Hersteller_Korg
Test
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16.12.2020

Praxis

Die Bedienung des Korg Opsix Synthesizers

Schaltet man den Opsix ein, kann man sofort loslegen, ohne ein Manual gesehen zu haben. Nachdem man ein paar Presets gespielt hat, wird man sich unweigerlich dem Operator-Mixer widmen und die Schieberegler (42 mm) ausprobieren. An dieser Stelle wird der Opsix seinem Anspruch gerecht, dem Anwender einen einfachen Zugang zur Klangbearbeitung zu schaffen. Die Arbeitsweise der Fader wird alleine durch Trial und Error schon verständlich. Toll ist die unterschiedliche Farbgebung, die wirklich den nötigen Überblick darüber verschafft, welcher Fader was bewirken könnte. Das ist absolut gelungen und vorbildlich. Bedenken muss man natürlich, dass die Faderposition nicht der Einstellung des gerade gespielten Programms entspricht, denn es sind keine Motofader, die alle Program-relevanten Einstellungen übernehmen. Wer Klanglotto spielen möchte, der drückt auf die Würfeltaste und lässt sich ein Zufallsergebnis auswürfeln. Dabei kann man einschränken, was man zufällig verändern möchte und was nicht. Nette Funktion, ich überlasse die Beurteilung hier jedem selbst, ob das Ergebnis zufriedenstellend ist, oder nicht.

Selbst wenn die restlichen Funktionsebenen sehr logisch aufgebaut und die Untermenüs nicht zu kompliziert sind (max. sechs Parameter gleichzeitig), so wird man nicht darum herumkommen, das Manual ausgiebig zu konsultieren. Auch sollte man sich ein wenig mit der FM-Synthese beschäftigen, sollten da keine Vorkenntnisse vorhanden sein. Das gilt u. a. für die Wirkung der Tonhöhe der einzelnen Operatoren, besonders dann, wenn sie als Modulatoren fungieren. Leider war man nicht konsequent genug, die sechs Regler mit wechselnder Belegung direkt ans Display zu positionieren, was die Übersicht deutlich erhöht hätte (das macht ASM beim Hydrasynth besser). Aber trotzdem, es ist gerade bei der etwas komplexen FM-Synthese gut, sechs zusammenhängende Parameter gleichzeitig „im Griff“ und in der Übersicht zu haben.

Das Display ist scharf und aus verschiedenen Winkeln gut ablesbar. Trotzdem, Auflösung und Größe könnten gerade bei einem etwas komplexeren Synthesizer schon etwas höher sein. Insofern sehe ich die Bedienung ein wenig ambivalent. Einerseits absolut intuitiv und schnell, andererseits kommt man bei detaillierter Programmierung um ein Parameter-Diving nicht herum. Hat man das Prinzip verstanden, dann wird man mit der Funktionsaufteilung gut zurechtkommen. Also Bedienung insgesamt: Daumen hoch!

Eigene User-Operatoren bauen

Wem die 40 Operatoren nicht reichen, der kann sich im User-Operatoren-Menü eigene Strukturen aufbauen. Somit passt auch das Attribut „Altered FM“. Dafür steht eine 6x6-Matrix zur Verfügung, die man beliebig füllen kann. Irgendwie kommt dabei das Display an seine Grenzen. 

Die Tastatur

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Und damit sind wir bei der Tastatur angelangt, die ich in mehrfacher Hinsicht kritisieren möchte: Der Umfang ist mit 37 Tasten in Normalgrüße bei 32-stimmiger Polyphonie eindeutig zu gering. Qualitativ muss ich diese leider in den Bereich „Klacker“-Tastatur einordnen, da sie viel zu leichtgängig ist und bei jedem Anschlag klappert. Das mag für die ein Manko sein, die sich dem Opsix als Keyboard-Spieler nähern. Für andere, die eher aus dem Bereich des Sounddesigns kommen, mag das eventuell nicht so ins Gewicht fallen. Gerade hier fällt der fehlende Aftertouch ins Gewicht, der gerade bei der Vielzahl an Modulationsmöglichkeiten schmerzlich vermisst wird.

Klar, es lässt sich eine 88er-Tastatur mit allem Schnickschnack anschließen, aber wäre dann nicht eine tastaturlose Version konsequenter (und preiswerter) gewesen? Vielleicht dann mit berührungsempfindlichen Pads wie beim Hydrasynth? So lässt Korg die Flanken offen für berechtigte Kritik. Ebenfalls aus Platzgründen erfolgte die Platzierung der Mod- und Pitch Wheel-Spielhilfen nicht neben, sondern über der Tastatur. Dort sind diese aus meiner Sicht nicht optimal erreichbar. Zudem kommt man sich da fast mit linker und rechter Hand ins Gehege.

Polyphonie

Im Bereich der Polyphonie stehen im Opsix 32 Stimmen zur Verfügung, bei manchen Presets sind es 24. Da der Opsix nicht multitimbral ist, möchte ich das als ausreichend bezeichnen. Schaltet man beim Spielen ein Program um, dann klingen die mit dem vorherigen Preset gespielten Töne noch in Ruhe aus, der Klangwechsel ist angenehm fließend.

Kein Keyboard-Split?

Trotz seiner vielen Stimmen (max. 32) ist der Opsix nicht polytimbral. Man kann also eigentlich keine zwei oder mehr Klangfarben gleichzeitig spielen? Nicht ganz! Es ist möglich, einen Keyboard-Split einzurichten, der links und rechts zwei unterschiedliche Klangfarben erzeugt. Dies lässt sich über eine extreme Einstellung des Keyboardtrackings erreichen. Dazu wählen wir einen Algorithmus mit mindestens zwei Carriern, deren Sound von den Modulatoren unterschiedlich gestaltet wird. Schließlich blenden wir den einen Carrier per Keyboardtracking unterhalb und den anderen oberhalb eines beliebigen Splitpunkts aus – und zwar ohne Crossfading. Fertig ist der Splitsound. Das kann man sich sogar beim Sequenzer zu Nutze machen. Dabei spielt man links eine Akkordfolge in den Sequenzer und kann dann mit rechts ein Solo dazuspielen. Allerdings ist dabei der geringe Umfang von 37 Tasten etwas „hinderlich“.

Subharmonics

Das Zusammenwirken von Coarse und Transpose (Halbtonschritte) ermöglicht auch den Aufbau von subharmonischen Strukturen. Dazu wählen wir einen Algorithmus, bei dem alle Operatoren Carrier sind. Mit 6 Operatoren lässt sich die Reihe bis zum 5. Unterton aufbauen. Da bekommt ja selbst das Moog Subharmonicon kalte Füße! Das könnte man bei Korg noch als weitere „Klangform“ mit in das Portfolio des Opsix übernehmen.

Sequenzer/Arpeggiator

Der Sequenzer hat mich positiv überrascht, selbst, wenn die 16 Steps ein wenig mager erscheinen. Toll ist die Möglichkeit, ein Pattern transponieren zu können. Dies macht die geringe Step-Zahl ein wenig wett. Ebenso ungewöhnlich für einen Sequenzer im Synth ist die Auflösung im Echtzeit-Modus. Die Nachbearbeitung ist bereits sehr umfangreich (Quantisierung, Swing) und kann Step-by-Step erfolgen. Für interessante Ergebnisse sorgen da u. a. die unterschiedlichen Abspielrichtungen. Vielleicht sind die Nachbearbeitungsmöglichkeiten des Sequenzers bei einem solchen Synthesizer bereits schon fast „too much“. Insgesamt ist dies schon fast komplizierter als die FM-Engine selbst. Auch hier kommt - bei der Darstellung der Steps - das Display an seine Grenzen. Die Sequenzen werden nicht separat gespeichert, sondern immer mit dem Klangprogramm. Das führt dazu, dass sich beim Preset-Wechsel das Pattern ändert. Wäre vielleicht eine Update-Idee, ein Pattern auf Knopfdruck „stehen lassen“ zu können.

Wie klingt der Korg Opsix?

Der Sound des Korg Opsix ist offensichtlich: Es sind FM-Sounds mit ihrem typischen Klangcharakter, die sich deutlich von denen eines analogen Synthesizers unterscheiden: Scharfe und knackige Bässe, metallische und glockenartige Sounds, FM-Pads, Brass, Orgeln, E-Pianos aber auch eine Vielzahl von Effektklängen. FM klingt zugleich recht kühl und digital, womit der Korg Opsix eine ideale klangliche Ergänzung darstellt, wenn man bereits analoges bzw. virtuell-analoges Equipment sein eigen nennt.

Der Grundsound ist sehr crisp und im Bassbereich so fett, dass selbst die EDM-Fraktion zufrieden sein wird. Dazu lassen sich die Operatoren ziemlich tief bis in den LFO-Bereich herunterstimmen. Geht man über die Pitch-Page, sind die Operatoren nicht nur oktavweise nach unten stimmbar, es lassen sich auch Subharmonische dazu nehmen. Dank der Vielzahl der Modulationsmöglichkeiten liegen seine Stärken zudem bei Klangfarben, die sich entwickeln, oder schon Pattern-artig aufgebaut sind. Wer in Nostalgie schwelgen möchte, der lädt sich die alten Yamaha DX7-Sounds via SysEx in den Opsix. Speicherplatz ist ausreichend vorhanden.

Spielt man mit dem Gedanken die sechs Operatoren als VA-Oszillatoren zu nutzen (z. B. alle OPs als Carrier), diese mit Sägezahnschwingungen zu belegen und ein wenig gegeneinander zu verstimmen, wird man nicht ganz zufrieden sein. FM bleibt irgendwie FM. Dafür sollte man dann doch eher (virtuell) analoge Synthesizer verwenden. Die mitgelieferten Werkssounds haben mich nicht überzeugt. Das wird wahrscheinlich weder den konservativen Keyboardspieler noch den Elektronik-Nerd befriedigen. Irgendwie sind mir da auch viel zu viele Effektklänge dabei. Ich bin sicher, der Opsix kann viel, viel mehr, als man da zeigt. Und obwohl die zusätzlichen Synthesevarianten FM sehr ähnlich sind, erweitern diese das klangliche Potential des Korg Opsix doch ausgesprochen positiv.

Audiobeispiele zu Korg Opsix

Korg Opsix Sound Demo (no talking)

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