Test
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28.10.2020

Praxis

Die neue Traktor-Pro-3-Version lässt sich von der Hersteller-Webseite herunterladen und kann parallel zu einem bestehenden Traktor Pro 2 installiert werden. Das ist gut, denn somit kann man jederzeit zwischen beiden Versionen wählen und die neue Umsetzung in Ruhe testen, bevor man sie im Live-Einsatz nutzt. Beim ersten Starten von Traktor Pro 3 lassen sich vorhandene Songdatenbestände inklusive aller Wellenformen, Hotcue-Punkte etc. einlesen, was je nach Umfang und Geschwindigkeit der Computerfestplatte einen Moment dauert, aber fehlerlos auf meinem Mac funktioniert hat. Das Programm ist danach sofort einsatzbereit, denn die Controller-Mappings werden ebenfalls übernommen und ab Werk gemappte Geräte wie der Traktor Kontrol S8 funktionieren ohne weiteres Zutun. 

Da der globale Workflow nicht angetastet wurde und auch die Deck-Arten gleichgeblieben sind, fällt der Umstieg nicht schwer. Alle spielbaren Daten befinden sich nach wie vor in der Track Collection. Diese wurde leider nicht überarbeitet und so lassen sich Playlisten und Favoriten anlegen, aber weder intelligente, selbstfüllende Playlisten noch Vorschlagssysteme, wie man sie aus anderen Programmen und selbst der hauseigenen Traktor DJ App kennt, sind hier zu finden. Auch um das Thema Streaming von Quellen wie Spotify, Deezer oder anderen Diensten macht der Berliner Hersteller aktuell noch einen Bogen.

Die Vierdeck-Software bietet unverändert inhaltsspezifische Decks: Songs wandern zum Mixen in Track-Decks. Neu sind in diesen die größere Darstellung der Hotcue-Punkte und der optisch veränderte Flux-Mode-Taster. Zudem kann man sich jetzt die Taktstartmarkierungen in den Wellenformen per Option im Einstellungsfenster hervorheben lassen, wodurch der Mixvorgang erleichtert wird.

Für Samples von der Festplatte oder welche, die live mit dem Loop-Recorder mitgeschnitten wurden, gibt es  Remix-Decks, die verschiedene Wiedergabeoptionen bieten und Samples synchronisieren können. Obendrauf gibt es die Stem-Decks, die in vier Spuren zerlegten Songs (Stems) für Echtzeitremixe wiedergeben und „live Input“ für Mikrofone oder Signale aus Drumcomputern, Maschine oder Hardware-Synths. Für den einfachen Start bietet Native Instruments kostenlose Remix-Sets und Stem-Tracks auf der Website zum Herunterladen an. Wer mehr Nachschub braucht, kann seine selbst produzierten Tracks mit dem kostenlosen Stem Creator präparieren oder auf Beatport fertige Stems von Club-Tracks kaufen.

Die Songs und weiteren kreativen Zutaten werden von der Software treffsicher analysiert, Infos über ein Update in diesem Bereich liegen mir nicht vor. Native Instruments hat somit leider auch diesmal kein elastisches Beatgrid implementiert, das sich viele Anwender wünschen. Bei Songs mit geraden 4/4 Beats aber auch bei komplexeren D’n’B-Titeln hatte Traktor Pro 3 bei meinem Testlauf keine großen Erkennungsschwierigkeiten, sodass Vierdeck-Mixe problemlos umsetzbar sind.   Das Setzen und Triggern von Hotcue-Punkten, aber auch Beatjumps und Loops gelingen bei aktivierter Quantisierungs- und Snap-Funktion treffsicher und lassen sich von allen Könnerstufen fehlerfrei nutzen. Für weitere kreative Ausschmückungen kann man auf die bewährte Effektausstattung der Software zurückgreifen, die unverändert 43 gut klingende Effekte umfasst. Die Effekte lassen sich als (Single-) Effekte oder drei hintereinander geschaltete (Group-) Effekte nutzen und in die vier Effektbusse laden.

Der Mixerbereich

... bietet pro Deck einen Kanalzug und erlaubt die Auswahl verschiedener EQ-Charakteristiken und sogar eines 4-Band-EQs (Xone). Native Instruments hat die Masterpegelanzeige in der Kopfzeile deutlich vergrößert und Kanalpegelanzeigen im Mixer neu platziert, sodass man die entsprechenden Werte jetzt besser ablesen kann. Verschiedene Mixerfunktionen wie Crossfader, Filter, etc. lassen sich zudem ein- und ausblenden, was hilfreich ist, wenn der Bildschirmplatz nicht genügend Kapazität aufweist. Unterhalb der Filterdrehregler befindet sich das Auswahlmenü für die neuen Mixer FX. Hier ist das im Einstellungsmenü gewählte Dualmode-Filter oder ein Mixer-Effekt selektierbar. Die neuen Mixer FX haben mir durch die Bank gut gefallen, denn damit lassen sich DJ-Sets mit Spannungsbögen versehen und Breaks ausschmücken.  

Die Mixer FX Effekte im Einzelnen (alle sind mit einem Dualmode-Filter kombiniert):

  • Reverb: Hall Dual
  • Delay: Delay-Effekt
  • Noise: Rauschfahne, erzeugt weißes Rauschen
  • Time Gater: Zerhacker mit Filter
  • Barber Pole: automatischer Phaser
  • Dotted Delay: Delay mit einer vom Dual Delay abweichenden Rhythmik
  • Crush: Bitcrusher

Traktor Kontrol S2 MK3 und S4 MK3

Die direkte und umfassende Kontrolle dieser neue Mixer FX ist aktuell den neuen Controllern Traktor Kontrol S2 MK3 und S4 MK3 vorbehalten. Verwendet man ein „älteres“ Gerät, so kann man zwar die Effektparameter mit dem Filter-Drehregler steuern, benötigt aber zur Effektauswahl die Computermaus. Alternativ kann man die Auswahl der Mixer FX aber auch im Controller Manager programmieren und danach bequem mit einem MIDI-Controller oder der per Tastendruck auf dem Computerkeyboard steuern. Für die eingangs erwähnte Reverse-Funktion gilt das Gleiche, denn auch diese ist ab Werk nur mit den beiden neuen Traktor-Controllern mit und ohne Flux-Funktion nutzbar. Glücklicherweise lässt sich aber auch diese per Programmierung mit einem alternativen Gerät oder der Computertastatur kombinieren.

Audio Engine

Native Instruments hat Traktor Pro 3 mit einer neuen Audio-Engine ausgestattet, die einen besseren Klang haben soll als Traktor Pro 2. Diese Neuerung ist allerdings etwas schwierig zu erfassen. Ich behaupte aber trotzdem, dass man bei einem Direktvergleich leichte Vorteile für die neue Version heraushören kann und die Wiedergabe etwas transparenter als zuvor wirkt. Auch die neue „Transparent“ Limiter-Einstellung sorgt für einen etwas luftigeren Klang. Deutlicher hörbar ist allerdings die Verbesserung des Time-Stretch-Algorithmus. Hier kann die neue Version punkten! Mit Traktor Pro 3 kann man Songs recht weit von ihrem normalen Tempo entfernen, bevor es zu gravierenden klanglichen Einbußen kommt – prima, aber klar sollte man hier nicht übertreiben, denn auch der Elastique-3-Time-Stretch-Algorithmus kann keine Wunder vollbringen. Für die klassische Mixanwendung ist er aber durchaus ein Gewinn und harmonische Mixe klingen dadurch besser.

Alternativ zur Controller-Steuerung lässt sich Traktor Pro 3 auch mit Timecode-Vinyls oder -CDs steuern. Ich finde es begrüßenswert, dass diese Funktion jetzt fester Bestandteil des Programms ist und ohne Aufpreis genutzt werden kann. Die Songkontrolle funktioniert mit den Timecode-Medien sehr gut und authentisch, sodass sich Mixtricks aber auch gewöhnliche Beatmatching-Anpassungen durchführen lassen. Neu ist zudem, dass man bei der Zusammenstellung des Setups ein beliebiges Audiointerface zwischen die Zuspieler und den Rechner hängen kann – ich habe es mit einem „uralten“ M-Audio Conectiv erfolgreich testen können – top!

Auf dieses Weise können Ein- aber auch Umsteiger mit wenigen Kosten ein Timecode-gesteuertes Traktor-System nutzen, wenn ein entsprechendes Audiointerface schon vorhanden ist. Alternativ kann man auch seine bevorzugte Studio-Soundkarte nutzen, wichtig sind hier auseichend viele Ein- und Ausgänge sowie schnelle Treiber, damit das Gesamtsystem mit einer niedrigen Latenz betrieben werden kann und die Steuerbefehle nahezu verzögerungsfrei umgesetzt werden.

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