Hersteller_Neumann
Test
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23.02.2015

Praxis

Es ist schon etwas besonderes, keinen Nachbau, sondern ein Re-Issue eines derartigen Klassikers auf einen Mikrofonständer zu positionieren. Während andere Mikrofone durchaus umfangreiche Entwicklungen mitgemacht haben (U 87, C 414) oder annähernd gleich geblieben sind (4038, SM 57), tut die Firma Neumann so, als habe sie nach dreißig Jahren einfach die Maschinen wieder angeworfen und genau da weitergemacht, wo sie aufgehört hatten, als ich noch Grundschüler war. Allerdings gestaltet sich die Installation nicht immer so einfach, wie man es von Mikrofonen mit heute üblichen Haltern gewohnt ist – ich halte dennoch den Bügel und die mittige Drehachse des Mikrofons für nicht unpraktisch. Ein seitliches Verdrehen erfordert leider oftmals etwas mehr Aufwand, ich möchte daher an dieser Stelle noch einmal auf die genialen M-Kugelaufsätze von Triad- Orbit verweisen. Ein gutes, schweres Stativ benötigt man in jedem Fall, alleine, um die Körperschallübertragungen durch die feste Aufhängung im Zaum zu halten. Dass man allerdings ein Werkzeug benötigt, um Pads oder HPF zu setzen, ist nach wie vor ein Ärgernis.

So: Das U 47 fet i klingt bombastisch. Und es klingt nach U 47 fet, weil es ein U 47 fet ist. Dabei ist dieser Mikrofontyp nicht unumstritten: Nicht jeder mag seinen Klang, nicht überall passt er. Doch gleichzeitig ist es gerade sein verhaltener Charakter, der es zu einer Traumbesetzung an vielen Signalquellen macht, nicht zuletzt bei Stimmen, besonders vielen männlichen. Gleichzeitig ist das Neumann immer zurückhaltend genug, um an verschiedensten Positionen ein gut verwendbares Signal abzuliefern – ein rabiater Soundpräger à la 4038 oder 421 ist es beileibe nicht.

Das Signal ist groß, sanft, seidig und rund, aber eben gleichzeitig absolut konkret, aufgeräumt und schnell. Tiefe Signalanteile bekommen ein wenig Bauch, vor allem im Nahbereich. Wirklich grandios ist, wie sich der Proximity-Effekt steuern lässt, nie tendiert das 47er zum Wummern oder zu indifferentem Sound. Stimmen werden nah und intim, wie man es sich wünscht, und nicht „aufgeblasen“ und resonierend – hervorragend für Balladen und sonstiges Gesäusel! Und ist es dann doch mal etwas zu viel des Guten, leistet das Hochpassfilter sehr gute Dienste. Bedingt durch seine geringe Flankensteilheit lässt es das Passband „in Ruhe“ und sorgt dort nicht für störende Pegel- und Phasenunterschiede. Es setzt recht hoch an, bei ca. 140 Hz. Dadurch werkelt es teilweise im Grundtonbereich mancher Vokalisten und hilft, das Signal klarer, offener und transparenter zu machen. Als Trittschalleliminator taugt es nur bedingt, allerdings scheint die Kapsel eine gute interne elastische Aufhängung erhalten zu haben. Das feine Mesh hält Popplaute bis in den unmittelbaren Nahbereich ordentlich ab, doch sollte man auch hier im Zweifel einen Poppschutz verwenden.

Der Dip sitzt an einer Stelle, die vor allem Stimmen schmeichelt, „kneifende“ oder Zahnschmerzen verursachende Reibe- und Zischlaute werden geradezu in eine sanft glitzernde Wolke gehüllt – wäre ich Synästhetiker, würde ich bestimmt sofort Raureif auf dem Signal sehen. Natürlich ist es nicht der Frequenzgang alleine, der dafür sorgt, die sanfte, vornehme Färbung passt hervorragend. Interessanterweise bleiben die Transienten immer klar und kurz. Das Mojave MA-201FET ist im Direktvergleich etwas schmieriger und grobschlächtiger – obwohl es selbst keines der ganz dick auftragenden FET-Großmembraner ist.

Auch den Resonanzfellanteil (besonders bei „Bonham“-Bassdrums) vermag dass Neumann gut zu unterstützen und lässt Platz für den Kick-Anteil des inneren BD-Mikrofons. Es ist kein Wunder, dass MD 421 und U 47 fet für viele Engineers ein Traumpaar an der Basstrommel sind. Bei Stimmen schon praktisch für das Soundfinden, an der Bassdrum genial ist, wie gut sich nutzbare Klangveränderungen durch Anwinkeln erzielen lassen. Von Sängern allerdings verlangt es eine ordentliche Mikrofondisziplin. Klar: Das U 47 fet ist ein Profi-Mikrofon.

Ein Direktvergleich mit einem alten U 47 fet ist, wie alle Shootouts mit Vintage-Equipment, nur bedingt aussagekräftig: Zu stark sind die Veränderungen, die ein Mikrofon im Laufe der Jahrzehnte durchmacht, zu unterschiedlich die Charakteristiken der aktuell verfügbaren Oldies. Man sollte in jedem Fall mit einem hochwertigen Mic-Pre arbeiten, wenn man das U 47 fet benutzt. Neben dem Rauschverhalten ist Schnelligkeit notwendig, um die feinen Nuancen des Mikrofons auch bis auf Line-Level transportieren zu können. Und um diesen feinen, ausgewogenen, alles verschönernden „Edelschimmel“ auf dem Signal wäre es wirklich schade. In Kombination mit dem Lavry- oder dem DPA-Preamp funktionierte das U 47 fet deutlich besser als mit einem der „dahergelaufenen“ Vertreter. Um den Sound richtig fett zu bekommen, würde sich wahrscheinlich eher ein LA-610 anbieten denn mein MP-2A, welcher in diesem Fall ein wenig zu vorsichtig zur Sache geht.

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