Hersteller_Korg
Test
5
01.06.2012

PRAXIS

Playaround

Als Nächstes schnappe ich mir einen House-Loop und lade einen Morphing-Filter. Einen Klangverbieger auszuwählen ist kein Problem. Entweder schrittweise (+/-) oder im Eiltempo (Slider).Mit dem Touchpad kann ich den X-Faktor „Cutoff“ in der Horizontalen, den Y-Parameter „Resonanz“ in der Vertikalen dirigieren. Die Auflösung in beide Richtungen beträgt sechzehn Schritte, womit sich also insgesamt deutlich mehr Parameterkombinationen als zuvor ergeben. Abgefeuert wird temporär, will heißen: solange der Finger auf dem Pad ruht, ist der Effekt aktiv. Lasse ich los, ertönt wieder das Originalsignal. Mittels Hold-Button wird der Sound gehalten, was eine kleine rote LED veranschaulicht. Hinsichtlich der Sensitivität des berührungsempfindlichen Feldes ist mir aufgefallen, dass der Touch-Sensor nun deutlich besser reagiert, als beim Vorgängermodell. Leichteres Wischen hat nun in der Regel keine Wertesprünge mehr zur Folge, was zartfühligeren Naturen entgegenkommt und „Deejay Rustikalus“ nicht stören wird. Verzichten müssen wir weiterhin auf ein visuelles Feedback des Pads, was aber in Anbetracht der Größe und des Mobilitätsfaktors Batteriestrom für mich verständlich ist.

Das Mischungsverhältnis über den Touchslider zu steuern ist an sich keine schlechte Idee, wenngleich ich eher ein Freund von Drehreglern bin. Doch muss ich dem Ribbon zugutehalten, dass er prozentgenau agiert, was ziemlich präzise ist. Ferner lassen sich interessante Effekte per Fingerjump erzielen. Also indem ich zum Beispiel ausgehend von Plus (setz FX auf 100 Prozent) oder Minus (null Prozent Effektanteil) ein schalterhaftes Einpunchen unterschiedlicher Werte erziele. Einziger Wermutstropfen: Nach einiger Zeit schaltet das Pad vom Dry/Wet-Modus in den Auswahlmodus, was sich für mich als hinderlich erweist, wenn ich mit einem FX länger arbeiten will. Das geschieht auch von anderen Stellen aus. Bitte unbedingt mit einem Firmware-Update ändern.

Da einige Deejays (der Autor eingeschlossen) im Laufe der Zeit ein gewisses Fable für bestimmte Effektarten entwickeln, erfreut es besonders, das sich die drei Lieblingsprogramme zum direkten Aufrufen auf den Crossfader legen lassen und so ohne langes Hangeln durch das Gesamtangebot sekundenschnell einsatzbereit sind.

Am Clubmixer betrieben fällt mir auf, dass das Handling, wenn das FX-Pad neben dem Pult liegt, aufgrund des Höhenunterschiedes suboptimal ist. Bei meinem ehrwürdigen DJM-600 besteht zwar die Möglichkeit, den Testkandidaten oben rechts auf die Master-LEDs zu legen, allerdings ist das bei neueren Geräten, wie dem DJM-850 oder dem Denon X1600 kaum möglich, ohne elementare Features (Display, etc..) zu verdecken – wenn es denn überhaupt passt. Also doch in der Hand halten, aber auf die Kabel achten. Apropos Kabel:

Bestimmt stellt nicht jeder Club passende Adapterkabel zur Verbindung mit dem Miniklinken-Buchsen des Pads bereit. Daher solltet ihr gleich ein paar Adapter oder die entsprechenden Kabel für den Send und Return am Mixer in die Gigbag packen. Außerdem sind die Miniklinken meiner Meinung nach nicht gerade die kontaktsicherste Lösung.

By the way: Vorhören, wie bei meinem Kaoss-Pad-Quad, geht aufgrund eines fehlenden zweiten Signalweges nicht. Dass finde ich schon etwas schade.  

Klangverwurstungsmaschinerie

Sämtliche Effekte an dieser Stelle zu beschreiben, würde sicherlich den Rahmen dieses Artikels sprengen. Erwähnung finden sollte jedoch, dass der User auf insgesamt 100 Programme zurückgreifen kann, die teilweise auch im KP3 zu finden sind und dass mit Looper, Vinyl Break und Ducking Compressor auch drei neue Vertreter an Bord sind, die das KP-QUAD beigesteuert hat. Die einzelnen Algorithmen sind in acht übergeordnete Kategorien gemäß nachstehender Auflistung zusammengefasst. Die Klammern geben Aufschluss über die Anzahl der zugehörigen Programme.  

Filter (15)

Modulation (15)

LFO (20)

Delay (10)

Reverb (5)

Looper (20)

Vocoder (5)

Synthesizer (10)

Zur Kategorie Filter gehören Filter und Isolatoren zum Extrahieren oder Unterdrücken gezielter Frequenzbereiche. Neben Standards, wie Hochpass, Tiefpass oder Bandpass und Isolatoren für Mitten, Höhen und Bässe hat Korg einige interessante Kombinationen, etwa mit Delay oder Distorsion integriert. Die Audiodatei enthält: 04-72dB-LPF, 07-Mid-Cut, 09-Dist-Isolator, 11-Radiofilter, 13-Reverb-Filter, 14-LPF-Delay.

Die Modulationseffekte belegen Platz 16-30. Hier finden wir Ringmodulatoren, Pitch-Shifter, Bitcrusher und Konsorten. Die Audiodatei enthält: 16-Vinylbreak, 17-Break-Reverb, 19-Manual-Phaser, 20-Talk-Filter, 22-Ducking-Comp, 25-Decimator, 27-Bass-Distorsion.

Die nächsten Plätze auf der Tribüne kommen den LFO-FX zu. Klassiker sind sicherlich wobbelnde Filter, Flanger und Pans, aber auch granulare FX und Slicer sind hier gekonnt kombiniert und in Szene gesetzt. Die Audiodatei enthält: 31-LPF, 33-Inf-Filter, 34-Jag-Filter, 38-Infinite-Flanger, 49-Mix-Grain, 50-Beat-Grain

Es folgen klassische, spacige, tape-ige, und dubbige Solo- und Multi-Delays sowie fünf unterschiedliche Reverbs. Die Audiodatei enthält: 52-Smooth-Delay, 54-Multitap-Delay, 56-Tape-Echo, 63-Spring-Reverb, 64-Pump-Reverb, 65-Freeze-Reverb

Satte fünfzehn Looper-Programme samplen Audio in den Puffer und zerhacken diesen auf unterschiedliche Art und Weise. Die Audiodatei enthält: 68-LPF-Looper, 70-Iso-Loooper, 72-Phaser-Looper, 76-RW-Delay-Looper

Zu guter Letzt geben sich noch fünf Vocoder und 10 Synthiesounds die Ehre, wobei wir eine kleine Auswahl stellvertretend für euch aufgezeichnet haben. Die Audiodatei enthält: 88-Chord-Vocoder, 89-Lofi-Vocoder, 92-Pump-Noise, 93-Bubble-SE, 94-Electric-Perc, 96-Kaoos-Drone, 99-Metallic-Synth.

Als Bonbon spendiert Korg noch eine FX Release-Funktion, die für einen sanfteren Ausklang beim Verlassen des aktuellen Effektes sorgt, indem ein abschwellendes Delay zugefügt wird. An sich keine schlechte Sache, denn so vermeidet der DJ ein abruptes Abbrechen des FX-Signals. Allerdings wirkt es auf Dauer schon etwas eintönig, sollte der Protagonist auf die Idee kommen, jede Parameterfahrt schlussendlich mit einer Fahne ausklingen zu lassen. Aber wer FX gelegentlich und wohldosiert einsetzt, kann sicherlich auch ab und an einen Release-Effekt einstreuen.

Play, Pitch, Bend

Der Audioplayer unterstützt Wave-Dateien mit bis zu 16 Bit und 44,1/48 kHz sowie mp3-Files konstanter und variabler Bitrate mit 128, 196, 256 oder 320 kbps. Titel werden als Dateiname angezeigt, mp3-Tags werden aktuell nicht ausgelesen. Was die gemäßigte Lautstärke angeht, hat er sich wohl den EU-Richtlinien zu unterwerfen, aber er klingt gut und ziemlich druckvoll. Zum Schnellstart oder Stutter an einer bestimmten Position im Titel dient ein Cue-Punkt. Dieser kann durch Anfahren der Stelle mittels Eingaberegler und anschließendes Tippen auf Minus deklariert werden. Er lässt sich danach über die Plus-Taste triggern. Es bedarf aber schon einiger Geduld, den Marker mittels Spulfunktion akkurat zu positionieren, wenngleich dies natürlich auch von der Länge des Musikstückes/Loops abhängig ist. Dennoch, mein Fall ist es nicht. Zudem vernahm ich jedes Mal einen kurzen Audioaussetzer beim Erstellen eines Cuepoints.

Um das Tempo eines Songs anzupassen, schalte ich in den Pitchmode, wo die Geschwindigkeit via Slider in 1-BPM-Schtitten justiert werden darf. Die Plus/Minus-Taster dienen als Pitchbend und schubsen den Track durch kurzzeitiges Anheben oder Absenken von +/-5% in den Gleichschritt mit einem zweiten Titel. Zum Beispiel von PC, CD, Turntable oder iPad. Oder auch von einem zweiten mini Kaoss Pad 2. Pad-DJ, ick hör dir trapsen.

Das integrierte Tempozählwerk jedenfalls ist in der Lage, die Beats per Minute eines mp3 Tracks abhängig vom Pitch zu updaten, oder ein anliegendes Signal einzumessen, wobei Beachtung finden sollte, dass das Zählwerk sich auf 80-160 BPM spezialisiert hat. Im Test mit Traktor und Live stellte sich jedoch schnell heraus, dass der Beatcounter in seiner Einschätzung ziemlich wankelmütig ist (so um die 0,5 BPM in beide Richtungen), bei Breaks oder starker Instrumentierung auch schon mal aus dem Konzept kommt. Ich fand es für mich persönlich besser, die Beats als Synchronisationsgrundlage für zeitkritische FX durch taktgenaues Klopfen auf den Tap-Button einzugeben. Eine weitere Option, so das Tempo bekannt ist, wäre mit dem Slider einzustellen. Aber da hat wohl jeder seine eigene Philosophie.

Recording

Wer sich jetzt gefragt hat, wie man die Lautstärke der Eingangssignale einpegelt oder das Verhältnis vom mp3-Player zum Main-Output, wird in Anbetracht der übersichtlichen Anzahl an Bedienelemente sicherlich nicht erstaunt sein, dass dies über Tastenkombinationen erfolgen muss. Bedeutet: Der Output wird regulär über die Volume-Tasten gesteuert, der Audioplayer, indem dabei die mp3-Taste niedergedrückt wird, der Input-Level, indem Mikrofon und Lautstärketasten simultan bedient werden. Das ist zu Beginn ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber es funktioniert. Kommt ihr bei einer Aufnahme ins Clipping, zeigt der Screen nach einer Over-Warnung die Lettern „CLIP“ an.

Die Recording-Funktion ist nur verfügbar, wenn ihr noch ausreichend Saft auf dem Pad habt. Mittels MIC-On lassen sich Gesangsdarbietungen, Raps oder Umgebungsgeräusche über das integrierte Mikrofon aufzeichnen, Live verwursten oder on-the-fly, zum Beispiel unter Verwendung des Loopers, kurze Phrasen einfangen. Alternativ könnt ihr eure spontanen Eingebungen mit dem Master-Recorder aufzeichnen, der sie dann in einen Unterordner MINIKP2/Record auf dem Stick speichert. Grundsätzlich keine schlechte Sache, wenn euch während der Performance, im Stadtpark oder auf dem Weg zum Gig was Cooles einfällt oder eine besonders markante Stimme auf dem Sitzplatz nebenan den Zeigefinger in der Tasche zucken lässt. Aber freut euch nicht zu früh, denn qualitative Quantensprünge könnt ihr hier nicht erwarten. Für mich persönlich ist das Mikrofon ein Schwachpunkt beim mKP2 sodass ich es eher sporadisch für spontane Quickies oder zum Festhalten von Ideen einsetzen würde. Bei Aktivierung wird der Lautsprecher zur Vermeidung von Rückkopplungen ausgeschaltet, der Kopfhörersound bleibt erhalten.

Beim Master-Recording zeichnet ihr den Audioplayer, Line-Input und FX-Tweaks als Wave-Datei auf. Dazu nachstehend einige Hörbeispiele. Persönlich hätte ich nichts dagegen, wenn in einer zukünftigen Revision eine Parameterdatei von Benutzereingaben auf die Karte geschrieben würde, um diese in einer Performance automatisch abrufen zu können, vielleicht sogar im Austausch mit einem Software-Plugin für den PC oder einer App. Eine Umsetzung des Konzeptes auf das ebenfalls touch-sensitive iPhone/Pad, sollte unter Verwendung eines kleinen Aufsteckmodules oder auch eines Studio In/Out-Docks durchaus machbar sein.

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