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Test
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26.11.2018

Native Instruments Komplete 12 Ultimate Collector’s Edition Test

Virtuelle Instrument- und Effekt-Sammlung

Einmal Audiosoftware komplett mit „alles“, bitte!

Alle Jahre wieder schnürt der Berliner Hersteller Native Instruments seine komplette Palette inklusive aller Neuheiten zu einem All-in-One-Bundle. Gut, das machen andere Hersteller auch, aber bei Native schaut man gerne einmal genauer hin. Warum ist das so?

Zum einen hat Native Software-Produkte im Sortiment, die sich als Branchenstandards durchgesetzt haben, zum anderen sind die Klangerzeuger mit dem Grooveproduction- und Performance-System MASCHINE und den KOMPLETE KONTROL Keyboards kombinierbar, um ein einheitliches Produktionssystem zu bilden, das nahtlos ineinander verzahnt ist. Und eines ist klar: Beim Kauf eines Bundles kommt man deutlich günstiger weg, als würde man alle oder viele Plugins einzeln kaufen.

Native Instruments veröffentlicht jedes Jahr viele Effekte, Software-Synths und Sample-Libraries, die sich von Scoring über Sounddesign bis zur Musikproduktion jeglicher Genres einsetzen lassen. In den Bundles werden sie mit Neuheiten garniert und für unterschiedliche Budgets entsprechend umfangreich zusammengestellt. Zu den bisherigen Paketen Komplete, Select und Ultimate kommt eine weitere Edition hinzu: Komplete Ultimate Collector’s Edition. Und genau um diese geht es in diesem Testbericht. Natürlich werden wir auch die anderen Bundles durchleuchten, um zu checken, für wen sich der Kauf oder das Upgrade lohnt und in welchen Punkten sich die Bundles unterscheiden.

Details

Was ist neu dabei?


Mit jedem Update der Komplete-Bundles kommen weitere Komponenten hinzu, die den Content der Vorgänger-Version erweitern. Im Testbericht zu Komplete 11 Ultimate findet ihr die Bestandteile, die bis dato in den Bundles enthalten waren.

Abgesehen von der neu hinzugekommenen Bundle-Variante, auf die ich im Folgenden weiter eingehe, gehören zu den neuen Highlights folgende 22 zusätzliche Instrumente und Effekte sowie 50 Expansions:

  • Massive X (erhältlich ab Februar 2019 per Download)
  • Kontakt 6 (mit erweiterter Library und fortschrittlicher Sampling-Technology)
  • Symphony Series Collection: sechs professionelle Instrument-Ensembles für Kontakt
  • TRK-01: Synth für Bass Drums und Bässe
  • Session Guitarist – Strummed Acoustic 2 (A-Gitarren-Kontakt-Library)
  • Session Guitarist – Electric Sunburst (E-Gitarren-Kontakt-Library)
  • Session Strings Pro 2: Kontakt-Library mit 22-köpfigem Streichorchester
  • Thrill: Kontakt-Instrument für Atmosphären, Cluster und Texturen
  • Kinetic Toys – Kontaktlibrary mit außergewöhnlichen Vintage-Toy-Samples und mehr 
  • Discovery Series Middle East: Kontakt-Library mit arabischen, türkischen und persischen Instrumenten
  • Effect Series Mod Pack: drei klassische Modulationseffekte
  • Effect Series Crush Pack: Distortion, Bitcrusher und Frequenzmodulations
  • 50 Expansions: Genre-spezifische Erweiterungspacks mit Samples, Sound-Presets, Loops, Maschine-Patterns und mehr


Die Bundles auf einen Blick

Die Komplete-Bundles sind in den folgenden vier Varianten erhältlich:


  • KOMPLETE Select:
14 Instrumente und Effekte, 3 Expansions, 45 GB+, 189,- Euro

  • KOMPLETE: 52 Instrumente und Effekte, 10 Expansions, 220 GB+, 589,- Euro
  • KOMPLETE Ultimate: 101 Instrumente und Effekte, 20 Expansions, 600 GB+, 1.199,- Euro

  • KOMPLETE Ultimate Collector’s Edition: 101 Instrumente und Effekte, 50 Expansions, 900 GB+, 1.589,- Euro

Zwar war die Ultimate-Version bisher das Paket, das (vermeintlich) alles enthielt, doch die Collector’s Edition kommt, neben den Klangerzeugern und Effekten, auch mit allen Erweiterungspaketen (Expansions) für Maschine und Co. Eine detaillierte Vergleichsliste, in der alle Bundles mit den jeweilig enthaltenen Produkten aufgeführt sind, findet ihr hier.

Komplete Select

Das kleinste und günstigste der Bundles ist für vergleichsweise preiswerte 189,- Euro zu haben. Beim Kauf von Native-Instruments-Hardware, wie MASCHINE oder KOMPLETE KONTROL, gibt es das Select-Bundle als kostenlose Dreingabe dazu (ausgenommen davon sind MASCHINE MIKRO MK3, KOMPLETE KONTROL A-Series und KOMPLETE AUDIO 6). Das kleinste Paket im Bunde kommt mit den vier Synths Retro Maschines MK2, Reaktor Prism, Monark und sogar Massive. Hinzu kommen eine gute Handvoll Sample-Libraries, die einen kleinen Auszug der Sektionen Drums, E-Bass, Orgeln und Piano abdecken.

Zum Abspielen der Libraries muss das Select-Bundle mit den Player-Varianten von KONTAKT und REAKTOR auskommen, die ohnehin kostenlos sind. Mit True School, Velvet Lounge und Deep Matter kommen drei Maschine-Expansions mit Samples, Loops, Projekte, Patterns, Battery-Kits, Presets und mehr dazu. Die Effekt-Sektion enthält lediglich den Solid Bus Compressor, das Replika Delay sowie das Mod Pack Phasis. Im Gegensatz zur Klangerzeugung (besonders die Synths) ist man mit dem Select Bundle Effekt-mäßig weniger gut versorgt.

Komplete

Die Standard-Version KOMPLETE ist das gesunde Mittelmaß, das für die Hälfte der Ultimate-Version auch nur halb so viel Instrumente und Effekte enthält. Das bedeutet aber nicht, dass das Standard-Bundle auch nur halb so gut ist. Denn die soliden Highlights sind am Start und natürlich sind auch KONTAKT und REAKTOR als Vollversion mit dabei. Was fehlt im Vergleich zu Komplete Ultimate?

Bei den Software-Synths fehlen lediglich Razor, Flesh und Skanner XT. Bei den Sample Libraries sind da schon weitaus mehr Abstriche zu verzeichnen. Zu jeder Kategorie ist aber mindestens eine Library enthalten. Besonders betroffen sind die Library-Kategorien Klassik, Cineastische, E-Bässe, Gitarren und Drums. In den Kategorien Pianos, Weltmusik, Orgeln und E-Pianos fehlen im Vergleich zur Ultimate-Version nur wenige Libraries. Je nachdem, welche Musikart man produziert, reicht auch die Komplete-Variante aus. Bei den Effekten muss man auf eine Handvoll Kompressor-Emulationen, die Crush Packs sowie die RC-Halleffekte (Lexicon-Emulation) sowie Molekular und The Mouth verzichten. Etwa die Hälfte der Maschine-Expansions ist dabei, was für viele Genres nochmals Samples, Loops, Presets und Weiteres mitbringt.

Komplete Ultimate

Komplete Ultimate war bis zur Version 11 das umfangreichste Bundle, das von nun an von der Collector’s Edition getoppt wird. Ultimate enthält alle 101 Software-Instrumente und -Effekte sowie alle Sample-Libraries in mehr als 600 GB Content. Im Vergleich zur Collector’s Edition ist statt der Symphony Series die abgespeckte Essentials-Version sowie 20 statt 50 Expansions im Bundle enthalten. Die Expansions wurden ursprünglich als Erweiterungspakete für Maschine entwickelt, in denen anfänglich hauptsächlich Samples und Loops enthalten waren. Nach und nach kamen dann Presets für Klangerzeuger wie Massive hinzu. Mittlerweile gibt es Expansions, die beispielsweise ausschließlich Klangerzeuger-Presets enthalten und daher auch für Nutzer interessant sind, die keine Maschine besitzen – mehr Sounds kann man eigentlich immer gebrauchen. Die meisten Expansions sind allerdings noch immer für Maschine-User am besten geeignet, da oftmals Kits und Patterns enthalten sind, die sich ausschließlich mit Natives „Grooveschraubmaschine“ nutzen lassen.


 

Komplete Ultimate Collector’s Edition

In der neuen Collector’s Edition kommt die Symphony Series Collection in der kompletten (nicht abgespeckten) Version, die im Einzelkauf bereits bei rund 1.000 Euro liegt. Wer mit der Collection ohnehin liebäugelt, bekommt für rund 600 Euro mehr also alle anderen Libraries, Effekte, Instrumente und Expansions dazu. Die Symphony Series richtet sich an Produzenten, Komponisten und Arrangeure im Scoring-Bereich für Filme und Games. Im Vergleich zu den Symphony Essentials bietet die Collection mehr Eingriffsmöglichkeiten in die Instrumente, was beispielsweise authentisches Legato-Spiel ermöglicht. Zudem sind wesentlich mehr Artikulationen, weitere Mikrofonpositionen, Timestretching und ein Mixer mit an Bord, mit dem sich gezielte Eingriffe in die Ensembles vornehmen lassen. Statt der 18 GB Content der Essentials-Version kommt die komplette Symphony Series Collection mit 164 GB – das ist eine Hausnummer.

Zusätzlich bekommt man mit der Collector’s Edition die volle Ladung Expansions, in der 50 Erweiterungspakete inbegriffen sind. Das allumfassendste aller Komplete-Bündel lohnt sich für alle, die nicht nur alle Instrumente, Effekte und Sample-Libraries, sondern auch jegliche Expansions haben möchten. Statt über 45.000 Sounds kommt man somit auf 90.000 Sounds in über 900 GB Content. Im Einzelkauf zahlt man pro Expansion zwischen 29,- und 49,- Euro. Da die Collector’s Edition insgesamt 30 Expansions mehr beinhaltet als die normale Ultimate-Version, kann es eine zusätzliche Ersparnis sein. Zumindest, wenn man vorhat, einige Expansions hinzuzuerwerben. Wer nur die ein oder andere Massive-Expansion benötigt, kommt im Einzelkauf günstiger weg. Den größten Vorteil haben Nutzer, die ungern lange selbst schrauben möchten, sondern einsatzbereite Sounds, Loops, Presets und Patterns für viele Musikstile zum Sofortloslegen gebrauchen können.

Kurzum: Verglichen mit der Komplete Ultimate lohnt sich die Collector’s Edition dann, wenn man einen Großteil seiner Produktionen bzw. Kompositionen und Arrangements mit Maschine sowie den Komplete-Keyboards erledigt und/oder den Kauf der Symphony Collection in Erwägung zieht.

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