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Test
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20.08.2015

Native Instruments Traktor Kontrol D2 Test

DJ-Controller

Traktor auf den Leib geschneidert

Da ist er nun also, der neue in Schaltkreise gegossene Traum des Realtime-Remix Digital-DJs: der Display-bestückte Deck- und Remix-Controller Traktor Kontrol D2. Er tritt an, all jenen die kreativen Zusatzfunktionen von Traktor unter die Finger und vor die Augen zu setzen, die keinen S8, sondern einen externen Mixer verwenden wollen. Und damit man mit dem Deck-Controller auch möglichst nah am Geschehen operieren kann, verpassen Native Instruments dem Workflow einen Turbo-Booster in Form eines Vollfarb-Displays zur Visualisierung der Musikbibliothek und diverser mixrelevanter Informationen, darunter Effekt- und Track-Parameter, zoombare Wellenformen und Remix-Decks. 

Details

Beim Traktor Kontrol D2 handelt es sich im Prinzip um eine aus dem All-In-One Controller-Schlachtschiff Traktor Kontrol S8 herausgelöste Deck-Einheit. Wem nun die Frage in den Sinn kommt: „Ja, aber dann kann man doch direkt einen S8 kaufen“, dem möchte ich entgegnen, dass es durchaus gute Gründe gibt, auf die Kombi D2 plus externer Mixer zurückzugreifen. Denn Mixer ist nun mal Mixer – die wirklichen Hammerfeatures der aktuellen Traktor-Version (u.a. Stems, Remix-Decks, Effekte) liegen im Bereich der Decks. Warum also nicht die Kronjuwelen als Extraprodukt auslagern und weiter mit dem liebgewonnenen oder – falls man in einen fremden Club gebucht ist - bereitstehenden Mixer arbeiten. Zumal es hierdurch noch einen Flexibilitätsbonus dazu gibt. Denn wenn man sich den immer häufiger anzutreffenden Kampf um die besten Plätze neben dem zentralen Mischpult anschaut, ist man mit zwei D2 links und rechts natürlich wesentlich platzsparender unterwegs als mit einem S8, mit dem man, wenn man nicht gerade der Headliner ist, auch gerne mal an den Rand des DJ-Tisch gedrängt wird.

Auch Scratch-DJs könnten sich mit zwei flankierenden D2s sehr wohlfühlen, lässt sich jede Unit doch außen neben den Turntable platzieren und somit bei Bedarf auf die volle Traktor-Funktionalität zugreifen. Noch ein bisschen weiter gedacht geht es letztlich auch darum, dem Traktor-System nach außen hin noch einen Hauch mehr Profi-Image zu verleihen. Denn durch ein separates „Laufwerk" wie den D2, löst man sich natürlich meilenweit von dem – selbst im Jahr 2015 manchmal noch misstrauisch beäugten – All-In-One Controller-Konzept. Einziger Wermutstropfen dabei: Dem D2 wurde keine integrierte Soundkarte spendiert, so dass man auf einen externen Wandler angewiesen ist. Grund dafür dürfte wohl vornehmlich der Umstand gewesen sein, dass es auf Windows-Rechnern (im Gegensatz zu Apples „Aggregate Devices“) noch immer einiger Klimmzüge (Stichwort: Asio4all) bedarf, um mehrere Soundkarten gleichzeitig ins System einzubinden. Praktisch ist es also sicherlich einfacher, eine einzelne externe Soundkarte anzusprechen, als die Treiber mehrerer D2 unter einen Hut zu bringen.

Eher untypisch für einen klassischen „Deck-Controller“ ist das Nichtvorhandensein eines Jogwheels, wofür stattdessen ein Touchslider Einzug ins Gerät gefunden hat. Dies lässt erkennen, dass NI den Fokus zukünftig noch weiter in Richtung Remix- und Mashup-Performance rückt. Und sie haben große Pläne, was dies angeht, schließlich riefen sie unlängst das Multitrack-Audioformat „Stems“ ins Leben, ein Mehrspurformat für den DJ, um den Zugriff auf die Bestandteile eines Musikstücks zu bekommen. Traktor ist die erste Software, die Stems unterstützt und der D2 eben der erste Add-On-Controller. Doch abgesehen von der Zukunftsmusik möchte sich der Neuankömmling im Traktor Universum auch als Flügelstürmer an der Seite eines S2 oder S4 empfehlen oder neben einem Mixer wie dem Z2 Platz finden. Aber genug der Vorrede, hier ist unser Erfahrungsbericht.

Auspacken

Das Produkt beginnt bei der Verpackung. Eine Aussage, die zutreffender nicht sein könnte. Der D2 rauscht, begleitet von Power-Split und Stromkabeln, gebettet in einer weichen Schaumpolsterung in edler Kartonage an, die man von seinen Geschwistern bereits kennt. Ebenso gehört zum Lieferumfang eine schwarze Schatulle mit der Software-Serial für Traktor Pro (Einzelpreis 99 Euro) und das mittlerweile schon obligatorische, aber schnieke Faltposter mit den Bedienungs- und Belegungshinweisen.

Die allgemeine Verarbeitung weiß zu gefallen, die Fader laufen weich und ohne zu haken, die Knobs drehen samtig und die Tasten lassen ihren Schaltpunkt probat ertasten. Platziere ich den D2 neben dem F1 und dem X1MK2, fällt auf, dass er im Vergleich ein Bolide ist. Mit Maßen von 37,8 Zentimetern in der Höhe, einer Breite von 6,6 und 19,6 Zentimeter Tiefe nimmt der D2 bei einem Gewicht von 1,5 Kilogramm also gut 50 Prozent mehr Fläche ein. Wer will es ihm verübeln, schließlich ist quasi die Verschmelzung beider Units. Nutze ich die integrierten Standfüße (vier in jeder Ecke, so dass man den D2 auch hinten erhöht aufstellen kann), schmiegt er sich perfekt neben den Z2 – sehr schön. Die daraus resultierende Arbeitshöhe von 8,7 Zentimetern verträgt sich auch bestens mit flankierenden Turntables. 

Schnittstellen

Werfen wir nun einen Blick auf die Rückseite, um herauszufinden, was Native Instruments seinem Schützling mit auf den Weg gegeben hat und was nicht. Neben den Standfüßen wären zunächst einmal die USB-Schnittstelle zu nennen sowie ein Netzteil-Anschluss und ein Einschaltknopf. Ganz außen sitzt noch ein Zweifach-USB-Hub. Hier lässt sich bequem weiteres Equipment anschließen, um den chronischen Mangel an freien Rechnerbuchsen etwas abzumildern und auch, um die Streckenführung der USB-Verkabelung etwas zu verschlanken (der Rechner nicht als Zentrum einer Stern-Verkabelung, sondern in Reihe). Doch dazu mehr in der Praxis. Dass Native Instruments entgegen aller Unkenrufe kein Sound-Interface integriert haben, scheint verständlich. 0-in/2-Out für einen Player wäre sicher eine Option, genauso wie 0-In/8-out, wenn er alle Decks bedienen kann/soll, aber Sinn macht das nicht wirklich. Die Aufgabe sollte bei diesem Konzept eventuell doch eher ein Interface oder ein Pult wie das 

Aufbau

Eines der vielen Dinge, die man Anwendern als guten Grund für die Entscheidung für ein Traktor Kontrol System nennen kann, ist der Umstand, dass die einzelnen Bediensektionen über die Jahre – sowohl hard- wie auch softwareseitig – weitgehend konsistent an ihrem Platz geblieben sind und man eine entsprechende Routine im Workflow entwickeln kann. Darunter fällt auch, dass die FX-Sektion ihren Stammplatz im hohen Norden seit Jahren vehement verteidigt. Zwei mal vier Regler und Knöpfe rechts und links, so lautete die Marschroute beim S2, S4 und S8. „Branchenstandard“ und sie ermöglichen auch beim D2 das Ansteuern der einzelnen Effektattribute, jedoch mit einhergehender Parameter-Visualisierung auf dem Screen.

Der Eyecatcher schlechthin ist natürlich das integrierte Vollfarbdisplay, das satte 10 x 6 Zentimeter groß ist – also ungefähr mit den Dimensionen eines iPhone- oder iPod-Touch-Screens an den Start geht, allerdings ohne Touch-Sensorik. Die Displays sind kontraststark, sehr gut auflösend und sie ermöglichen das Durchsuchen der Musikbibliothek und das Steuern diverser Funktionen nebst optischer Kontrolle, ohne zum Notebook rüber zu linsen, worauf wir noch zu sprechen kommen. Sie zeigen mehrstufig zoombare Wellenformen, Beatgrids, Hotcues, Cover-Art, Titel-, Zeit-, Key- und Tempoinformationen an. Ebenso gesetzt: Der Loop-Encoder, der hier wohl auch in Ermangelung eines Pitchfaders die BPM-Zahl einstellen darf.

Remix-Decks, Transport und Co.

Die multifunktionale Pad-Sektion wartet mit den Modi Hotcue, Loop, Freeze und Remix nebst Flux-Taste auf und die Transportabteilung mit den üblichen Verdächtigen (Sync, Cue, Play, Flux) und dem Jogwheel-Ersatz „Touchstripe“. Gegenüber dem Remix-Deck Controller F1 fallen die Remix-Pads wie beim S8 etwas größer und die Fader etwas kürzer aus. Dies bedeutet, dass man schnellere Ein- und Ausblendungen mit den Flachbahnreglern fahren kann und dass die Pads besser zu treffen und spielen sind. Allerdings muss man sich mit 8 statt 16 Tasten im Direktzugriff begnügen, wobei die unteren Reihen per Scroll-Funktion zugänglich sind. Über die vier separaten Drehregler lassen sich Parameterfahrten wie FX-Send, Filter oder Pitch für jeden Sample-Slot einstellen und am Display ablesen.

Was haben wir also unterm Strich?

1x Deck- und FX-Controller mit:

integriertem 2-fach USB-Hub

integriertem Display

8 Knobs

4 Fadern

2 Encodern

40+ Tasten

1 Touchstrip

Diese sind unter anderem mit folgenden Aufgaben betraut:

Track-Auswahl ohne Notebook-Display

Parametervisualisierung am Display

Wellenformdarstellung (max. 4) am Display

Remix-Deck Kontrolle inkl. Visualisierung

Auto-Loops und 8 Hotcues

Flux und Freeze-Control

Vollständige Transportsektion mit Sync Touchstripe statt Jogwheel

Effektsektion Loop- und Pitch-Correction

 

Das kann sich auf dem Papier schon einmal sehen lassen. Schauen wir uns nun an, was der Controller im Praxiseinsatz zu leisten imstande ist.

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