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Test
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01.02.2013

MOTU Digital Performer 8 Test

DAW-Software

Neues aus dem Land der Einhörner!

Digital Performer von MOTU ist seit vielen Jahren eine feste, wenn auch kleine Instanz in der hiesigen DAW-Welt. Aufgrund der bisherigen Beschränkung auf das Mac OS X Betriebssystem war dies aber auch hausgemacht.

Mit Version 8 sollen nun aber auch bald Windows-Jünger in Versuchung geführt werden. Wir lassen nichts anbrennen und checken derweil die Mac-Version.

Details

Bereits 1990 erschien die erste Version von MOTU Digital Performer, was zuerst als Frontend für Digidesign´s Audiomedia Hard Disk System angedacht war, dann aber doch durch die Eigenlösung Pro Tools ersetzt wurde. Bis heute lassen sich die Parallelen beider Systeme kaum leugnen. Deshalb verwundert es auch kaum, dass aufgrund dieser Verwandtschaft beide zu einem gewissen Grad miteinander kompatibel sind, was sich beispielsweise auch durch die grundsätzliche Möglichkeit äußert, Projekte zwischen Pro Tools HD und Digital Performer austauschen zu können.

Neben zahlreichen neuen Features hinsichtlich Funktionalität und Umfang liegen die größten Neuerungen auf der Hand: Da wäre die angekündigte Unterstützung für Windows-Systeme wohl schon mal als die grundlegendste Weiterentwicklung zu nennen, die aber doch noch auf sich warten lässt. Laut Hersteller-Website sollte man aber noch in diesem Frühjahr mit einer Windows-Version rechnen können.

Als zweite wichtige Neuerung wäre der 64 Bit Support zu nennen, der hinsichtlich immer größeren Anforderungen an CPU und RAM auch mehr als überfällig war. Benutzer mit aktuellen Systemen und einer Vielzahl von Speicher-Blöcken dürfen also aufatmen und versichert sein, dass ihre Hardware-Investitionen sich endlich auch hier auszahlen werden. Außerdem spendierte MOTU seinem DAW-Schätzchen eine Vielzahl neuer Plug-Ins. Besonders schön dabei, dass es sich dabei auch um etwas exotisch anmutende Klangverbieger handelt, die man nicht in jedem anderen beliebigen „08/15-Bundle“ abstauben kann.

Dynamic Equalizer
Wie der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich beim Dynamic Equalizer um einen ausgewachsenen Multiband-Kompressor. Insgesamt stehen drei parametrische und zwei Shelving-Bänder zur Verfügung, die jeweils mit einem vollwertigen Kompressor ausgestattet sind. Das Ganze wird mit einem Echtzeit FFT-Spektrum hinterlegt, sodass Eingriffe ins Frequenzband auch visuell vorgenommen werden können und die Änderungen dabei sofort sichtbar werden.

Precision Delay
„Halleluja“, wird der ein oder andere Homerecorder bei diesem Plug-In schreien. Im Gegensatz zum Namen handelt es sich beim Precision Delay nämlich nicht um das eine Millionste digitale Delay-Plug-In, sondern hilft dem Nutzer bei der Beseitigung von Phasenproblemen zwischen Signalen. Das ist vor allem bei Aufnahmen von Instrumenten (beispielsweise beim Recording eines Gitarrenamps) mit mehreren Mikrofonen mehr als sinnvoll. Durch den „Sweet-Spot-Parameter“ kann diese Anpassung auch nach der Analyse verändert werden, um das wohlklingendste Resultat zu erzielen.

Spatial Maximizer
Mit dem Spatial Maximizer bedient MOTU vor allem den Master-Channel einer Produktion. Der M/S-Equalizer bietet neben dem dynamischen 5-Band-EQ für Mitten- und Seitensignal ebenfalls ein High-Pass-Filter sowie einen Bass-Enhancer. Obwohl sich der Spatial Maximizer vor allem für Vinyl Mastering-Aufgaben eignen soll, ist er sicherlich auch bei jedem anderen Ausgabemedium eine gute Wahl. 

Subkick
Mit dem Subkick liefert MOTU ein speziell für Kickdrums optimiertes Soundwerkzeug, welches sowohl analoge als auch elektronische Sounds aufzuwerten weiß. Dabei kann das Ausgangssignal durch das Hinzumischen von künstlichen Subbässen vielfältig manipuliert werden. 

Gitarrensimulationen
Nachdem bereits alle namhaften Hersteller ihre DAWs mit umfangreichen Simulationen legendärer Verstärker und Effekten ausgestattet haben, liefert auch Digital Performer prompt einige Neuerungen zum bereits vorhandenen Stock an virtuellen Amps und Bodentretern hinzu.

Hierzu gehören in der Verstärkerfraktion mit dem „ACE30“ ein virtueller VOX AC30 sowie der, unter dem Alias „Soloist“ vertretene, Mesa Boogie Dual Rectifier. Mit neuen Gitarreneffekten wie Analog Delay (Vorbilder: 80er Jahre Pedale von DOD und Electro Harmonix), Analog Flanger (Vorbild: Electro Harmonix Electric Mistress), Hi-Top Booster (Vorbild: Dallas Rangemaster), Clear Pebble Phase Shifter (Vorbild: Electro Harmonix Small Stone), Dyna-Squash Sustain Switch (Vorbild: MXR Dyna-Comp) und dem Analog Phaser (Vorbild: MXR '74 Vintage Phaser) ist Digital Performer also nun auch schon von Haus aus mehr als umfangreich ausgestattet.

Bassisten werden sich über das neue Live Room B Plug-In freuen. B wie Bass, nicht zu verwechseln mit G wie Gitarre, denn Live Room G gab es ja bereits in DP7. Wie auch von anderen Simulationen, wie beispielsweise GuitarRig von Native Isntruments, bekannt, kann hier sehr detailliert der Sound einer Bassbox nachgebildet werden, indem man das Model der Box und eine Auswahl von Mikrofonen miteinander kombiniert. Die einzelnen Signale können dann als Submix intern mit Delay und EQ versehen und in Lautstärke bzw. Panorama-Verteilung angepasst werden.  

Live Stage
Zu guter Letzt liefert MOTU mit dem Live Stage Plug-In eine abgespeckte - jedoch auch wesentlich CPU-freundlichere - Version ihrer Gitarren- bzw. Basssound Suite. Somit ist es nun auch möglich, die im Studio kreierten Sounds mit auf die Bühne zu nehmen. Einziger Nachteil ist hierbei die Limitierung auf nur eine Box bzw. ein Mikrofon, was zwar die CPU-Last reduziert und so zu einer stabileren Performanz führt, allerdings schon etwas zu limitierend wirkt. Andererseits: Auch Live-Setups in der analogen Welt benötigen selten mehr Komponenten zur Abnahme. 

Weitere, kleinere Neuerungen
Jeder der schon einmal aufgrund von Schusseligkeiten beim Punch-In verschiedener Takes den ein oder anderen Anschlag oder Attack versäumt hat, wird sich über das neue Punch-Guard Feature in Digital Performer 8 besonders freuen, dessen Funktionsweise genauso simpel wie praktisch ist: Wenn ein neuer Take eingespielt wird, beginnt die Software bereits einige Sekunden vorher mit der Aufnahme und beendet diese auch erst später. Somit können die Takes auch später noch in beide Richtungen verlängert werden, falls dem Signal etwas fehlen sollte. Die Pre- bzw. Post-Roll Zeiten sind dabei frei wählbar. 

Aber auch Sounddesigner und Filmkomponisten profitieren von dem Update: Unter der Haube von Digital Performer 8 werkelt eine komplett neu entwickelte Video-Engine, die nun auch endlich HD-Material unterstützt. Mit Hilfe des neuen Plug-In-Managers lassen sich sowohl Effekte als auch die passenden Presets sinnvoll sortieren, durchsuchen und anschließend in den Track laden.

Abschließend seien noch die austauschbaren Interface-Themes erwähnt, mit denen man das Programm auch noch optisch den eigenen Wünschen anpassen kann.

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