Software
Test
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08.06.2019

Praxis


Unkomplizierte Installation

Wie beim Komplete Audio 1 und 2 benutzt Native Instruments auch beim Komplete Audio 6 sogenannte Class-Compliant-Treiber, was bedeutet, dass grundsätzlich keine Installation von Treibern notwendig ist. Und weil das Interface auch kein Netzteil benötigt, heißt es ganz einfach nur: einstecken und loslegen. Auch eine zusätzliche Softwarekonsole ist nicht vonnöten.

Windows-Nutzer sollten jedoch dringend die Installation der ASIO-Treiber vornehmen, um mit einer DAW auch echtzeitkritisch arbeiten zu können. Zum reinen Musikhören ist das aber nicht notwendig. Die Latenzwerte sind im guten Durchschnitt und mit denen eines Interfaces der Steinberg-UR-Familie vergleichbar. Primus RME ist auf meinem Testsystem durchschnittlich 3 ms besser, was aber Einsteiger nicht weiter stören sollte.

Guter Klang

Das Komplete Audio 6 klingt im Prinzip wie die anderen beiden Familienmitglieder auch und damit recht gut und unauffällig. Die Preamps haben einen warmen Klang und schmeicheln dem Signal, sind allerdings nicht besonders detailliert und auch nicht super linear. Schade bleibt auch hier, dass die XLR-Eingänge keine Verriegelung mehr vorzuweisen haben. Der maximale Gain von 50 dB geht für ein Bus-Powered-Interface in Ordnung, genau wie die durchschnittliche Kraft der beiden Kopfhörerausgänge. Die Wandler selbst lösen linear auf.

Grundsätzlich einfache Bedienung

Das Komplete Audio 6 verfügt über einfachste Monitoringoptionen direkt am Gerät, sodass eine Softwarekonsole obsolet wird, welche die meisten Einsteiger oder „Semipros“ ohnehin nicht brauchen werden. Die simple Möglichkeit, die Inputs mit dem Wandler für die Kopfhörer zu mischen ist zielführend. Der große Regler auf der Oberseite für angeschlossene Aktivmonitore ist ebenfalls schön. Das eine Option für alternative Speaker fehlt, ist zu verschmerzen.

We dont´t like DJs anymore

Es gibt allerdings ein fettes Problem bei dem neuen Komplete Audio 6 Mk2: Es akzeptiert keine unsymmetrischen Kabel am Line-Out 3/4. Steckt man hier Cinch-Adapter oder Instrumenten-Kabel ein – was wohl die meisten "ambitionierten Musiker" tun werden – dann verzerrt dieser Ausgang. Das ist schlecht und auch nicht ganz verständlich, da Ausgang 1/2 ohne Probleme mit unsymmetrischen Verbindungen klar kommt. Das alte Komplete Audio 6 übrigens auch – oder jedes andere Audiointerface dieser Welt.

Das mag nicht für jeden ein Problem sein, aber es ist absolut nicht elegant und schon gar nicht "idiotensicher", wie man so schön sagt. Ein DJ kann mit dem Komplete Audio 6 Mk2 aktuell so recht wenig anfangen, da er so eben keine zwei Decks unkompliziert nach draußen führen kann, da alle relevanten DJ-Pulte, die ich kenne, nun mal unsymmetrische Eingänge haben. Ja, nicht mal richtiges Vorhören ist für ihn möglich, weil die Kopfhörer fest auf Line-Out 1/2 sind.

Mit Bodeneffekten und unsymmetrischen (Instrumenten-)Kabeln hat man ebenfalls ein Problem, TRS-Kabel hingegen funktionieren weitestgehend. Besonders ärgerlich ist aber, dass die Kommunikation und Bildsprache auf der NI-Website aktuell einen anderen Eindruck erweckt*. Die 100 Euro Mehrpreis gegenüber Komplete Audio 1 und 2 kann man sich meiner Einschätzung nach deshalb getrost sparen.

* Native Instruments hat uns zugesichert, dass an einer Lösung gearbeitet und die Kommunikation verbessert werden soll. Die „unsymmetrisch Lösung" lautet aktuell TRS-Kabel zu verwenden und darauf zu achten, dass der Ring nicht mit Ground kurzgeschlossen wird. Wir halten euch auf dem laufenden!

Geht so Preis

Zwei Preamps, vier Line-Outs, ungefähr 200 Euro: Mit dieser Definition findet man ein paar Interfaces, beispielsweise das Focusrite Scarlett 6i6 und das Presonus Studio 68. Sie unterscheiden sich alle nur marginal – abgesehen von dem "unsymmetrischen Faux Pas" des NI Komplete Audio 6 Mk3. Damit ist der Preis maximal "okay". Die Preamps aller drei unterscheiden sich ja auch nur marginal.

Das Softwarepaket ist jedoch gewohnt gut, gerade für Anfänger. Ebenfalls erwähnenswert ist das Zoom UAC2, weil es kräftigere Preamps hat, und das Tascam US-4x4, weil es vier Preamps hat. Alle fünf liegen preislich um die 200 Euro bis 240 Euro und mit keinem macht man was verkehrt.

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