Gitarre Hersteller_MusicMan
Test
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20.11.2014

Praxis

Sound/ Bespielbarkeit:

So seltsam es sich auch auf den ersten Blick liest: Die Gitarre spielt sich eigentlich von selbst. Bei Flitzefingern wie John Petrucci erwartet man meist einen flachen Rennhals, aber weit gefehlt! Dieses Exemplar liegt satt in der Hand und ermöglicht trotzdem mühelos sämtliche Spieltechniken. Ich beginne wie immer clean und schalte alle vier Positionen inklusive der Split-Einstellung mit gezogenem Tonpoti durch.

Die Majesty klingt satt, aber gleichzeitig auch modern - ich muss zugeben, dass sie mir am cleanen Amp etwas zu steril wirkt. Das Instrument reagiert sehr feinfühlig auf den Druck, den man mit der linken Hand auf die Saiten bringt, daran muss man sich erst einmal gewöhnen.

Nun ein angecrunchter Amp, und ich spiele im ersten Beispiel den Steghumbucker ohne, danach mit aktiviertem Boost.

Im verzerrten Segment scheint sich die Majesty wesentlich wohler zu fühlen. Feinfühlig werden Single Notes an den Amp weitergeleitet, ohne dass die Direktheit leidet. Der Boost verleiht dem Crunchsound plötzlich Lead-Qualitäten, und das ist wirklich beeindruckend. So spart man sich auf jeden Fall das Boost-Pedal!

Ich bleibe beim selben Amp und drehe den Gain weiter auf.

Die Illuminators pumpen ordentlich Druck in den Amp und generieren einen modernen Heavy Rock Sound mit wohldosiertem Growl. Auch hier werden Attacks fein säuberlich herausgearbeitet und bringen alle Anschläge detailliert zur Geltung. Dies ist beim ultrapräzisen Spiel des Dream Theater Gitarristen auch nötig, da sonst undefinierbarer Matsch das Resultat wäre.

Ich verwende jetzt einen modernen High-Gain-Amp und aktiviere den Steghumbucker.

Im Klangbild setzt sie sich klar durch und sammelt auch hier die volle Punktzahl. Selbst Sololinien werden flächig wiedergegeben, was sie letztendlich größer klingen lässt, als sie tatsächlich ist. Die Töne scheinen sich miteinander zu verbinden, was Riffs kompakter und imposanter macht.

Bevor ich mich um die Piezos kümmere, schnell noch ein Lead- und ein Song-Beispiel.

Weiter geht es, wie bereits erwähnt, mit den Fishman-Piezos. Für die Beispiele habe ich eine Avalon D.I. Box verwendet.

Ich muss zugeben, dass mich der Klang doch sehr positiv überrascht. Vergleicht man ihn mit dem Sound einer ausgewachsenen Akustikgitarre, die auch über Piezos abgenommen wird, ist die Majesty tatsächlich sehr überzeugend! Natürlich haben diese Tonabnehmer ihren typischen Klang, aber er fällt hier nicht so glasig und unnatürlich aus wie es sonst oft der Fall ist. Ganz im Gegenteil, er lässt sich sehr gut weiterverarbeiten und bietet gerade im Live-Betrieb enorme Vorteile, ganz ohne Feedback-Stress, Gitarrenwechsel usw.

In den letzten beiden Soundfiles spiele ich den Piezo zuerst einmal zusammen mit der normalen Pickup-Mittelpositon an, im zweiten dann mit der gesplitteten Schaltung.

Auch diese Mischsounds können überzeugen und generieren den typischen Dream Theater Ton. Zugegeben, es fehlen noch ca. drei Delays, mehr Hall und ein leichter Chorus, aber das Fundament wäre gelegt.

Ich muss zugeben, dass die Gitarre meinen persönlichen Geschmack nicht unbedingt trifft. Mir klingt sie insgesamt etwas zu steril und erinnert mich eher an ein Sportgerät, oder besser noch, an einen modernen Supersportwagen, der eigentlich auf die Rennstrecke gehört, man mit ihm aber auch mal schnell einkaufen fahren kann. Aber um den persönlichen Geschmack des Testers darf es in einer solchen Review höchstens am Rande gehen. Wer eine solche Gitarre kauft, der hat seine eigenen Geschmack und ganz klare Vorstellungen, was er von seinem Instrument erwartet. Und unsere Testkandidatin wird ihn nicht enttäuschen, denn sie ist sensationell verarbeitet und liefert eine breite Palette an hochwertigen Sounds, mit denen es sich Musikstil-übergreifend arbeiten lässt. Die Majesty reagiert extrem feinfühlig auf kleinste Nuancen und lässt ihrem Spieler alle Freiheiten, sich uneingeschränkt auszutoben.

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