Hersteller_Lewitt_Microphones
Test
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09.06.2017

Praxis

Modern – in zweierlei Hinsicht

Anstatt den tausendsten Abklatsch der klassischen Mikrofone zu liefern, geht Lewitt beim Design seiner Mikros einen recht eigenständigen Weg, da macht auch das LCT 440 Pure keine Ausnahme. Die nächste Verwandtschaft besteht sicher zum C414 samt Erbfolge der Österreicher von AKG. Es ist „modern“, das kann man mögen oder auch nicht. Modern ist auch der Grundklang des Kondensatormikrofons, wer warme, wollige und samtige Nuancen sucht, der steht bei diesem Lewitt leider in der falschen Schlange: Frisch, klar und detailreich werden Signale wiedergegeben, aber immer ohne Bissigkeit und Schärfe. Kantige, gehypte Höhen, die man aufgrund des kratzigen oder reibenden Charakters sofort mit dem Equalizer in die Schranken weisen will, liefert das Mikro glücklicherweise nicht. Vielmehr bietet es ausreichend Futter für die ausführliche und auch problemlos tiefgreifende Bearbeitung nach Wunsch. Nicht nur Stimmen, auch Instrumente können davon profitieren. In gleichem Maße gilt das auch für den Bass. Tendenziell schlank, ist er konkret und deutlich, neigt nicht zum Schwimmen. Für ein Mikrofon dieser Preisklasse bleibt ein Wort dazu zu sagen: Bravo! Darüber hinaus ist das Mikrofon auch subjektiv rauscharm, das Rauschen ist feinkörnig und ohne Bestandteile, die beim Hochziehen durch den Kompressor schnell störend wirken könnten. Und auch die Arbeit mit günstigen und weniger hochwertigen Preamps gelingt dem Lewitt ganz ordentlich.

Pattern in den Höhen recht eng

Die Optimierung des Klangs erfolgt bei so gut wie jedem Mikrofon für die Hauptaufsprechrichtung. Für das Recording in akustisch nicht sonderlich optimalen Bedingungen, wie es im Homerecording oft geschieht, ist es dabei durchaus praktikabel, dass die Höhenwiedergabe bei seitlich eintreffendem Schall ein wenig „mau“ ist, ein Gesangskünstler sollte aber über eine nicht allzu schlechte Mikrofondisziplin verfügen, um keine Klangfarbenänderungen in den Höhen zu generieren. Dafür ist der Nahbesprechungseffekt sehr sanft steuerbar. Ein mittlerer Abstand steht dem Mikrofon bei Vocal-Recordings aber meist am besten. Bei seitlichem und rückseitigem Schall ist zwar durchaus Höhenarmut zu erwarten, aber kein Phasenlagen-/Frequenzgangchaos – das ist positiv bei der Aufnahme von etwas größeren Klangkörpern und dem Bleeding fremder Signale in das Mikrofon. 

Spinne und Poppschutz: naja

Nicht irrsinnig begeistert bin ich von der Funktionalität dessen, was das Mikrofon umgibt: Die elastische Halterung konnte im Vergleich zu manchen anderen den Einfluss von Trittschall etwas weniger verringern, Metallblech-Poppschutze stehen den Stoff-Varianten in Bezug auf ihre Funktionalität meist etwas nach, da ist auch der stylische (und zugegebenermaßen sehr praktische) Lewitt-Schutz keine Ausnahme. Nun: Das Budget wird das Stück Metall nicht über die Maßen belastet haben.

Puristisches Mikrofon

Einfach ein Mikrofon, das auf die wesentlichen Bestandteile reduziert ist: Das ist das LCT 440 Pure. Der Namenszusatz macht also definitiv Sinn. Wie Neumann mit dem TLM 102, wird fast jeder Euro in die Grundbestandteile gesteckt – mit Ausnahme des Beiwerks Spinne und Poppschutz. Insofern ist es eine deutliche Konkurrenz zu den beiden anderen Preis-Leistungsbrechern auf dem Markt, dem Aston Origin (mit Hochpass und Filter) sowie dem sE Electronics X1 S (mit zwei Hochpass-Stufen und 10 oder 20 dB Pad). Dass das Lewitt hundert Euro mehr kostet als das SE, das schlägt sich tatsächlich etwas im Klangbild nieder. 

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