Hersteller_Markbass Bass
Test
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12.02.2014

Praxis

Das Markbass Mini Dist Pedal muss mit Netzteil betrieben werden. Dessen muss sich jeder bewusst sein, der es kauft. Für eine Batterie ist schlicht kein Platz vorhanden. Pedalboardbesitzern dürfte dieser Umstand egal sein, denn sie verwenden ohnehin meist eine zentrale Stromversorgung. Hier ist die Information unter Umständen wichtig, dass dieses Pedal sowohl mit 9, als auch mit 12 Volt betrieben werden kann. Ein Kopfschmerzfaktor weniger sozusagen und ein klarer Bonuspunkt.

Wie bereits erwähnt, liegen die Anschlüsse bei diesem Gerät an anderer Stelle als das bei den meisten Standard-Bodentretern der Fall ist. Das heißt, die Klinkenbuchsen für Ein- und Ausgang findet man nicht an den beiden Flanken, sondern an der Stirnseite, während die häufig dort beheimatete Buchse für den Netzadapter stattdessen an der linken Seite liegt. 

Diese Konstruktion ermöglicht den Einbau des Markbass Mini Dist in noch so abstrusen Platzmangelsituationen. Aber auch im Alleinbetrieb ist es durchaus vorteilhaft, die Kabel von hinten zu führen statt von den Seiten. Auf diese Weise verringert sich die Gefahr, bei hektischen Bühnenfehltritten die Klinken abzuknicken. Selbst, wenn das Pedal im Inneren eines Racks verschwinden soll, weil es dort eventuell nur über einen schaltbaren Einschleifweg in Betrieb genommen wird, erweist sich die Klinkenbuchsenanordnung als nützlich, weil man es mit parallel geführten Kabeln einfach leichter verstauen kann.

Wer jedoch gerne mehrere Pedale in Kette per Klinkenkupplung auf möglichst engem Raum miteinander verbindet, dem wäre eine seitliche Positionierung der Buchsen eventuell lieber. Der Anschluss des mitgelieferten Netzteils ist mit einem platzsparenden Winkelstecker versehen. Die meisten handelsüblichen Netzteile, die als 9 und 12 Volt-Version erhältlich sind, verfügen dagegen über gerade Stecker, die dann auch entsprechend unglücklich seitlich aus der Buchse herausragen.

Kommen wir aber zum Wesentlichen des Tests, dem Sound.  Vermutlich werden sich viele einen Verzerrer zulegen, weil sie einen sehr rockigen Sound wünschen, sei es begleitend oder solistisch.

Im ersten Beispiel hören wir einen klassischen Rockbass mit Plektrum, auf einem Precision gespielt. Hier gibt es drei unterschiedliche Soundeinstellungen, die gleichzeitig illustrieren, welche immensen Klangunterschiede mittels der beiden Tone-Regler möglich sind. Zum besseren Vergleich folgen die drei Einstellungen im Soundbeispiel direkt nacheinander. Die Einstellungen in der Reihenfolge sind:

1a: (Level = 6; Drive = 10; Tone 1 =   0; Tone 2 =   0)

1b: (Level = 6; Drive =   6; Tone 1 = 10; Tone 2 =   0)

1c: (Level = 6; Drive =   6; Tone 1 = 10; Tone 2 = 10)

Alle Settings machen ordentlich Dampf, allerdings vermisse ich etwas Definition im Tiefbassbereich.  Üblicherweise erhält man diese nur, wenn man die Möglichkeit hat, dem Effektsignal auch einen Anteil des trockenen, unbearbeiteten Basssignales beizufügen. Der Markbass Mini Dist Verzerrer verfügt nicht über eine solche Option, die man ohnehin nur selten bei Verzerrerpedalen findet. Man muss sich also eines Splitters oder eines parallelen Effekteinschleifweges bedienen, möchte man in den Genuss von etwas mehr „bottom end“ kommen.

Nun hören wir aufeinanderfolgend das Beispielriff einmal ohne trockenes Parallelsignal und danach mit dem trockenen Parallelsignal via Einschleifweg. Der Unterschied ist deutlich zu hören:

Die nächsten beiden Soundfiles zeigen, wie extrem variabel der Markbass Mini Dist klingen kann, wenn man mit dem Drive- und den Tonereglern experimentiert. 

Hier hören wir zunächst einen an Jack Bruce angelehnten Blueston, die 70er lassen grüßen (Level = 8; Drive = 3; Tone 1 = 10; Tone 2 = 4):

Etwas an den Reglern gedreht, ergibt sich ruckzuck eine klare Klangverschiebung in Richtung 90er Elektro (Level = 8; Drive = 10; Tone 1 =  0; Tone 2 = 10)

Um die Wirkung des Effektes aus dem spielerischen Zusammenhang zu illustrieren, habe ich folgende Basslinie im Wechsel zwischen Bypass-Signal und Effektsignal aufgenommen. Dabei hören wir zwei verschiedene Verzerrereinstellungen. Wie man bei den Einstellungen hören kann, muss man die Lautstärkeunterschiede, die sich durch den Drive Regler ergeben, mit dem Level Regler ausgleichen. Der Drive Regler verfügt über bis zu +60dB Gain Boost. Das ist natürlich vor allem interessant, wenn man gerne auch mal für ein Solo sehr drastische Lautstärkeunterschiede benötigt. 

Allerdings ist das Boostverhalten mit Vorsicht zu genießen, will man den Eingang seiner Vorstufe nicht komplett überfahren. Headroom ist sicherlich etwas, was wir gerne zur Verfügung haben, aber der immense Boost hat auch die Steigerung von Nebengeräuschen zur Folge. Im hektischen Live- bzw. Bühnenbetrieb rate ich daher, den Levelregler gut im Auge zu behalten und vor unabsichtlichem Verstellen zu schützen, denn sonst könnte man schon mal versehentlich ein Gewitter ungeahnten Ausmaßes auslösen.

Vergleich Clean- und zwei unterschiedliche Overdrive-Sounds:

1) Clean

2) Overdrive Sound 1: (Level = 7; Drive = 3; Tone 1 =   8; Tone 2 = 10)

3) Clean

4) Overdrive Sound 2: (Level = 4; Drive = 6; Tone 1 = 10; Tone 2 = 10)

5) Clean

Verwendet man den Markbass Mini Dist Verzerrer eher mit dezenten Einstellungen (Level = 8; Drive = 2; Tone 1 = 10; Tone 2 = 10), so kann man mit ihm durchaus den Sound auch in Richtung Röhrensimulation tweaken:

Zuletzt sollte ich erwähnen, dass der Markbass Mini Dist Verzerrer aufgrund seiner starken Drive/Gain-Auslegung auch über ein deutlich hörbares Grundrauschen verfügt, sofern man das einem Verzerrer ankreiden kann. Es bleibt bei der Empfehlung, den Levelregler möglichst so zu justieren, dass die Lautstärke nicht mehr als 10 bis 20% über dem Bypasslevel liegt (wenn man überhaupt boosten möchte) und man wird gut mit dem Geräuschpegel leben können. 

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