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28.10.2019

Mackie DRM212-P

Passive PA-Box

Keine Frage: Mackie geht bei der DRM-Serie „all in“. Die aktiven Modelle umfassen drei Topteile, ein Line-Array-Top und einen System-Bass. Jetzt legt Mackie nach und bietet von jeder aktiven DRM-Box alternativ noch eine passive Variante. Stellt sich die Frage, wie die passiven Systeme ohne das ausgeklügelte DRM-Aktivmodul performen?

Durch den Verzicht auf das Aktivmodul sind die Boxen natürlich deutlich günstiger. Auf den ersten Blick. Nicht wenige moderne Passivboxen benötigen einen Systemverstärker desselben Herstellers. Das soll bei der DRM-Serie nicht der Fall sein. Wer dennoch gerne alles aus einer Hand hat, für den bietet Mackie zudem passende Endstufen und einen Systemcontroller an. Schauen wir uns die Boxen genauer an.

Details

Die DRM212-P sind trotz ihrer 12/1,4 Zoll Bestückung das kleinste Modell innerhalb der Serie. Wer es gerne größer mag, für den hat Mackie noch die DRM215-P mit 15 Zoll Tieftöner im Programm. Die DRM315-P ist eine 3-Wege Box (15/6/1,4 Zoll), während das Line-Array-Modul DRM12-P (12/3x1 Zoll) für größerer Aufgaben gedacht ist. Entsprechende Tieftonunterstützung erhalten die DRM-Topteile durch den DRM18S-P Systembass, einen Bassreflex-Subwoofer, bestückt mit einem 18 Zoll Treiber. Zurück zu unserer Teststellung. Die DRM212-P vereint den 12 Zoll Ferritlautsprecher mit einem 1,4 Zoll Kompressionstreiber, der auf ein Kunststoffhorn mit 90° x 60° Abstrahlung arbeitet.

Das Anschlussfeld aus Metall beherbergt zwei parallel geschaltete Neutrik Speakon-Buchsen. Problematisch finde ich den Umstand, dass weder Angaben zur Nennimpedanz noch zur Belastbarkeit auf dem Anschlussfeld aufgedruckt sind. 

Durch den Schalengriff auf der Gehäuseoberseite lässt sich die 19 kg schwere Box einfach von der Umverpackung befreien. Auf einer Gehäuseseite ist noch ein zweiter Schalengriff integriert. Stichwort Gehäuse: Die penibel verarbeiteten Holzgehäuse aus Multiplex sind mit schwarzem Strukturlack überzogen und verfügen über eine eingebaute 50 Grad Monitorschräge. Daher können die Kandidaten auch als Bodenmonitore zum Einsatz kommen. Für den Ritt auf einer Distanzstange wurde den Tops ein Dual-Flansch eingebaut, der den Anwendern zwei unterschiedliche Aufstellwinkel zur Verfügung stellt.

Wer hoch hinaus will, für den hat Mackie gleich eine Reihe an Montagepunkten in die Gehäusen integriert. Damit ist ein sicherer Flugbetrieb mittels Ringösen (optional erhältlich) gegeben, zumal die Montagepunkte innerhalb der Gehäuse mit zusätzlichen Metallwinkeln ausgestattet sind. Es sind diese kleinen Details, die den Gesamteindruck positiv verstärken.

Um die Lackierung im Monitorbetrieb zu schützen, wurden auf der Schrägseite zusätzliche Gummikufen angebracht. Diese verhindern zudem ein Verrutschen der Box auf dem Bühnenboden. Weitere Gummifüße sind auf der Unterseite der Box zu finden, somit darf man sie ohne Weiteres auf einem Bass oder auf der Bühne positionieren, ohne dass sie eine unfreiwillig Rutschpartie hinlegt. Sparsam ist allerdings der Lieferumfang. Neben der Box sind nur die obligatorischen Sicherheitshinweise im Karton. Aber was zählt, sind die inneren Werte. Ein Blick ins Gehäuse birgt die eine oder andere Überraschung.

Lightshow aus vollen Rohren!

Mit einem Blick auf die technischen Daten wird klar, dass die DRM212-P für eine 12 Zoll Box erstaunlich tief spielen soll. Das erklären das vergleichsweise große Gehäusevolumen und die ungewöhnlichen langen Ports, die man entdeckt, wenn man die Box aufschraubt. Ebenfalls ungewöhnlich ist der verbaute Hochtonschutz. Anstatt eines PTC-Schutzwiderstandes wird der DRM-Hochtöner mit Hilfe von zwei Soffittenlampen vor einer Überlast geschützt. Das Funktionsprinzip ist simpel: Wird der zugeführte Strom zu hoch, vergrößert sich der Innenwiderstand der Soffitten. Erhöht sich der Strom noch weiter, beginnen die Soffitten zu leuchten. Das zu starke Signal aus den Endstufen wird schlichtweg in Wärme/Licht umgewandelt. Das Aufflackern der Soffitten erkennt man durch ein Aufleuchten, sichtbar durch die Reflexports.

Merke: Spätestens, wenn die Box eine sporadische Lightshow fährt, ist es an der Zeit, den Pegel zu reduzieren. Erhöht man den Pegel stattdessen, ist irgendwann Feierabend mit der Show. Die Soffitten brennen durch und schützen dadurch (hoffentlich) die Schwingspule der Hochtöners vor einer Überlast. Neue Soffitten kosten definitiv weniger als eine neue Schwingspule. Brennen die Soffitten durch, bleibt nur die Box aufzuschrauben und die Soffitten zu ersetzten. Daher immer stets auf die Lightshow achten.

Diese Art von Hochtonschutz ist einfach, aber effektiv. Trotzdem werden Soffittenlampen heutzutage eher selten verwendet. Jedenfalls lässt sich festhalten, dass die Frequenzweiche sauber aufgebaut ist. Der Hochtöner wird übrigens mit zwei 18 dB Filtern abgeschwächt, damit er in einem passenden Verhältnis zum verbauten 12 Zoll Treiber arbeitet.

Mehr Kontrolle?

Wer hohe Maßstäbe an die Betriebssicherheit und die Klangoption stellt, für den hat Mackie den optionalen „Mackie SP260 Controller“. Der 19 Zoll/1 HE Digitalcontroller bietet einen noch besseren Schutz der Boxen und vor allem die Möglichkeit, über Crossover und EQ-Punkte bei Bedarf das Setup klanglich auf unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten einzurichten.

Vorbildlich: Passende Controller-Presets für die DRM-Serie stehen als kostenloser Download auf der Mackie Website bereit. Ein Vorteil eines passiven Setups ist, dass man die einzelnen Bestandteile nach und nach dazukaufen kann. Wer sich bereits mit den Boxen und Endstufen eingedeckt hat, könnte als nächstes über den SP260 nachdenken, um das Beste aus den Komponenten herauszuholen.

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