Gitarre Hersteller_Mooer
Test
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13.03.2020

Praxis

Beim Praxiseinsatz werden beide Einsatzmöglichkeiten des GE250 getestet, einmal die Funktion als Stand-alone Amp-Modeler direkt am Audio-Interface (Universal Audio Apollo), und dann natürlich vor einem clean eingestellten Verstärker und auch mit der Vier-Kabel-Methode. Aber zuerst geht es aus dem Pedal direkt auf die Festplatte und wir hören uns einige Preset-Sounds an.

Wie erwartet ist die Bandbreite an Sounds sehr groß, die typischen Brot-und-Butter-Klänge mit dezentem Effekt-Einsatz sind selbstverständlich an Bord, aber auch experimentelle Sounds mit üppigem Hall und Effekten, die das Signal ordentlich durch den Wolf drehen. Bei der umfangreichen Ausstattung an Amp-Modellen und Effekten ist dieses große Angebot auch nicht verwunderlich. Auffallend beim Durchhören der Presets ist, dass der Sound nicht ganz so fett rüberkommt, die Klangqualität ist eher in der Mittelklasse angesiedelt. Je mehr Effekte im Einsatz sind, desto schwammiger wird der Klang und bei einigen Sounds ist der Prozessor auch ziemlich beschäftigt.

Wir tauchen nun etwas tiefer in das Geschehen ein und widmen uns der dynamischen Ansprache eines Amp-Modells, wofür natürlich die Nachbildungen britischer Amps aus den 1960ern eine gute Anlaufstelle sind. Ein Marshall Plexi mit mittlerem Zerrgrad ist angesagt, und im ersten Beispiel geht es um das Reaktionsverhalten bei dynamischem Anschlag, im zweiten um die Reaktion auf das Volume-Poti an der Gitarre.

Mit der Dynamik klappt es nicht ganz so wie gewünscht, der Zerrgrad lässt sich nicht so gut über den Anschlag steuern. Auch die feineren Nuancen im Anschlag werden leider nicht optimal wiedergegeben. Klar, wir haben es mit einem Multieffekt in der Preiskategorie um 400 Euro zu tun, da kann man keine Boutique-Zerre mit hochauflösendem Klang erwarten. Das Entzerren des Sounds mit dem Volume-Poti an der Gitarre klappt zumindest, aber alles in allem sind mir persönlich die Amp-Model-Sounds zu dünn, da wird es sehr eng mit der Durchsetzungskraft im Bandkontext. Vor allem in höheren Gain-Gefilden wird der Klang auch zunehmend matschig. Für den ernsthaften Einsatz auf der Bühne direkt ins Pult gespielt würde ich das GE250 eher nicht empfehlen.

Aber die Ausstattung ist schon sehr komfortabel, man hat zudem auch viele Möglichkeiten zur Feineinstellung der Amp- und Speaker-Sounds. Es gibt eine stattliche Auswahl an Speaker-Cabs, basierend auf Impulsantworten, dazu zehn Mikrofontypen, bei denen auch die virtuelle Position verändert werden kann. Hier sind ein paar Beispiele dazu.

Als Nächstes ist der Test mit einem "normalen" Gitarrenamp an der Reihe, wofür ich das GE250 mit einem clean eingestellten Sovtek MIG-50 verbunden habe, der sehr gut mit Effektpedalen harmoniert und schon sehr oft bei Tests im Einsatz war. Dazu kommt die Verbindung mit einem The Valve 3|100 (Clean Channel) über die 4-Kabel-Methode, um die Modulations- und Raum-Effekte im Effektloop des Amps zu parken.

Das funktioniert ohne Probleme, die Pegel sind gut voreingestellt und können bei Bedarf auch verändert werden. Generell hat mich aber auch in diesem Einsatzbereich die Klangqualität nicht richtig überzeugt. Die Overdrive- und Distortion-Modelle klingen etwas platt, auch hier ist die Auflösung nicht hoch, die spielerischen Feinheiten werden nicht optimal übertragen.

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