Test
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21.04.2021

Marantz MPM-4000U Test

Kondensatormikrofon mit USB-Anschluss

Podcasting leicht gemacht

Nachdem uns Marantz bereits eine Handvoll von USB-Mikrofonen beschert hat, steht nun mit dem MPM-4000U das neue Top-Modell in den Startlöchern. Seine einfache und komfortable Bedienung soll beim Produzieren von Podcasts und beim Homerecording helfen und selbstverständlich Spaß machen. Und weil dieser Anspruch zusammen mit dem Lieferumfang des Mikrofons auf einen guten Verkaufspreis trifft, dürfen wir gespannt sein, wie sich das Recording-Tool für Podcasting, Vlogging und Streaming in der Praxis schlägt.

Details & Praxis

Lieferumfang, Aufbau und Technik

Zum Lieferumfang des Marantz MPM-4000U gehört ein kleines Tripod-Tischstativ mitsamt Mikrofon-Clip und ein drei Meter langes Kabel, das den USB-C-Anschluss des Mikrofons mit der USB-A-Buchse eines Aufnahmegeräts verbindet. Außerdem ist die Recording-Software MPC Beats mit dabei. Das Mikrofon selbst überzeugt mit einem soliden Auftritt. Sein Body aus Vollmetall wurde im Druckgussverfahren hergestellt und ist deshalb frei von Nahtstellen und Graten

.Die Kapsel wird von einem Drahtgeflechtkorb geschützt, dessen klassische Form auf ein Großmembran-Mikrofon hindeutet. Aber auch wenn der Auftritt des Marantz-Mics etwas anderes verspricht und die eine oder andere Mikrofonabteilung das Mikrofon als "Großmembran" einordnet: Die im MPM-4000U verbaute Aluminium-beschichtete Membran hat einen Durchmesser von gerade einmal 14 mm und ist damit doch deutlich von den üblichen 1 Zoll(= 2,54 mm) entfernt, die für diese Kategorie typisch wäre. In der Tat ist das Mikrofon näher am Bereich typischer Kleinmembraner, die eher bei einem Membrandurchmesser von einem halben Zoll (= 1,27 cm) angesiedelt sind. Das soll uns in der Praxis nicht weiter stören, darf aber nicht unerwähnt bleiben. Eindeutiger ist da die Lage bei der Richtcharakteristik. Wie das stilisierte Polardiagramm auf der Front anzeigt, haben wir es hier mit einer klassischen Niere zu tun.

Der A/D-Wandler des integrierten Audio-Interfaces arbeitet mit einer Samplefrequenz von 48 kHz und einer Quantisierung von 16 Bit auf (niedrigem) Studio-Niveau. Ein Blick in die Unterlagen des Mikrofons verrät, dass der Hersteller den Frequenzgang des MPM-4000U mit 30 Hz bis 18 kHz angibt. Das ist für zuhause angefertigte Stimmaufnahmen und Podcasting-Zwecke selbstverständlich mehr als ausreichend. Und auch der dort genannte Grenzschalldruck von 130 dB SPL bietet genug Spielraum, damit sich Podcast-Moderatoren am Mikrofon nicht übermäßig zurückhalten müssen. Kombiniert mit der moderaten Empfindlichkeit von -32 dB verspricht das Mikrofon auf dem Papier entspanntes Arbeiten mit ausreichend Dynamik, ohne dabei zu anspruchsvoll in der Handhabung zu sein.

Handling und Anschluss

Seinen Plug-and-Play-Anspruch löst das MPM-4000U prinzipiell ein. Das Mikrofon wird einfach per USB-Kabel mit dem PC/Mac oder Android/iOS-Gerät verbunden und ist sofort betriebsbereit. Bei unserem ersten Testgerät brach die Verbindung zwischen Treiber und Mikrofon im Freeware-Programm Audacity stets nach der zweiten aufgezeichneten Mono-Spur ab. Der Vertrieb hat aber schnell und professionell reagiert und Ersatz geliefert, der dann problemlos lief. Unter Windows 10 verhielten sich dagegen beide Mikrofone vorbildlich, waren sofort einsatzbereit und blieben es dann auch.

Das Monitoring per Kopfhörer ist übrigens gut regelbar und der Headphone-Preamp ausreichend laut, um auch in mäßig geschäftigen Umgebungen noch für klanglichen Überblick sorgen zu können. Schade ist aber, dass keine Direct Monitoring-Funktion vorhanden ist. Deshalb ist das Monitoring des Mikrofonsignals selbst nur möglich, wenn die Recording-Software eine Monitoring-Funktion bietet. Das würde das Einpegeln vereinfachen, das ansonsten dank des Gain-Potis mühelos gelingt, weil es nicht nur ausreichend fein ist, sondern der interne Preamp auch enorme Reserven mitbringt.

Klang

In den ersten vier Audiobeispielen hört ihr Aufnahmen mit identischer Vorverstärkung. Der Nahbesprechungseffekt des Mikrofons ist eher gering. S-Laute sind nicht zu scharf oder überbordend. Der Klang ist insgesamt offen und detailliert, aber ausgewogen. Dabei aber in den Mitten stark genug, um Stimmen zu Durchsetzungskraft in Mixsituationen zu verhelfen. Bei mittlerer und großer Distanz der Schallquelle muss am Gain ordentlich nachgeregelt werden, weil der Pegel dann wirklich deutlich geringer ist.

Die Nierencharakteristik ist so breit aufgestellt, dass sich Sprecher/Sänger vor dem Mikrofon beinahe nach Belieben bewegen dürfen, ohne dass sich der vom Mikrofon ausgegebene Klang wesentlich ändert. Preamp-Rauschen, wie es bereits ab der 12 Uhr-Stellung des Gain-Reglers deutlich wahrnehmbar wird, ist in der ersten Hälfte des Regelwegs praktisch nicht vorhanden. Für die Aufnahme lauterer Gesangsstimmen eignet sich das Mikrofon deshalb gut.

Wird die Vorverstärkung des Mikrofons komplett reingedreht, greift das MPM-4000U auch leise Schallquellen detailliert auf. Dasselbe gilt dann aufgrund der breiten Richtcharakteristik selbstverständlich auch für die Hintergrundgeräusche. Beim Test mit einem leisen Flüstern und voll aufgedrehtem Preamp zeiget sich das ausgegebene Signal (wie in den Audiobeispielen zu hören) mit hörbaren, aber nicht überbordenden Rauschanteilen. Das spricht dafür, dass auch sehr leise Schallquellen von diesem Mikrofon gut verarbeitet werden können.

Fazit

Wer ohne externes Audio-Interface auskommen möchte und ein solide gebautes USB-Mikrofon sucht, das die Möglichkeit zum Monitoring bietet, kann ein Auge auf das Marantz MPM-4000U werfen. Seine Stärken hat das Mikrofon in der Schallwandlung von mittellauten bis lauten Schallquellen, bei denen das leichte Eigenrauschen des Preamps bei hohen Verstärkungsgraden komplett unter den Tisch fällt. Das Monitoring per Kopfhörer funktioniert zwar, ein Direct-Monitoring-Feature fehlt allerdings. Der Klang des Mikrofons ist ausgewogen und detailreich. Stimmen bekommen hier keinen fetten Broadcast-Sound, aber Präsenz. Mein Tipp ist, dass Käufer ihr Gerät frühzeitig auf Herz und Nieren testen sollten, um ein mögliches Problem nicht fälschlicherweise der Software oder einem Bedienfehler zuzuweisen.

  • PRO
  • ausgewogener und detaillierter Klang
  • Lieferumfang
  • CONTRA
  • -
  • Features & Spezifikationen
  • Membrandurchmesser: 14 mm
  • Wandlerprinzip: Backplate-Elektret-Kondensator
  • Richtcharakteristik: Niere
  • Frequenzgang: 30 Hz bis 18 kHz
  • Grenzschalldruck: 130 dB SPL @ 1% THD
  • Empfindlichkeit: -32 dB (0 dB = 1 V/Pa @ 1kHz)
  • Gewicht: 370 g
  • Preis: € 99,– (Straßenpreis am 18.4.2021)

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