Bass Hersteller_MusicMan
Test
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18.08.2015

Music Man Stingray 5 HH RW HB Test

Fünfsaitiger E-Bass

Klassisch – klassischer – MM 5-String!

Es gab eine Zeit, in der die meisten Bassisten auf der Welt ausschließlich Viersaiter spielten. Der Wunsch und der Bedarf nach einer zusätzlichen Saite - vorrangig einer tiefen B-Saite - entstand erst in den 1980er-Jahren, primär verursacht durch die immer häufiger eingesetzten tiefen Keyboardbässe in den Musikproduktionen der damaligen Zeit. Es folgte ein von vielen Innovationen gespicktes "Shake Hand"-Rennen zwischen Instrumenten-, Saiten-, Verstärker- und Boxen-Herstellern, die auf diese neuen Anforderungen bis weit in die 90er-Jahre reagierten.

Die Anfangstage der 5-Strings waren nicht gerade einfach. Alles musste quasi neu entwickelt werden: Fräsvorrichtungen, Tonabnehmer, Hardware, Elektronik, Saiten. Die Forschung nahm Zeit in Anspruch und kostete viel Geld. Bei vielen frühen Modellen wurde noch versucht, die Halsdimensionen der Viersaiter beizubehalten. Bedingt durch die eng beieinander liegenden Saiten waren diese Instrumente aber relativ schwer bespielbar. Wirklich brauchbare Fünfsaiter waren zunächst primär die Domäne teurer Edelbasshersteller, die diese Entwicklung vor sich her trieben, sofern sie an den Erfolg dieser neuen Gattung glaubten.

Die kalifornische Firma Music Man, damals noch unter Leitung von Ernie Ball, war schon immer sehr innovations- und experimentierfreudig. So war es sicher auch kein Zufall, dass man bei Music Man 1987 begann, ein 5-Saiter Modell in Serie herzustellen. Es war die Geburt des fünfsaitigen Stingray-Basses, der bis zum heutigen Tag nicht an Popularität verloren hat. Wir haben eine aktuelle Ausgabe des Stingray 5 ergattern können, in der Ausführung mit zwei Humbuckern in der Farbvariante "Honey Burst". Prüfen wir also, ob sich Tradition und Moderne nach wie vor gut miteinander vertragen.

Details

Der hier getestete Music Man Stingray 5 trägt zusätzlich das Kürzel "HH RW HB". Hinter diesen Buchstaben verbergen sich die Lieferoptionen Doppel-Humbucker (HH), Rosewood Fretboard (Palisander-Griffbrett) sowie die Farbe Honey Burst. Zu den weiteren Grundmerkmalen des ausgelieferten Basses zählen der Matched Headstock, ein schwarzes Pickguard und verchromte Hardware. Damit wären die groben Eckpunkte genannt, an denen man den Bass auf der Bestell-Liste identifizieren kann, denn Music Man bietet viele unterschiedliche Ausführungen und Feature-Kombinationen an, die man sich allesamt auf der Music Man-Website zu Gemüte führen kann.

Zur weiteren Grundausstattung bei Music Man gehört die Auslieferung des wertvollen Instrumentes in einem schwarzen Kunststoff-Hardcase mit passgenauer Hartschaumeinlage und schwarzem Samtfließ, mit zwei Staufächern und vier Schnappverschlüssen, von denen einer abschließbar ist.

Der Music Man 5 besitzt einen galant abgerundeten Eschekorpus, gebeizt in der Farboption Honey Burst - eine hellere Variante des beliebten Sunburst, die sich innerhalb der gelb/rotbraunen Farbpalette bewegt und nicht wie bei Sunburst in Schwarz übergeht, sondern vielmehr in hellerem Rotbraun zu den Rändern hin abdunkelt. Auch die Kopfplatte hat man der Korpusfarbe angeglichen (matched). Die Farbabstimmung wirkt sehr gelungen und wurde von einem hochwertigen Polyester-Hochglanzlack überzogen.

Insgesamt erscheint der Bass nicht gerade zierlich, und so ist auch sein Gewicht mit 4,7 kg keine Überraschung. Das führt aber wiederum zu einer Haptik, die man entsprechend als solide empfindet. Nicht jeder mag Fliegengewicht-Bässe, und der Music Man Stingray 5 hängt gut und ausgeglichen am Körper, sodass man das "gefühlte" Gewicht als nicht so stark empfindet, wie es die Waage anzeigt.

Der mit Palisander-Griffbrett, weißen Punktinlays und 22 Bünden bestückte Ahornhals ist sechsfach verschraubt und besitzt ein kräftiges Ovalshaping. Dafür wurde die Breite des Griffbretts vergleichsweise eng gehalten - die Sattelbreite beträgt gerade mal 4,4 cm. Bei einem Sadowsky 5-String z.B. beginnt die Reise am Sattel bereits mit 4,8 cm und endet mit einem Stringspacing von 7,6 cm an der Brücke, während der Stingray 5 an der Brücke ein Spacing von 7,1 cm bietet. Die kräftige Halsmasse in der Tiefe wird demzufolge durch die schlankeren Griffbrettabmessungen an den Seiten entsprechend wettgemacht. Vom Gefühl her wirkt der Hals dadurch in der Hand sehr rund und fordert der Greifhand in den tiefen Lagen vielleicht etwas mehr Kraft ab. Andererseits begünstigt dieser Hals eine "Rock'n'Roll-Greifhand", bzw. den Klammergriff, wie er oft auch beim Plektrumspiel verwendet wird, um die Saiten besser abzudämpfen. Auch das engere Spacing am Steg kommt dem Plektrumspiel durchaus entgegen, was aber nicht heißen soll, dass es für Fingerspieltechniken unbequem wäre.

Der Hals ist auf der Rückseite unlackiert bzw. gewachst und geölt und wirkt entsprechend griffig. Außerhalb des Griffbereiches, also ab der Sattelgrenze aufwärts, wurden der Hals und die Kopfplatte wie der Korpus mit klarem Polyesterlack überzogen. Die fünf halboffenen Schaller BM-Mechaniken sind in der Anordnung 4:1 verteilt. Um einen durchgehend gleichen Sattelauflagedruck bei allen Saiten zu gewährleisten, laufen die A- und D-Saite unter einen tellerförmigen Stringtree (Saitenniederhalter) hindurch. Vorbildlich - wie immer bei Music Man - ist die Vorrichtung zur Justierung der Halsstellschiene, die korpusseitig zu finden ist und mittels einer Lochscheibe verstellt wird, in die ganz bequem ein beliebiger Metallstift oder Schraubenzieher gesteckt wird. Bei dieser Konstruktion entfällt die Suche nach einem passenden Inbuswerkzeug, was allein vom Zeitaufwand eine tolle Sache ist. Zudem ist die Stellschraube frei zugänglich, weil sie aus dem Halsende hervorragt und weder versenkt ist noch von einem Deckelchen verdeckt wird. Für mich ist das nicht weniger als eine der souveränsten Service-Lösungen der Szene!

Als Sattel dient der Music Man Compensated Nut, der seit der Markteinführung des Music Man Bongo im Jahr 2003 bei allen Music Man-Bässen (mit Ausnahme der Classic-Serie) Standard ist. Für eine perfekte Intonation hatte man sich damals bei der Sattelkonstruktion des Bongo-Basses etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Gitarren und Bässe weisen generell einige konstruktionsbedingte Intonationsschwächen auf, die sich bei Bässen vor allem während des Akkordspiels mit Leersaiten bemerkbar machen. Selbst bei exakt eingestellter Oktavreinheit der Stegreiter klingen Akkorde nie richtig rein und harmonisch. Aus diesem Grund berechnete man beim Bongo-Bass erstmals die Mensurlänge für jede Leersaite neu und veränderte sie am Sattel minimal. Das Ergebnis ist der kompensierende Sattel, der das beschriebene Intonationsproblem hörbar verbessert.

Auch wenn der Stingray primär für seine Basisversion mit einem Tonabnehmer berühmt ist, so ist die Wahl eines Fünfsaiters mit zwei Humbuckern wie bei unserem Testmodell sicher nicht die schlechteste. Die tonale Vielfalt wird dem ein oder anderen Käufer sogar sicherlich wichtiger sein, als striktes Festhalten an optische Tradition. Die beiden Humbucker unseres Testbasses verfügen über Alnico-Magnete und Dummyspulen gegen externe Störeinwirkungen. Gepaart sind sie mit einer aktiven Music Man-Elektronik mit Dreiband-Klangregelung und 5-Wegschalter, deren Innenleben unterhalb des schwarzen Pickguards angebracht ist. Das Schlagbrett wurde asymmetrisch gestaltet - im Gegensatz zum symmetrischen ovalen Pickguard des Ur-Stingrays. Die Klinkenbuchse liegt, wie bei allen Stingrays mit Dreiband-Klangregelung, an der Korpusunterseite. Der 5-Wegschalter übernimmt die Schaltung der insgesamt vier Spulen:

- 1 & 2 (Humbucker)

- 1 & 4 (Singlecoil/Singlecoil)

- 1 & 2 & 3 & 4 (Humbucker/Humbucker)

- 2 & 3 (Singlecoil/Singlecoil)

- 3 & 4 (Humbucker)

Alle Schaltungen sind parallel ausgerichtet. Die Aktive Dreiband-Elektronik wird mit vier Reglern (Lautstärker, Höhen, Mitten, Bässe) kontrolliert, wobei die Frequenzregler jeweils zur besseren Orientierung mit einer Mittelraste versehen sind. Die griffigen Knöpfe der Regler sind aus schwarz eloxiertem Messing. Zur Stromversorgung der aktiven Elektronik dient eine 9-Volt Batterie, welche in einem Schnellwechselfach auf der Korpusrückseite untergebracht ist.

Traditionell recht simpel gehalten (aber ebenso grundsolide und stabil) ist die verchromte Music Man-Brücke. Sie verfügt über eine Saitenaufhängung mittels Fädelführung/-Aufhängung und einfachen, rollenförmigen 2D-Reiterchen. Werksseitig wird der Music Man 5 mit qualitativ hochwertigen Ernie Ball Super Slinky-Saiten in den Stärken 45/65/80/100/130 ausgeliefert.

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