Workshop
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05.08.2015

Mixing #10 - Parameter-Automation

Notwendig: Einstellungen während des Songs verändern

Wisst ihr was? Anstatt Folge für Folge unseren Online-Mixing-Workshop durchzugehen und fleißig Misch-Erfahrungen zu sammeln, könnt ihr auch „Automation“ aktivieren und alles geht von selbst. Glaubt ihr nicht? Hm, ok, das war auch geflunkert. Ein bisschen. Ein bisschen viel sogar. Allerdings verbirgt sich hinter dem Stichwort „Automation“ tatsächlich eine große Hilfe für das Erstellen einer professionellen und modernen Mischung.

Von Geisterhand – aber nicht die komplette Mischung

Automatisch wird nicht gemischt, aber es wird durchaus etwas automatisiert. Genauer: Besonders bei der Arbeit mit DAWs und Plug-ins können sich Einstellungen wie Channel Volume von Geisterhand bewegen – allerdings nur, wenn diese Bewegungen vorher auch programmiert wurden. Es gibt zwei grundsätzliche Herangehensweisen, nämlich die Aufnahme von Parameteränderungen, während man abspielt und an den virtuellen oder echten Reglern dreht, oder aber das Einzeichnen als Kurve in die Spur der DAW. In jedem Fall entsteht eine „Gummiband“-Automationskurve, die eigentlich immer über den Regions angezeigt wird und den Wert mit der Höhe eingestellt. Bei Schaltfunktionen ist meist unten „Off“ und oben „On“.

Einstellungen laufend verändern? Ja wozu denn?

Es erscheint vielleicht merkwürdig, dass ich hier davon rede, die so sorgsam getroffenen Einstellungen einer Song-Mischung ständig wieder zu verändern. Doch die Notwendigkeit besteht häufig. So wurde schon vor der Möglichkeit zur Automation an analogen Mischpulten Hand angelegt, um Veränderungen durchzuführen, stellenweise mit allen verfügbaren Personen und einer Performance, die „every bit as much as a gig“ war, so David Gilmour in einem rückblickenden Interview über Pink-Floyd-Mischungen Anfang der 1970er. Anwendungsbeispiele gibt es zuhauf: Die Snare ist ideal laut in den Instrumentalparts, aber zusammen mit dem Gesang „zerschneidet“ sie ihn zu sehr? Dann kann sie in Strophen und Refrains ein Stück heruntergezogen werden. Die durchgeschrengelte Westerngitarre kommt sich aber mit der Sologitarre ins Gehege? Vielleicht reicht es hier, mit einem Equalizer die Präsenzen um das eine oder andere Dezibel herunterzuziehen und diesen EQ-Parameter ebenfalls zu automatisieren. Auch neben dem „Platzschaffen“ in einem Mix gibt es viele weitere Möglichkeiten, die Automation sinnvoll einzusetzen: Wenn das schöne Reverb aus der Strophe im dichteren und schnelleren Refrain zu sehr matscht, kann es abgesenkt werden oder gleich das Reverb-Tail verringert werden. Dieser eine Bassdrum Schlag, der nicht kräftig genug ist, kann hochgezogen werden, der Bass kann im großspurigen Endpart des Songs mit einem Mittenboost noch mal einen Deut Aggressivität mehr bekommen. Doch Vorsicht: Mit dem Beginn von Automationen macht ihr ein großes Fass auf – es soll nicht nur Leute geben, die sich tot-editiert haben, das gilt genauso für Automationen. Macht also irgendwann mal einen Strich drunter!

Write und Read: verständlich. Aber „Touch“?

Wo und wie die Darstellung der Automationskurven in eurer spezifischen DAW aktiviert wird, ist recht unterschiedlich, aber für gewöhnlich findet man dies in einem der Menüs zur Ansicht in der Nähe des Kanalfaders – oder beides. Eine Veränderung der Parameter mit einem Hardware-Controller macht deutlich mehr Spaß und funktioniert auch besser, als wenn mit der Maus ein Wert kontinuierlich geändert wird. Klassischerweise gibt es aber mehrere Modi, die verwirren können: Üblicherweise ist Write ein Modus, der gnadenlos Vorhandenes überschreibt, also Vorsicht damit. Praktischer ist oft Touch, denn in diesem Automationsmodus wird nur eine Veränderung geschrieben, wenn auch wirklich eine stattfindet, und dann auch ganz sicher nur für den jeweiligen Parameter, nicht für alle. Denkt aber daran, nach dem Schreiben von Automation den veränderten Kanal wieder auf Read zurückzustellen, denn sonst schreibt ihr schnell mal beim Ausprobieren irgendwelcher Werte für eine Automation, die ihr gar nicht haben wollt. Um etwaige Fehler beim Schreiben der Automation auszubügeln oder direkt grafisch mit einer „Gummiband-Automation“ zu arbeiten, benutzt ihr die Maus. Mittlerweile gibt es grandiose Möglichkeiten zum Verändern von Kurven, zum Einzeichnen bestimmter Muster –  und ihr könnt die Kurven eigentlich immer auch kopieren. Aber nicht vergessen: Die Automation muss gut klingen, nicht hübsch aussehen!

Wenn die Mischung fertig ist, fehlt ja „nur noch“ der letzte Schritt, nämlich das Rendern und eventuell das Mastering. Darum geht es in der nächsten und letzten Folge!

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