Workshop_Folge
Workshop
3
28.08.2013

Konzept 3 - Zwischendominanten

Bisher waren wir ausschließlich über dem Akkord Dm unterwegs. Als Ausbaustufe stellen wir uns vor, wir müssten über ein Popstück solieren, das aus den Akkorden Dm7 und Gm7 besteht. Eine entsprechende Phrase könnte folgendermaßen aussehen:

Hier gibt es zunächst zahlreiche chromatische Umspielungen. Das C# am Ende des zweiten Taktes leitet schön in den Akkordwechsel hinein, da es die Quinte und damit einen wichtigen Ton des nachfolgenden Akkordes Gm7 von unten her anspielt.

Und gleich noch eine Phrase über der Akkordfolge:

Interessant ist hier zunächst, dass die ersten vier Töne eine Akkordbrechung darstellen, aber nicht etwa von Dm, sondern von Am. Dadurch erhalten wir die „jazzigen“ Noten E (None) und G (Quarte bzw. 11). Ein Arpeggio über Dm würde vergleichsweise langweilig klingen. Anschließend folgt eine chromatische Umspielung, die auf das E (2. Takt auf der 1) hinleitet. In der zweiten Hälfte des zweiten Taktes finden wir die Töne Eb, D und A. Diese stammen aus dem Akkord D7b9 (D, F#, A,C, Eb). Dieser Akkord wird hier zwar nicht gespielt, würde sich aber nach Gm auflösen, da er als Dominante von Gm fungiert. Er stellt also eine schöne Vorbereitung des Akkordwechsels dar. Das C# hat bei D7b9 natürlich nichts verloren, ist aber als chromatische Anspielung des nachfolgenden D problemlos einsetzbar.

Noch deutlicher wird der Gebrauch von Zwischendominanten im nächsten Beispiel. Hier habe ich die ergänzenden Akkorde dazugeschrieben, auch wenn sie von der Harmoniefraktion (Bass, Gitarre, linke Hand des Pianisten) an dieser Stelle gar nicht gespielt werden. Sie dienen ausschließlich dazu, den Solophrasen etwas mehr harmonischen Gehalt zu geben. In unserem Beispiel kommen viele Arpeggios vor. Im ersten Takt ein Dm9 Arpeggio, im zweiten eine Brechung des D7b9 Akkordes. Dann ein Gm-Arpeggio im dritten Takt. Im vierten Takttaucht dann nicht nur die Zwischendominate A7b9 auf, die zum Dm zurückführt, sondern auch noch das Arpeggio eines Em7b5 Akkordes (E, G, Bb), der zusammen mit dem A7b9 und dem Dm eine sogenannte Moll-Zwei-Fünf-Eins Verbindung ergibt, eine im Jazz sehr häufig vorkommende Wendung. Das Ab im vierten Takt gehört weder zum Em7b5 noch zum A7b9 - es ist wieder ein chromatischer Durchgangston.

Hier passiert also harmonisch und melodisch schon wesentlich mehr, als unser Dm-Gm Popsong eigentlich hergeben würde.

Konzept 4 - Alterierte Zwischendominanten

Als alterierten Akkord bezeichnet man einen Dominant-Sept-Akkord, bei dem sowohl die Quinte als auch die None erhöht oder vermindert sind. Eine „normale“ Quinte oder eine „normale“ None kommen nicht vor. D7 alteriert könnte also ein D7#5#9, D7b5b9, D7#5b9 oder D7b5b9 sein. Egal, welche Alterierungen man wählt, die Dominant-Funktion bleibt voll erhalten: D7alt löst sich also immer nach G (Dur oder Moll) auf.

Wir könnten also anstatt der Zwischendominanten D7b9 und A7b9 auch mit alterierten Zwischendominanten arbeiten, z.B. D7#5#9 oder A7#5b9. Dies würde noch einmal neue Möglichkeiten eröffnen, darüber interessante Improvisationslinien zu entwickeln. Um dies zu bewerkstelligen, brauchen wir nun allerdings die alterierte Skala. (Auweia, also doch!)

Die alterierte Tonleiter besteht aus den Funktionstönen (Grundton, Terz und Septime) sowie aus b5, #5, b9 und #9. Die D-alterierte Skala sähe also demnach so aus:

Sich diese Skala zu merken ist nicht einfach, deshalb nutzen wir folgenden Trick, um sie für uns zu vereinfachen: Die Tonleiter D-alteriert enthält die Töne F (bzw. Eis), Ab, Bb (bzw. A#), C und Eb, die zusammen die F Moll Pentatonik bilden. Die Bluestonleiter in F sollte ja jedem vertraut sein. Wir merken uns also folgende kleine Regel:

Über einem alterierten Akkord kann man mit der Bluestonleiter improvisieren, die auf der kleinen Terz steht.

Demzufolge könnten wir über unsere Akkordfolge Dm - D7alt – Gm - A7alt also mit vier verschiedenen Pentatoniken arbeiten:

A Moll Pentatonik über Dm
F Moll Pentatonik über Dalt.
Dm Pentatonik über Gm
Cm Pentatonik über A7alt.

Das könnte sich z. B. so anhören:

Auch hier sollte man sich ein Playback anfertigen und ein paar Stunden, Tage oder Wochen mit den vier Pentatoniken herumjammen! Ihr werdet sehen: Die Routine bringt's!

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