Bypass: Hier wird der Ausklang beim Abschalten des Effektes abgeschnitten.
  • Two Stage-Bypass: Der Hall klingt so lange weiter, wie der Fußschalter getreten wird. Löst man ihn, wird der Hall abgeschnitten.

Bei unserem Testobjekt handelt es sich übrigens um erstere Variante, also der mit konstant gebuffertem Signalweg.

Der Fußschalter lässt sich übrigens mit weiteren Funktionen belegen, die je nach verwendetem Effekt durchaus Sinn machen: das Eintappen des Tempos eines Delays oder Tremolos beispielsweise. Ansonsten betreffen die Möglichkeiten in erster Linie andere Effekte, deren Beschreibung den Rahmen dieses Tests sprengen würden.

Bevor es zum Praxisteil geht, schauen wir uns das Pedal aber noch weiter an.

Die Ein- und Ausgangsbuchsen befinden sich rechts und links am Pedal, es sind insgesamt vier vorhanden, da wir es ja mit einem Stereo-Effekt zu tun haben. Wird ein Mono-Signal angeschlossen, ist Input 1 angesagt, rechts-links Signale über zwei Kabel besetzen beide Buchsen, kommt ein Stereo-Klinkenkabel zum Einsatz, wird dieses am Input 2 angeschlossen. Dasselbe gilt natürlich auch für die Ausgänge. Die Wahl der Ein- und Ausgänge ist insofern unabhängig, dass bei einem Mono-Signal am Eingang durchaus beide Ausgänge belegt werden können oder ein Stereosignal, das über zwei Kabel an den Eingängen ankommt, über die Stereoklinkenbuchse ausgeleitet wird. Allerdings sollten nicht zwei verschiedene Instrumente gleichzeitig angeschlossen werden.

Eine Micro-USB-Buchse ist links bei den Ausgängen platziert und dient dem Anschluss an einen Computer, um die Effekte mithilfe der Expanse-Software zu wechseln. Die Stirnseite offenbart den Anschluss für ein Netzteil, das allerdings nicht zum Lieferumfang gehört. Zwischen 9 Volt und 12 Volt Gleichstrom und mindestens 100 mA sollte es liefern.

Neben der Netzteilbuchse findet sich ein Anschluss für ein Netzwerkkabel. Das dient zum Anschluss des gesondert erhältlichen ExP-Controllers, der die Verwaltung von vier Effekten und jeweils zwei Presets pro Effekt ermöglicht, die jeweils durch verschiedenfarbige LEDs angezeigt werden. Diese clevere Erweiterung der Funktionsweise hat zwar mit runden 120 Euro ihren Preis, bietet aber bis zu acht Effektvarianten. Zudem stehen insgesamt vier Expression-Eingänge bereit, von denen einer dem Morphen zwischen zwei Presets vorbehalten ist.

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