Bass Hersteller_Markbass
Test
7
13.10.2011

PRAXIS/SOUND

Der LMT 800 verfügt über ausreichend Leistungsreserven, um sich als Bassist in jeder Situation Gehör zu verschaffen, denn auch unter der Haube gibt es einen gravierenden Unterschied zum Topseller Little Mark III. Während der nämlich noch über eine Endstufe mit klassischer A/B-Technologie verfügt, kommt beim LMT 800 eine in moderner Class D Technik zum Einsatz. Vermutlich hat man sich zu dieser Variante entschieden, um den kompakten Formfaktor und das leichte Gewicht trotz der wesentlich höheren Ausgangsleistung von 750 Watt beibehalten zu können. Auf dem Papier hört sich das nach einem gewaltigen Leistungsschub an, in der Praxis ist der LMT 800 allerdings nicht so viel lauter als die 500 Watt Little Mark Modelle. Das mag zum einen an der digitalen Endstufentechnologie liegen, zum anderen ist sicherlich auch das Grundvoicing des Amps mit seinem sehr breiten und tiefen Bassbereich dafür mitverantwortlich. Schließlich werden für ein sauber abgebildetes Low-End die meisten Ressourcen benötigt. Der LMT 800 klingt aber auch in den Mitten anders als die Little Marks mit A/B-Endstufe, die tieferen Punch-Mitten bildet er milder ab, der obere Bereich um ca. 1 kHz ist dafür ultra-präsent.

Mit manchen Bässen kann das wirklich harsch klingen und ist für meinen Geschmack zu viel des Guten. Wer also damit gerechnet hat, mit dem LMT 800 einfach einen Little Mark III mit deutlich mehr Leistung und einer Röhrenpreamp-Option zu bekommen, wird vielleicht etwas enttäuscht sein, denn er klingt wirklich anders, eher wie der mittlerweile eingestellte SD800, der ja auch eine digitale Endstufe hatte. Ich kann mir aber auch bestens vorstellen, dass manch einer genau auf diesen Sound steht und dem LMT 800 mit seinem meiner Meinung nach etwas knackigeren und ausgewogeneren Klang den Vorzug vor dem LMIII gibt. Letztlich hängt die Außenwirkung immer vom Gesamtpaket ab, und dazu gehören neben den persönlichen Soundpräferenzen auch die verwendeten Instrumente, Boxen und die sonstige Peripherie. An dieser Stelle muss man deshalb auch auf den hervorragenden Markbass EQ und die wirklich sehr effektive Filter-Sektion hinweisen, die das Anpassen an die eigenen Bedürfnisse erheblich erleichtern. Beim LMT 800 musste ich für mein Soundziel die oberen Mitten mit dem EQ ein gutes Stück absenken, bei allen anderen von mir gespielten Markbass Tops komme ich aber bestens mit dem VLE und VPF als Klangregelung klar.

Der VLE arbeitet ähnlich einer passiven Tonblende und rundet, dezent eingesetzt, etwa bei zu grell klingenden neuen Saiten einen zu aufdringlichen Höhenbereich sehr geschmackvoll ab. Darüber hinaus produziert er amtliche Vintage Sounds, dreht man den Regler weit auf. Viele der „Enhance“- oder „Contour“-Features von Verstärkern anderer Hersteller sind für meinen Geschmack zu heftig. Sie senken oftmals nicht nur die Mitten ab, sondern boosten auch sehr deutlich Bass und Höhenfrequenzen und produzieren in der Folge dann einen undefinierten und nur begrenzt praxistauglichen Scoopsound. Die Arbeitsweise des VPF Filters von Markbass, der nur die Mitten senkt und nichts boostet, finde ich weitaus überzeugender. Starke Scoopsounds für Slapeinlagen oder Plektrumeinsätze kann der VPF bei vollem Einsatz auch bieten, subtil angewendet kann man damit aber sehr effektiv die Mitten steuern und dem Amp viele Klangschattierungen entlocken.

Noch mehr Soundmöglichkeiten soll beim LMT 800 die Ausstattung mit zwei Preamps bieten, weil man dadurch sowohl auf eine Solid State- als auch eine Röhrenvorstufe zugreifen kann und nicht auf ein Soundspektrum festgelegt ist. In der Praxis sind die Unterschiede zwischen beiden Varianten zwar eher subtil, aber durchaus hörbar. Der Tube Preamp bringt mehr tiefe Mitten in den Sound und klingt etwas runder, das Solid State Setting fühlt sich dynamischer an und produziert einen detailreicheren, feiner aufgelösten Sound. Ich habe ehrlich gesagt deutlichere Unterschiede zwischen den zwei Vorstufen erwartet, finde aber durchaus, dass beide sehr gut klingen und sämtliche Mischverhältnisse durchaus ihren Reiz haben. Etwas störend sind die Lautstärkeunterschiede bei verschiedenen Stellungen des Mix-Reglers. In Mittelstellung, also einer 50/50 Blende, ist der ganze Amp deutlich lauter und muss am Master-Volume nachgeregelt werden.

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