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22.04.2021

Moog Minimoog – Soft-Synths im Vergleich

Wie verhalten sich Minimoog-Emulationen beim Produzieren?

Sechs hochwertiger Software-Synthesizern im Vergleich

Muss man ihn überhaupt noch vorstellen? Eigentlich kennt ihn in der Branche jeder, den von Robert Moog entwickelten Minimoog – der erste kompakte und kommerziell erfolgreiche Tastatur-Synthesizer überhaupt. Nach mehrmaligen Neuerungen und Abwandlungen kam mit dem „Model D“ in den frühen 1970ern schließlich das Minimoog-Modell auf den Markt, das bis heute als Klassiker bekannt ist.

Sowohl die Architektur als auch der Sound des Minimoog wurden etliche Male bei anderen elektronischen Musikinstrumenten kopiert oder als Software emuliert. Das liegt mitunter daran, dass man für ein Originalexemplar schon mal gut und gerne 5.000 Euro berappen muss – und das auch nur, wenn man denn viel Glück hat und eins findet. Auch die Neuauflage von 2016, der Minimoog D Reissue, möchte erst einma finanziert werden. Dagegen ist jede Emulation nahezu lächerlich preiswert.

Die Komponenten sind bekannt: Drei Oszillatoren plus Noise-Generator. Der dritte Oszillator ersetzt allerdings einen LFO, der beim Minimoog fehlt. Dreht man in der Mixersektion die Lautstärken der VCOs maximal auf, entstehen Verzerrungen. Der Basisklang lässt sich mit dem Feedback-Trick (Low Output in den External Input) noch weiter pimpen. Das Moog-Kaskaden-Filter (Ladder) klingt charakterstark und bleibt ein heißes Thema, so auch in einem unserer Bonedo-Workshops. Egal, wo sich die wenigen Regler gerade befinden oder welche der Knöpfe betätigt worden sind: Der Minimoog klingt immer fantastisch und besticht mit enormer Präsenz, Lebendigkeit und Klangfülle. Zurecht spricht man auch von der „Stradivari unter den Synthesizern“. Die Königsdisziplinen des des Minimoog stellen wuchtige Bässe, perkussive Phrasen und Leads dar, die sich in jedem akustischen Kontext behaupten.

Es finden sich viele Vergleiche zwischen echten Minimoog, Clones und Softwareinstrumenten, die das Klangverhalten von Oszillator, Filter und Hüllkurven akribisch untersuchen. Wir möchten an dieser Stelle keine weitere „physikalische Versuchsreihe“ durchführen, sondern uns den Minimoog-Emulationen bewusst musikalisch nähern. Verglichen werden einzeln angespielte Klänge sowie Arrangements mehrerer Instanzen aus ein- und demselben Software-Instrument. Ihr werdet in diesem Vergleich also erfahren, welches Gesamtbild die jeweilige Emulation abgibt.

Bei unserer Auswahl konzentrieren wir uns auf insgesamt sechs Softwareprodukte, die sich als Emulation des Minimoog für PC und Mac bereits bewährt haben. Darüber hinaus gibt es natürlich aber noch weitere Software-Instrumente, so zum Beispiel den von UAD angebotenen Minimoog, der bislang exklusiv innerhalb der DAW Luna nutzbar ist. Als günstige iPad-App gibt es außerdem den iOS-Minimoog von Moog selbst.

Die Paketlösung: Softtube Model 72

Die jüngste Emulation nennt sich „Model 72“ und kommt von Softube aus Schweden. Mit einem regulären Preis von 159 Euro vermittelt dieser Softwaresynthesizer eine hohe Klangqualität und bringt außerdem eine detailgetreue Nachbildung des Moog-Klassikers mit. Die Oberfläche des Model 72 wurde quasi fotorealistisch gestaltet. 

Anders als beim Original ermöglicht der Stereo-Spread-Modus der Emulation interessante räumliche Klänge und noch brachialere Synth-Wände. Neben dem eigentlichen Instrument gibt es außerdem noch das Effekt-Plugin „Model 72 FX“. Ferner lässt sich das emulierte Moog-Filter beispielsweise als Modul in Softubes „Amp Room“ und „Modular“ integrieren. Für Softube Modular stehen sogar sieben „Klangbausteine“ des Model 72 bereit. Somit ergibt sich ein dickes Bundle für Softube-Anwender.

Der moderne Klassiker: Synapse Audio The Legend

Neben der fantastischen Oberheim-Emulation namens „Obsession“ bietet Synapse Audio mit „The Legend“ auch in puncto Minimoog einen überaus starken Kandidaten, der für 89 Euro als Plugin (VST AAX, AU und Rack Extension) heruntergeladen werden kann. Ein skalierbares und übersichtliches GUI, eine auch als FX-Plugin anwendbare Effektsektion aus Delay und Reverb sowie ein Spiel im Unisono-, Mono- oder vierstimmigen Polyfon-Modus sind nur einige Merkmale. Das Instrument kommt mit einer überzeugenden Soundbibliothek, die aus über 530 Preset quer aus allen Sparten besteht.

Der Expansive: Arturia Mini V

Arturia mischt bei praktisch jeder Emulation eines klassischen Synthesizers mit. Aktuell ist es der Mini V 3.0. Wie man es von den Franzosen kennt, wird die Emulation zusätzlich aufgebohrt und um einige Features erweitert. 

Beim Mini V ist es ein Vocal-Filter, eine Automation verschiedener Parameter, eine Modulationsmatrix sowie ein Delay/Chorus-Effekt, ein LFO und ein Arpeggiator. Und sogar die Pulsbreitenmodulation beherrscht dieser virtuelle Minimoog. Ist das nicht schon zu viel des Guten? Zumindest der Preis von 149 Euro wird durch dieses Aufgebot gerechtfertigt. Man erwirbt den Mini-V am besten als Bestandteil der Arturia V-Collection, einer sehr umfangreichen Kollektion.

Der Klassiker pur: Native Instruments Monark

Die Emulation von Native Instruments basiert auf NI Reaktor: „Monark“ ist konzeptionell ziemlich geradlinig, was schon der erste Blick auf das GUI verrät. Monark verzichtet komplett auf Zugaben wie Arpeggiator oder Effekte und ist wie ein originaler Minimoog auch nicht polyfon spielbar. Einen schnellen Start versprechen die über 380 Presets. 

Wie The Legend von Synapse Audio ist auch Monark für unter 100 Euro zu bekommen. Noch besser: Wer die Sammlung „Komplete Select“ von NI erwirbt, erhält neben der Minimoog-Emulation noch einige weitere Instrumente und Effekte recht erschwinglich dazu.

Der Vintage-Spezialist: GForce Software Minimonsta

Seit vielen Jahren schon begeistert der Minimonsta von GForce Midimonsta, der hierzulande umgerechnet um die 100 Euro kostet. Er klotzt mit 6.000 Presets, bietet zusätzlich einen LFO, eine ADSR-Hüllkurve sowie einen Delay-Effekt. Die drei Oszillatoren lassen sich unisono schalten und auch polyfon spielen. 

Mit einem speziellen Feature unterscheidet er sich von den anderen Minimoog-Emulationen: Über die Tastatur lassen sich bis zu 12 verschiedene Patches intuitiv wechseln. Leider ist die Benutzeroberfläche eher klein geraten und nicht skalierbar – das ist ein dringender Update-Wunsch.

Allrounder aus Berlin: u-he Diva

Mit einem Straßenpreis von rund 165 Euro ist die u-he Diva der teuerste Softwarekandidat. Der Preis relativiert sich aber sehr, weil die bis zu 16-stimmig spielbare Diva noch weitere Analogklassiker emuliert. Integriert sind Effekte und Arpeggiator.

Nicht unwesentlich ist der Aspekt, dass es für Diva eine Unmenge an kommerziellen Sound Packs gibt. Dieses gefragte Software-Instrument glänzt im Bonedo-Test und obwohl manche Musiker die skalierbare Oberfläche nicht ganz so ansprechend finden, kann man eigene Patches sehr einfach kreieren, wie der Workshop auf Bonedo zeigt.

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