Test
8
23.12.2019

Mackie ProFX10v3, ProFX12v3 und ProFX16v3 Test

Analoge Mischpulte mit USB-Schnittstelle und Effektboard

Größer, besser, günstiger

Mackie geht mit der ProFX-Serie in die dritte Runde, rüstet die Serie auf beinahe VLZ4-Niveau auf und drückt den Preis nochmal um ein paar Euros. Zusätzlich erhalten wir beim Kauf eines der Pulte Zugang zu der DAW Pro Tools First von Avid und die Tracktion Workstation Waveform OEM, beide mit reichhaltigen Plugin-Bundles im Wert von 400 USD. Die Pulte genügen dem professionellen Anspruch und bieten eine klassische analoge Verdrahtung mit Ein-Knopf-Kompressoren und teilweise parametrischen EQs. Gekrönt von der digitalen 2 x 4 USB-Schnittstelle für Aufnahmen bis zu 24 Bit / 192 kHz und dem digitalen Effektprozessor GIGFX.

Die ProFXv3-Serie hat ein neues Kanallayout bekommen, sodass wir zwischen den 6-, 10-, 12-, 16-, 22- und 30-Endern wählen können. Neu und allen gemeinsam sind die bewährten Onyx-Preamps, die bereits vor 6 Jahren Eingang in die VLZ4-Pulte gefunden haben. Die Anzahl der Effekt-Presets ist auf 24 angewachsen, und je nach Größe des Pultes arbeiten wir mit bis zu vier Subgruppen und drei Bussen. Im Test müssen sich das ProFX10v3, das ProFX12v3 und das ProFX16v3 beweisen. Wie sie abgeschnitten haben, erfahrt ihr hier.

Details

Vor vier Jahren brachte Mackie die Revision der ProFX-Serie auf den Markt. Da waren die Onyx-Mikrofon-Vorstufen noch flammneu und vorerst für Mackies analogen Klassiker VLZ vorgesehen. Nun findet der schwarze Schmuckstein Eingang in die dritte Version der ProFX-Pulte. Für Mackie ein Grund, das ganze Konzept zu überdenken und die Akzente neu zu setzen.

Die Pulte kommen in schick bedruckten Kartonagen mit jeweils dem Pult, Netzteil (bis ProFX10v3) oder Kaltgerätekabel (ab ProFX12v3), einem USB-Kabel, der Kurzanleitung in vier Sprachen und den Lizenzen für Waveform und Avid Pro Tools First. Beide Workstations kommen inklusive einer ausgewählten Plugin-Kollektion, dazu gleich mehr.

Als Transportschutz dienen Schaumstoffteile und Kunststofffolie, manche Hersteller nutzen dafür leicht verrottende Kartonteile, vielleicht demnächst auch bei Mackie eine Überlegung wert.

Der offensichtlichste Punkt ist das Fehlen des Grafik-Equalizers im Master. Dafür spielen Features wie nahezu durchgängig verbaute Ein-Knopf-Kompressoren, reichhaltiges Bus-Routing und die 2 x 4-kanalige USB-Schnittstelle mit bis zu 24 Bit und 192 kHz eine Rolle in den aufgeräumten, neuen Pulten. Folgende Pulte mit der entsprechenden Kanalzahl sind erhältlich: Mackie ProFX6v3, Mackie ProFX10v3, Mackie ProFX12v3, Mackie ProFX16v3, Mackie ProFX22v3, Mackie ProFX30v3. Für jeden etwas dabei! Repräsentativ testen wir hier den Schnitt aus allen Pulten: Mackie ProFX10v3, Mackie ProFX12v3 und Mackie ProFX16v3.

Das Design des Gehäuses geht wieder auf klare Kante und spitzen Ecken, während die Farbgebung der v2-Serie zwar ähnlich, doch um ein paar Grad frischer erscheint. Zum Beispiel sind die Mute-Taster nun groß, rund und leuchten signalrot bei Betätigung – Verfehlen unmöglich.

Größer geworden sind auch die Gehäuse, um den zusätzlichen Elementen genügend Platz zu bieten. Die Korpus-Materialien sind ein leichter Mix aus stabilen Blechen und Kunststoffseitenteilen, die bei dem ProFX12v3 und dem ProFX16v3 optional mit Rack-Blechen für den Einbau in das 19-Zoll-Case getauscht werden können. Für alle Modelle können Gigbags und passende Schutzhauben nachgekauft werden, außer für den ProFX6v3 (nur Tasche) und ProFX30v3 (nur Schutzhaube).

Kanalzüge Eingänge

Die Anzahl der Bedienelemente der Pulte wächst mit der Zahl der möglichen Kanäle. Dabei müssen wir die Eingangssektion von der Klangbearbeitung getrennt betrachten. Zwar stehen mir nur die drei oben genannten Pulte zur Verfügung, doch gebe ich hier einen Ausblick auf die ganze Serie. Beginnen wir mit den Eingängen:

Die ProFXv3 Serie hat drei Auslegungen an Monokanälen zur Auswahl, die alle mit der Onyx-Mikrofon-Vorstufe bestückt sind. Die Onyx-Preamps haben wir bereits zum Mackie 1604 VLZ4 Test detailliert besprochen. Falls Ihr nachschlagen wollt, dann folgt diesem Link und lest unter dem Stichpunkt SOUND 

Der klassische Monokanal ist mit einer XLR-Buchse für die Mikrofone, einer Klinkenbuchse (bal./unbal.) für Line-Signale und einer Insert-Buchse ausgestattet. Es folgen der 100-Hz-Trittschallfilter, Gain-Regler (Mic 0 – 60 dB / Line -20 – 40 dB) und der Ein-Knopf-Kompressor,

Die HiZ-Variation des Monokanals beherbergt eine XLR-Kombo-Buchse im Eingang und hat eine Taste für die Anwahl „HiZ“, wo sonst die Line-In-Buchse sitzt. Die Phantomspeisung wird bei allen Pulten global in der Master-Sektion betätigt, eine rote Lampe bescheinigt Aktivität.

Ab der ProFX12v3 werden die letzten Mikrofon-Kanäle mit Stereo-Line-Eingängen an zwei KIinkenbuchsen kombiniert. Die Insert-Buchse und die Ein-Knopf-Kompression fallen für diese Kanäle weg. Gain und Trittschallfilter sind für den Mic-In anwesend, greifen aber nicht in das Stereo-Line-Signal ein. Klassischerweise ist der linke Eingang auch als Mono-Eingang nutzbar (ohne Gain und Cutoff). Beide Variationen ziert eine grüne Signallampe im Mono-Eingang.

Bei allen Pulten ist der letzte Kanalzug den digitalen Einspielern als Miniklinke bzw. USB-In (Kanal 3-4) reserviert. Dieser beinhaltet einen Gain und Aux-Busse (ab ProFX12v3), Dreiband-EQ (ab ProFX10v3), FX-Regler, Mute-Taste und Volume, ggf. inklusive Ausgangsanwahl. Ausnahme hier ist das ProFX6v3, das nur über den Wahlschalter Line-In/USB und einen Kanalregler verfügt. Darüber hinaus verfügt das ProFX6v3 über einen Stereo-Line-Eingang mit doppelter Klinkenbuchse. Hier gibt es nur einen Kanalregler, aber keine Klangbearbeitung.

Der ProFX10v3 hat neben dem Miniklinkeneingang noch zwei weitere Stereo-Line-Eingänge, die mit der doppelten Klinkenbuchse ausgestattet sind. Auch hier fehlen Gain, Trittschallfilter und Ein-Knopf-Kompressor, dafür ist die Klangbearbeitung gegeben.

Kanalzüge Klangbearbeitung

Das ProFX6v3 ist der kleinste Mixer der Serie und spartanisch ausgestattet. Hier gibt es für die beiden Monokanäle nur Zweiband-EQs (80 Hz, 12 kHz/ ±15dB), je einen Schalter für das Effektboard (an, aus) und einen Schalter für das Stereo-Panning der beiden Kanäle.

Zu beachten ist, dass bis zur ProFX10v3 das Volume der Kanäle per Poti zu regeln ist und ab dem ProFX12v3 60-mm-Fader zur Verfügung stehen.

Der ProFX10v3 und ProFX12v3 besitzen für Ihre Kanäle je ein Dreiband-EQ (80 Hz, 2,5 kHz, 12 kHz / ±15 dB), FX-Regler, Panning und Mute-Taste. Der ProFX12v3 hat zusätzlich einen Aux-Bus und die Wahl am Fader für die Subgruppe 1-2, Master L-R bzw. PFL Solo.

Ab dem ProFX16v3 haben die Dreiband-EQs, bis auf den USB-Stereokanal, parametrische Mitten (100 Hz – 8 kHz). Außerdem gibt es hier drei Aux-Busse, von denen die ersten zwei Pre-Fader-verdrahtet sind und der dritte Bus von Pre- auf Post-Fader schaltbar ist. Zusätzlich gibt es nun die Ausgangsanwahl Subgruppe 3-4 an dem Kanalfader.

Die genaue Aufteilung der Kanäle und Master der kompletten Serie lässt sich auf der Produktseite des Herstellers unter „Quick Comparison“ einsehen. Für unsere drei Kandidaten stehen unsere Bilder wie folgt zur Verfügung:

Master

Analog zu den Eingängen, wächst auch die Mastersektion mit zunehmender Kanalzahl. Allen Pulten gemeinsam sind der Masterfader (ProFX6v3 und ProFX10v3 Masterpotis), eine 12-stellige LED-Kette (ProFX6v3 8-stellig), die Ausgänge als doppelte XLR- und Klinken-Buchsen (ab ProFX16v3 auf dem Rücken der Geräte), der Kopfhörerregler inklusive Klinkenausgang, eine Signallampe und die BREAK-Taste mit der roten Leuchte, die alle Kanäle im Master stummschaltet. Die Stummschaltung greift nicht auf Subgruppen und Aux-Busse.

Bei dem ProFX6v3 können wir den Hallanteil auf das Mastersignal per Regler eindrehen.

Ab der ProFX10v3 reiht sich der Lautstärkeregler des Effektboards in den Fader- respektive Rotary-Knob-Bereich ein. Wir können den FX-Bus wie einen Aux-Bus am entsprechenden Eingang abgreifen und für externe Effekte oder als Monitorweg benutzen. Zusätzlich hat Mackie hier den regelbaren Control-Room-Ausgang mit dem Stereo-Klinkenbuchsenpaar verbaut.

Bei der ProFX12v3 verfügen zusätzlich wir über einen Aux-Weg (Monitor) mit Bus-Master und einem FX-to-Bus-Regler. Den Monitor (Aux) können wir wie den FX-Send per Klinkenbuchse abholen.

Neben dem Masterfader erscheint der Fader für die Subgruppe 1-2, die an zwei Klinkenbuchsen abgegriffen werden kann. Ein Schalter routet die Subgruppe auf den Master. Die Effekte können am FX-Fader auf die Subgruppe geschaltet werden.

Ab dem ProFX16v3 ist die Mastersektion für die folgenden Modelle der Serie identisch. Drei Aux-Bus-Master, der FX-Bux-Master, die drei FX-to-Monitor-Regler, Control-Room-Regler, FX-Lautstärkefader mit den Schaltern für das Routing auf Subgruppe 1-2 und 3-4, die zwei Subgruppen-Fader 1-2 und 3-4 inklusive Schaltung auf den Masterfader. Die Ausgänge Aux 1-3, FX, Sub Out 1-4, Control Room L-R befinden sich auf der Frontplatte oben Links.

Effekte

Auch die Effektsektion, die mit allen Bedienelementen für alle Pulte der ProFXv3 Serie gleich ist, ist gegenüber der Vorgängerserie gewachsen. Wir können auf 24 Effekt-Presets zurückgreifen, die in ihren Kernparametern nicht geändert werden können.

Mit einem Encoder wählen wir zwischen elf Hallräumen, sechs Delay-Effekten, vier Modulationen, einem Overdrive, einem Auto-Wah und einer Kombination aus Delay und Hall. Die entsprechend angewählten Programme werden über eine zweistellige Segmentanzeige dargestellt. Gleich nebenan befindet sich die komplette Liste der 24 Effekte.

Per Foot Switch können wir die Effekt-Sektion aus der Ferne stummschalten oder wir nutzen die entsprechende Taste „FX-MUTE“ unter dem Encoder an den Pulten selber.

Einen guten Überblick und Einsatzzweck bietet das Online-Handbuch zur Mixerserie auf der Webseite des Herstellers (nur auf Englisch).

USB

Das USB-Interface verwaltet bei allen Pulten zwei Stereosignale in das Pult hinein und ein Stereosignal als Record Out hinaus. Das Stereosignal USB 3-4 kann auf den letzten Kanal geschaltet werden, wogegen USB 1-2 nur auf den Control Room oder Kopfhörerausgang gelegt werden kann. Um das einkommende Signal mit den am Pult anliegenden Eingängen abzugleichen, gibt es einen „Blend“-Regler in der Master-Sektion aller Pulte. Die Low-Latency-Variante als Hardwarelösung.

Auf diese Weise können wir Overdubs oder gar vorgefertigte Rhythmusspuren fahren, ohne dass diese in der nachliegenden Aufnahme mitgenommen werden. Die Schnittstelle unterstützt eine Auflösung von bis zu 24 Bit / 192 kHz.

Software

Im Lieferumfang inbegriffen sind die Lizenzen bzw. Downloadcodes für AVID Pro Tools First und Tracktion Waveform OEM. Beide DAWs sind abgespeckte Versionen der jeweiligen Vollversionen und kommen jeweils mit einem dickem Plugin-Bundle ins Haus.

Für Pro Tools First, dessen Sessions auch in einer Cloud verwaltet werden können, erhalten wir 22 sehr gute Plugins plus das 304E EQ / 304C Compressor Bundle, welches alleine 270 Euro wert ist. AVID Pro Tools gilt als der Industriestandard, zwar ist die First Version mit 16 möglichen Audiospuren sehr sparsam unterwegs, doch ist der Workflow bei Pro Tools bislang ungeschlagen. Eine gute Gelegenheit, diese DAW mit entsprechenden Plugins ordentlich durchzuchecken.

Waveform OEM hat ein paar mehr Features als das frei erhältliche Waveform T7. Hier können wir Audio- und MIDI-Spuren öffnen, soviel unser Prozessor hergibt und das auch mit einem Linux-System unter Ubuntu 16.04 (64 Bit). Natürlich fehlen etliche Features gegenüber der Vollversion, dafür gibt es die DAW Essential Collection mit 16 Plugins im Wert von 160 Euro mit dazu.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare