Gitarre Hersteller_Meris
Test
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04.10.2019

Praxis

Ich habe das Meris Hedra für die Beispiele im Praxisteil direkt in Stereo aufgenommen. Das Signal läuft auf zwei clean eingestellte Sovtek Amps (MIG-50H, MIG-50) die mit zwei 4x12 Cabs (Marshall, The Valve) verbunden sind. Abgenommen wird mit Neumann TLM-103 und Beyer M160. Zuerst kommt die nüchterne Bestandsaufnahme der Pitch-Shift Signale. Zuerst nur ein Zusatzton, aber ich habe mit Bendings, Slides und Fingervibrato nicht gespart, weil ich hören wollte, wie der Pitch-Shifter diese Spielereien verarbeitet. Hier ist eine Auswahl aus den möglichen Intervallen.

Der Meris Hedra reagiert erstklassig auf diese Spieltechniken und hat auch keine Probleme mit Pinch Harmonics oder Deadnotes. Auch bei langsamem Bending folgt der Ton sehr gut ohne irgendwelche Artefakte oder Aussetzer. Die Zusatztöne klingen nicht übermäßig klinisch - klar, dass bei +2 Oktaven der Sound etwas piepsig wird, aber das ist bei fast allen Pitch-Shiftern der Fall. Insofern kann der klanglichen Güte des Pitch-Shifters schon mal die Bestnote verabreicht werden. Auch bei drei Stimmen bleibt das Signal sauber und stabil. Hier ein Beispiel, bei dem ich einen Ton gespielt habe und die Terz, Quinte und Septime wurden vom Hedra geliefert. Auch Whammy-Bar-Einsätze werden sauber verarbeitet, wie man am Ende des Beispiels hören kann.

Mit dem Micro-Tune-Parameter kann der Sound der Zusatztöne leicht verstimmt werden, um einen chorusähnlichen Effekt zu erzeugen. Dabei sind die Zusatztöne auf den Wert 0 eingestellt, es wird also die gleiche Tonhöhe hinzugefügt und dann leicht verstimmt.

Jetzt kommt das Delay ins Spiel und ihr hört zuerst einmal die unterschiedlichen Modi bei gleichbleibender Einstellung. Pitch 1 und Pitch 3 sind auf 0 (Unisono) eingestellt, Pitch 2 liefert eine Quinte nach oben (+5). Die Verzögerungszeiten von Pitch 1 und Pitch 3 sind unterschiedlich justiert.

Mit den ersten drei Modes sind noch "normale" Sounds erzielbar, der Pitch-Feedback Mode ist für experimentelle Töne angesagt, hier muss man vorsichtig mit den Echowiederholungen sein, denn der Ton kann sich schnell aufschaukeln. Aber wer Krach machen möchte, für den ist dieser Modus perfekt geeignet :-).

Optimal ist es natürlich, wenn man dem Hedra primär einzelne Töne anbietet, dann ist die Tonerkennung einfacher. Aber auch bei zweistimmigen Angeboten macht das Pedal keine Zicken und liefert die entsprechenden Zusatztöne ohne Probleme. Mehr sollte man dem Gerät aber nicht zumuten, es wird auch bei drei mal drei Tönen etwas zu viel des Guten. Das Pedal reagiert erstklassig auf den Anschlag und man kann mit Palm Mute oder offenen lang klingenden Tönen sehr viel Einfluss auf den Sound nehmen, auch die dynamische Reaktion und die entsprechende Ausgabe der Töne in der eingespielten Lautstärke funktionieren sehr gut. Schnelles Picking ist ebenfalls kein Problem. Das Pedal eignet sich optimal für Musiker, die ihr Klangspektrum erweitern und etwas andere Sounds mit Gitarre, Bass oder Synth erzeugen möchten. Wer vorhat, das Pedal auf der Bühne einzusetzen, der sollte sich auf jeden Fall noch den Preset Switch (ca. 110 Euro) von Meris besorgen, denn mal eben ein gewünschtes Setting zu reproduzieren ist eine knifflige Angelegenheit. Und das ist leider auch die Schwachstelle des Hedra. Einerseits ist es schwierig, mit den Potis die Tonarten (Key) oder Tonhöhen (Pitch 1-3) mal eben schnell und genau einzustellen. Und die angezeigten Markierungen stimmen nicht immer mit den tatsächlichen Werten überein, hier würde ein Rasterpoti die Sache wesentlich vereinfachen. Ausserdem gibt es die Problematik mit der zweiten Bedienebenen, bei der an den Reglerpositionen nicht abgelesen werden kann, was gerade eingestellt ist. Hier stellt man in der Regel zur Sicherheit erst mal alles auf Null, um sich dann den gewünschten Wert zusammenzubasteln. Das alles bei gedrücktem Alt-Taster, während der Drummer den nächsten Song anzählt ... Wenn man so viele Funktionen in ein Gerät packt, kann auch die Bedienung unübersichtlich werden. Und wenn der Hersteller keine intuitive Vorgehensweise vorsieht, dann muss man sich dessen bei der Anschaffung bewusst sein. Zwar hat man die Funktionen und Einstellungen prinzipiell recht schnell verinnerlicht, aber trotzdem bleiben die fehlende Übersicht und die Fummelei mit den Reglern, die auf mich persönlich doch recht störend wirken und die es schwer machen, alles unter einen Hut zu bringen. Klanglich und ausstattungsmäßig gibt es ansonsten wirklich nichts auszusetzen. Hier noch ein paar Beispiele mit unterschiedlichen Settings, von denen ich manche mit etwas Reverb aus dem Line 6 HX Effects gewürzt habe, weil diese Sounds in der Praxis eigentlich immer mit einer guten Portion Hall ausgestattet sind. Ich selbst habe immer nur einen Ton zur gleichen Zeit gespielt, die Harmonien bzw. Arpeggios kommen vom Hedra.

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