Hersteller_NativeInstruments
Test
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26.01.2010

Praxis

Mobilität
Durch seine kompakte und solide Bauweise ist unser fliegengewichtiger Prüfling für den mobilen Einsatz prädestiniert. Wer keine Jogdials benötigt, kann die wichtigsten Komponenten der Tracksteuerung über Taster erreichen. Traktor LEs Hardwareanforderungen sind zudem recht moderat. Der Hersteller nennt eine 1,4 GHz-CPU und 1 GB RAM als Basis. Das sollte selbst für den Betrieb an einem aktuellen Netbook reichen. Mittlerweile hat sich das 10-Zoll-Display bei den Ultraleicht-Computern etabliert, für knapp 300 Euro bekommt der reiselustige DJ manchmal mehr als den geforderten 1 GB RAM, dazu eine 160 GB große Festplatte und Auflösungen ab 1024 mal 600 aufwärts. Im Praxistest zeigte sich das Gespann aus EeePC, Kontrol1 und Traktor LE als ausgereift und nicht einmal zwei Kilo schwer.

Traktor LE mit Kontrol-X1 am Mixer
MIDI- und Keyboard-Kontrolle der kleiner Zugmaschine unterliegen vorgegebenen Regeln. Remapping durch den Benutzer ist nicht vorgesehen, der DJ muss also mit der Herstellerkonfiguration leben.

EFFEKT-Abteilung
Fast die gesamte obere Hälfte ist den Effekten gewidmet. In Traktor LE kontrollieren die oberen Regler Dry-Wet Range und einen FX-Parameter. Die zugehörigen Buttons schalten ihn
wahlweise dauerhaft oder temporär scharf. Poti-Reihe drei weist keine Funktion auf, Zeile vier dirigiert das knackige bipolare Filter. In Kombination mit Shift wechselt der DJ den gesamten Effekt aus.

Browse-Sektion
Kontrol X1 spendiert jedem Deck einen Encoder mit Push-Funktion. Hiermit browst der DJ zügig durch die Playliste und befördert den Song auf Knopfdruck ins gewünschte Deck. Ein controllerseitiger Wechsel in der Verzeichnisstruktur ist dabei nicht möglich.


LOOP-Division
Der Push-Encoder setzt auf Knopfdruck einen Autoloop, den er dann on-the-fly in seiner Größe verändern kann. Ich finde es gut, das Kontrol X1 Loop-Resizing über einen Drehregler anstelle von Schaltflächen realisiert. Das macht in meinen Augen einfach mehr Spaß. In und Out setzen manuelle Loops und geben ein optisches Statusfeedback. Pitch-Bend schubst die Tracks in den Takt.

TRANSPORT-Bereich
Alles im Lot bei Play, Cue, Cue-Play und Sync. Der CUP-Button blinkt im Takt des Decks und hilft dadurch auch visuell beim Beatmatching. Da die Analyse der internen Tempo-Erkennung bei komplexeren Rhythmen nicht immer zu 100 Prozent korrekt arbeitet, tippt TAP die Geschwindigkeit zur Not per Hand ein. Gerade wer tatsächlich ohne Plattenteller oder zusätzlichen MIDI-Controller (also demnach auch ohne Pitchfader) auflegt, könnte ihn durchaus benötigen.

Zwischenbilanz
Trotz beschnittener Features der Beipack-Software bringt das Bundle am externen Mixer reichlich Spaß-Potenzial mit und ist auch ohne Steuer-Vinyl durchaus empfehlenswert. Uneingeschränktes Vergnügen kommt aber erst in Verbindung mit einer Traktor Pro-Version auf.

Kontrol X1 mit Traktor Scratch Pro und Turntables


EFFEKT-Abteilung
Unter TSP bietet die FX-Sektion vollen Zugriff auf Traktors mittlerweile 28 Klangmanipulatoren. Der obere Regler steuert dabei immer das Mischungsverhältnis zwischen dem modifizierten und dem Originalsignal. Die übrigen Potis dirigieren im Advanced-Mode die unterschiedlichen Parameter eines einzelnen Effekts. Im Daisy-Betrieb kann der DJ gleich drei Effekte auf einmal abfeuern, die Drehregler steuern jeweils einen Effektparameter. Traktor wartet inzwischen mit vier FX-Units auf. Wer alle einsetzen will, programmiert die Steuerdatei neu. Mir persönlich reichen zwei Einheiten pro Controller jedoch aus.

LOOP-Division
TSP erweitert die Loopsektion um hardwaregesteuerte und temposynchrone Beatverschiebung. Im Hotcue-Modus stehen ferner acht Fast-Starts zur Verfügung. Enthält der Track noch keine Einsprungmarken, werden diese einfach auf Knopfdruck angelegt. Shift entfernt sie genauso simpel. Klasse.

TRANSPORT-Bereich
Die Transportsteuerung funktioniert im Grunde wie bei TLE, schaltet aber zusätzlich durch vorhandene Track-Markierungen und aktiviert wahlweise den absoluten oder relativen Timecode-Modus.

Im Einsatz am DVS-SYSTEM kommen nicht nur FX-DJs auf ihre Kosten. Auch für die Scratch-Fraktion bietet Kontrol X1 interessante Features. Zum Beispiel kann bei aktivierter HOTCUE-Taste jederzeit an acht markierte Stellen gesprungen und gescratcht werden. Mit aktivierten Effekten fällt mir dazu nur ein: Dub me Crazy!

Vier-Deck-Steuerung
Wer mit vier Decks kreativ auflegt, also nicht nur Songs parkt und abruft, sondern stattdessen Loops in die Player geladen hat und alle Decks gleichzeitig beackert, wird wahrscheinlich um eine automatische Synchronisation und Autogain kaum herumkommen (wollen). Hier spielt der Trecker mit den Muskeln. Vor allem, wenn der DJ zwei X1-Einheiten sein eigen nennt. Diese sind nämlich notwendig, will er alle Funktionen von TRAKTOR PRO in dieser Situation simultan steuern. Zwei X1 rechts und links neben dem Mischpult plaziert sollte ausgiebigen Effekt-und Loop-Tiraden also nichts im Wege stehen.

Kontrol meets Kore
Zunächst ist zu bemerken, dass keine automatische Kalibrierung von Kontrol-One und Kore Player stattfindet, sich aber per LEARN antrainieren lässt. Bei der ersten Inbetriebnahme am Testrechner riefen nicht alle Hardware-Elemente eine softwareseitige Reaktion hervor. Ein Blick in den Controller-Editor lässt unschwer erkennen, dass im aktiven Template1 einige Komponenten nicht mit MIDI-Befehlen belegt waren. Ein simpler Klick auf Edit>>New legt ein neues, vollständiges Template an. Nun kann auch Kore-Player bequem gemappt werden, jedoch müssen Nutzer der kostenlosen Version einige Einschränkungen hinnehmen. De facto lassen sich die Klang-Parameter mit X1-Knöpfen verbinden, die aus KORE2 lieb gewonnene Morphmatrix kann jedoch nicht gemappt werden. Hier muss man schon zur Profi-Version Kore2 greifen, die mit einer geeigneten Hardware ausgeliefert wird. Für einen ersten Einblick in Kore reicht Native- Instruments Softwaregeschenk allemal und macht auch in Produktionsumgebungen und in der Live-Performance Freude.

Theo gegen den Rest der Welt
Traktor-Software besitzt traditionell eine MIDI LEARN-Funktion, daher ist es naheliegend High-Res Controller X1 mit einem MIDI-Kompatibilitätsmodus auszustatten, der einerseits die Rekonfiguration von Arbeitsumgebung und Workflow durch den User ermöglicht, andererseits den Kontakt zu alternativer Software gewährleistet. Nachdem der Modus per Shift/MIDI aktiviert wurde, gelingt die Funktionszuweisung auch in anderen DJ-Applikationen problemlos. Der Test mit Deckadance verlief reibungslos, auch Nutzern anderer Mixprogramme ist Natives Hardware-Kommandeur von meiner Seite zu empfehlen, zumal auch der zweite MIDI-Layer zur Verfügung steht. Ich finde es richtig, dass hier nicht zu sehr gemauert wird, denn die Wahlfreiheit von Soft- und Hardware ist ein hohes Gut.

Boxenstop mit Finetuning
Mein Testkandidat erlaubt einige User-spezifische Anpassungen. So kann der Anwender im Setup-Menü beispielsweise die Intensität der LED-Beleuchtung sowohl im On- als auch im OFF-Status regulieren. Das bedeutet, er kann auch im nicht aktiven Status für eine gewisse Grundbeleuchtung der Schaltflächen sorgen, was gerade in sehr dunklen Einrichtungen äußerst praktisch ist.
Weiterhin kann der MIDI-Mode gegen versehentliche Aktivierung abgeschaltet werden. Hotcue- und Shift-Buttons können im GATE- oder TOGGLE-Modus betrieben werden. Zudem lassen sich die Effektknöpfe rekalibrieren oder die Deck-Zuweisung umschalten (AB-CD und AC-BD).

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