Hersteller_Mackie
Test
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03.11.2017

Praxis

Handling

Die Handhabung der beiden Audio-Interfaces Mackie Onyx Artist 1.2 und Producer 2.2. gefällt mir gut. Die schon angesprochenen Gummistreifen sind top und sorgen für einen sicheren Stand der Geräte. An dieser Stelle nicht zu sparen, war eine weise Entscheidung des Herstellers. Auch die Gummierung der Potiknöpfe von Gain- und Headphone-Reglern kann gefallen. Außerdem sorgen die nicht zu knausrig angebrachten LEDs auf der Vorderseite für beste Info. Nicht nur die Aktivitäts-LED für die USB-Verbindung, sondern auch die Übersteuerungsanzeigen neben den Gain-Reglern sorgen für reibungslose Arbeitsabläufe. Bei der Producer-Variante zeigt eine weitere LED die MIDI-Aktivität an. Noch dazu werden die Tastschalter für Phantomspeisung, Instrumenteneingang und Direct Monitoring bei ihrer Aktivierung von innen wunderbar hell beleuchtet. Für all diese kleinen Punkte gibt es von mir ein „Daumen hoch“. Und wo wir schon bei den Kleinigkeiten sind: Das beiliegende USB-Kabel ist 1,50 m lang, so dass das Audio-Interface weder zuhause noch unterwegs direkt neben oder auf einem Rechner platziert werden muss.

Anschlusszeit

Bei erfolgreichem Anschluss des Audio-Interfaces per USB-Verbindung leuchtet sofort die USB-LED auf. Doch vor den Einsatz hat der Mackie-Gott zunächst die Installation des Gerätetreibers gesetzt. Der Treiber wird universell für sämtliche Mackie Audio-Interfaces zur Verfügung gestellt und kann kostenlos auf der Online-Produktseite gedownloadet werden. Nach seiner Installation folgt noch ein PC-Neustart und schon sind die Audio-Interfaces einsatzbereit. Eine tolle Sache ist, dass die Treiber-Software eine leicht verständliche Benutzeroberfläche hat, über die sämtliche Parameter eingestellt werden können, die für die Kommunikation zwischen USB-Interface und Rechner/DAW-Software nötig sind.

Pegelsache

Etwas gewöhnungsbedürftig ist allerdings das Regelverhalten des Mic-Gain-Potis. Während über weite Wege der Drehbewegung nur sehr allmähliche Pegeländerungen stattfinden, sorgen die letzten 5% des Regelwegs für eine brachiale Anhebung des Signalpegels. Gerade dieser Bereich stellte sich im Praxis-Check aber als „kriegsentscheidend“ für das Einpegeln der Mikrofone heraus. Somit ist Fingespitzengefühl gefragt, wenn das Audio-Interface das Mic-Signal mit einem brauchbaren Nutzpegel ausgeben soll.

Zum Glück gibt es ja für die Eingangskanäle eine Signal/Over-LED, die beim Einpegeln helfen soll. Auch hier sind alle LEDs hervorragend beleuchtet, so dass sie selbst in hellen Räumen optimal ablesbar sind. Schließe ich ein Mikrofon an, sollte ich den Gain-Regler aufdrehen, bis die LED grün leuchtet, um einen verwendbaren Arbeitspegel zu erzielen. Ist der Pegel dagegen zu hoch, macht die LED mit rotem Leuchten darauf aufmerksam. So sollen Signalverzerrungen vermieden werden. Soviel zur Theorie… denn die Zuverlässigkeit dieser Clip-LED kann mich nicht überzeugen. Warum das der Fall ist, möchte ich anhand zweier Mikrofontests demonstrieren.

Zunächst teste ich den Mikrofoneingang mit einem Shure SM58. Bei geringerer bis mittlerer Signalverstärkung ist der Preamp rauscharm und der umgesetzte Klang wirkt „rund“ und „warm“. Aufgrund der Nahbesprechung des Mikrofons erscheint der Sound in meinen Ohren sogar schon beinahe dumpf. Das Signal weist im Test mit gesprochener Sprache aus geringer Distanz Pegelspitzen auf, die etwa um -18dBFS liegen. Damit das Mikrofonsignal gut zu verwenden ist, würde ich persönlich es in der DAW nochmals um 9 dB verstärken wollen, um es auf einen geeigneten Arbeitspegel zu hieven.

Dann höre ich mir dasselbe Mikrofon noch bei maximal möglicher Signalverstärkung an, die laut Signal/Over-LED des Geräts noch verzerrungsfrei möglich sein sollte. Die Pegelspitzen liegen in diesem Fall um -7dBFS, sodass eine weitere Anpassung nicht nötig ist. Wenngleich mir die Signal/Over-Warnleuchte im wahrsten Sinne des Wortes „grünes Licht“ gibt, klingt das Mikrofonsignal in meinen Ohren allerdings angezerrt. Zugleich ist das Rauschverhalten der Preamps in jedem Fall vorbildlich. Dennoch kann mich der Preamp beim Einsatz eines dynamischen Mikrofons nicht so recht überzeugen.

Wechseln wir also zu einem Kondensatormikrofon, das seine Phantomspannung über das Audio-Interface bezieht. Auch beim Test mit einem Brauner Phantom klingt das Signal satt, sauber und rauscharm, hat eine gute Dynamik und wirkt selbst mit diesem brillant klingenden Mikrofon vergleichsweise „warm“. Doch auch hier fällt mir auf, dass das Signal bei hoher Vorverstärkung selbst dann zerrt, wenn die Signal-LED mich noch im sicheren Bereich wähnt. Dieselbe Erfahrung mache ich bei beiden Interfaces auch mit Gitarren- und Line-Signalen. Hier sollte der Hersteller also unbedingt nachjustieren.

Und außerdem…

Beim Thema „Bus-powered“ denkt der eine oder andere eventuell noch immer an fehlende Phantomspeisung, schwachbrüstige Preamps und einen allzu geringen Pegel des Kopfhörerausgangs. Dass das heute nicht mehr der Fall sein muss, beweisen diese Onyx-Interfaces. Denn mit Blick auf die Ausgänge gefällt mir nicht nur die getrennte Regelung von Kopfhörer- und Monitorausgang. Vielmehr ist der Headphone-Output für ein USB-powered Audio-Interface deutlich kräftiger als erwartet. Auch die Line Outs stehen ihm in Nichts nach und lassen sich durch den etwas größeren Poti-Knopf des Monitor-Regelers vergleichsweise fein justieren. Das ist natürlich wunderbar für ein differenziertes Laustprecher-Monitoring. Außerdem können Eingangssignal und wiedergegebenes DAW-Signal beim Producer 2.2 per Mix-Regler übergeblendet werden. Die Extrempositionen des Reglers sind allerdings nicht gleichbedeutend mit einem 100%-Anteil der einen und einem 0%-Anteil der anderen Signalquelle. Vielmehr bleibt der jeweils ausgeblendete Kanal auch in dieser Poti-Position noch mit leisem, dumpfen Sound zu hören. Es ist schwer zu sagen, ob das beabsichtigt ist…

Ach, und den Synthesizer-, Keyboard- und Controller-Fans unter euch sei noch gesagt, dass die MIDI-Anbindung beim Onyx Producer 2.2 kinderleicht und reibungslos klappt.

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