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16.10.2017

KV331 Audio Synthmaster 2.8 Test

Software-Synthesizer

Eierlegende Synthese Wollmilchsau

Der türkische Software-Hersteller KV331 hat mit Synthmaster 2.8 einen Software-Klangerzeuger entwickelt, der viele Syntheseformen in einem Plug-in vereint. Der Synth gilt daher als echter Allrounder in Sachen Klangsynthese und hält sich seit geraumer Zeit in vielen Top-10-Listen.

Das Update auf Version 2.8 enthält Neuerungen der Synth Engine, wie Filter-Nachbildungen beliebter Hardwaregeräte à la Moog, TB-303, Oberheim und Korg. Arpeggiator und die LFOs wurden erweitert und das Interface rundum erneuert. Hinzu kommt eine übersichtlichere Modulationsmatrix inklusive einem Drag-and-Drop-Feature, das die Programmierung erleichtern soll.

Details

Kompatibilität und Verfügbarkeit

Das Plug-in läuft auf macOS 10.6 oder neuer und Windows ab 7 als VST-, AU- und AAX-Plug-in, jeweils in 32 und 64 Bit. Synthmaster gibt es auf der Hersteller-Website in folgenden Varianten: 

  • Player: inkl. 1.250 Factory-Presets (29 US-Dollar)
  • Factory: 1.250 Factory-Presets (99 US-Dollar)
  • Academic: Factory Pack für Studenten (59 US-Dollar)
  • Standard Bundle: inkl. 1.100 Presets und 150 Expansion-Presets (129 US-Dollar) 
  • Everything Bundle: inkl. 1.250 Presets inkl. aller 1.750 Expansion Presets (379 US-Dollar) 

KV331 bietet eine Demoversion, in der alle 60 Sekunden der Output stummgeschaltet wird und das Abspeichern von Presets nicht möglich ist. Darüber hinaus gibt es eine iOS-App für iPhone und iPad.

Syntheseformen

Synthmaster ist ein 64-stimmiger, semi-modularer Software-Synthesizer, der folgende Syntheseformen in einem Klangerzeuger vereint: 

  • Virtuell Analog (Subtractive)
  • Additive
  • Wavetable
  • Wavescanning
  • Phasenmodulation
  • Frequenzmodulation
  • Amplitudenmodulation
  • Pulsbreitenmodulation
  • Ringmodulation
  • Physical Modeling
  • Sample-basierte Synthese

Die Syntheseformen können in zwei Layern kombiniert werden, welche jeweils zwei Oszillatoren bereithalten. Dabei kann jeder Oszillator eine andere Syntheseform bedienen. Hinzu kommen Analog Modeling sowie digitale Filter, von denen ebenfalls zwei pro Layer verfügbar sind. In jedem Layer stehen zudem ein Arpeggiator, 4 Modulatoren (zum Modulieren von Frequenz, Amplitude, Pulsbreite und Phase), vier ADSR Envelopes, 2 Multistage Envelopes, zwei 2D Envelopes, zwei LFOs und vier Keyscalers bereit. Hinzu kommen elf Effekte pro Layer und eine flexible Modulationsmatrix mit 95 Modulationsquellen und über 650 Modulationszielen – die Möglichkeiten sind nahezu unendlich! 

Was gibt’s Neues?

Neu hinzugekommen sind vier Filter, welche die Charaktereigenschaften von bekannten Hardware-Klassikern nachbilden: Ladder (Moog), State Variable (Oberheim SEM), Bite (Korg MS20) und Diode Ladder (Roland TB-303). Die Filter-Sektion ist mit einem Acid-Button ausgestattet, der das Koppeln von Filter- und Resonanz-Regler erlaubt, wodurch die Resonanz in den tiefen Frequenzen reduziert und in den Höhen aufgedreht wird – sauber zirpende Acid-Filter-Lines sind somit beinahe automatisch möglich. Die LFOs erhalten einen neuen Dual-Modus, der zwei Schwingungsformen mischt, was für abstraktere Modulationen sorgt. Damit sich mit dem Arpeggiator auch Drumkits programmieren lassen, erhält dieser einen extra Drum Kit Modus. Synthmaster kann von nun an Multidimensional Polyphonic Expression Steuerdaten verarbeiten, wie sie beispielsweise vom ROLI Seaboard Rise gesendet werden.

Bedienoberfläche

Auch das GUI wurde einem Facelift unterzogen. Im Vergleich zur Bedienoberfläche der ersten Version, die optisch noch an analoge Synths angelehnt war, präsentiert sich das neue Design in modernem Gewand. Die Parameter der Module, wie Filter, Matrix, Envelopes und Arpeggiator, wurden mit grafischen Visualisierungen ergänzt, was durchaus seine Vorteile hat. Beispielsweise lässt sich eine Hüllkurve, deren Verlauf visuell dargestellt wird, präzise formen und durch die Grafik kontrollieren. Auf den ersten Blick wirkt das Interface jedoch unaufgeräumter. Und auch beim zweiten Hinsehen muss ich feststellen, dass die übersichtliche Singlescreen-Oberfläche durch eine verschachtelte Menüführung ersetzt wurde, schade. Wenn man sich mal Macheten-mäßig durch den Synthmaster-Jungle gekämpft hat, kommt man aber schnell zurecht.

In der Layer-Ansicht ist das Interface in vier Sektionen unterteilt: Oben links befindet sich das Layer-Routing, in dem sich einzelne Sektionen des Synths hinzuschalten und im Signalfluss tauschen lassen, etwa die Effekte. Weiterhin sind hier Arpeggiator und Effekte platziert, die sich einzeln anwählen lassen. Direkt darunter sind die beiden Oszillatoren inklusive der vier Modulatoren. Auf der rechten Seite sind die Filter- und Envelope-Module untergebracht. Besonders schick sind hier die Multistage Envelopes, welche wesentlich mehr Ankerpunkte besitzen, als man es von einer gewöhnlichen ADSR-Kurve gewohnt ist. Der Klangverlauf kann dadurch mehrmals ansteigen und wieder abfallen. Zudem lassen sich die Verläufe loopen, was bewegliche Hüllkurven erlaubt, deren Sound sich entsprechend endlos moduliert. Über den vier Sektionen wird das Interface in weitere Ansichten gewechselt: So gelangt man zu den LFOs, dem Preset-Browser, den Global-FX und den Presets. Im rechten Viertel der Bedienoberfläche sind Matrix und globale Settings des Synths untergebracht, die in jeder Ansicht immer erreichbar sind.

Browser

Der Soundbrowser ist sehr übersichtlich gestaltet und in die Kategorien Instrument-Type, Attributes, Music Style und Author gegliedert, wodurch man recht schnell passende Klänge findet; eine Suchfunktion kann die Soundsuche nochmals beschleunigen. Neben den lokal gespeicherten Patches kann man auf Online-Sounds zugreifen. Das Laden eines Online-Patchs dauert zwar ein wenig länger, funktioniert aber problemlos.

Effekte

Jedes Layer verfügt über Distortion, LoFi, Ensemble, Phaser und EQ. Global kommen Vocoder, Chorus, Tremolo und Reverb hinzu, um den Gesamtsound nochmals zu bearbeiten. Schade ist, dass sich die Layer nicht an separate Ausgänge leiten lassen, um sie mit Effekten aus der DAW zu veredeln. Klanglich können mich die internen Effekte nämlich leider nicht überzeugen.

Arpeggiator

Der Arpeggiator dient nicht nur als Spielhilfe, sondern kann auch hervorragend genutzt werden, um aufwendige Sequenzen zu programmieren. Er besitzt eine Pianorolle, kann bis zu 32 Steps abspielen und erlaubt sogar das Programmieren von Triolen. Neben den typischen Up- und Down-Mustern triggert er auch Chords und ist mit einer praktischen Record-Funktion ausgestattet, die alle einkommenden MIDI-Noten als Sequence aufzeichnet – praktisch! Der additive Oszillator erlaubt das Laden von Samples (auch eigene). Damit sich diese auch im Arpeggiator programmieren lassen, wurde der neue Drum Kit Mode hinzugefügt. Die Zuweisung von Drums und MIDI-Noten erfolgt in einem Textfile, der sich im Synthmaster-Ordner auf der Festplatte befindet. Um die Zuweisung zu ändern, muss man daher das Textfile umschreiben – umständlich gelöst. Darüber hinaus ist der Arpeggiator mit einer MIDI-Import-Funktion ausgerüstet und hat bereits allerlei vorgefertigte Sequenzen an Bord. Hinzu kommen Slide und Hold für die Steps, was das Programmieren 303-ähnlicher Slide-Muster erlaubt.

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