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Test
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13.05.2015

Korg KRONOS 2015 Test

Synthesizer-Workstation

Never change a winning team

Der Korg KRONOS gilt unter Keyboardern seit Jahren als eine der Synthesizer-Workstations schlechthin. Nun ist mit der Version KRONOS 2015 die mittlerweile dritte Generation des hochgelobten und äußerst erfolgreichen Instruments auf den Markt gekommen. Mit weiteren Verbesserungen und neuen Features gegenüber den Vorgängermodellen wollen die Japaner ihr Flaggschiff auf den neuesten Stand bringen und ihre Führungsposition im Bereich der Synthesizer-Workstations gegenüber der Konkurrenz ausbauen.

Details

Konzept

Vergleicht man den neuen KRONOS 2015 mit seinem Vorgänger KRONOS X, stellt man fest, dass sich am Konzept und der Hardware wenig geändert hat. Im KRONOS 2015 arbeiten weiterhin neun autonome Soundengines. Von akustischen Klaviersounds (SGX-2), Rhodes-/Wurlitzer-Sounds mit eigenen Inserteffekten (EP-1), der Emulation einer Hammondorgel mit zugehörigem Rotor-Kabinett (CX-3), über den Sampler/Sample-Player HD-1, dem virtuell-analogen Synthesizermodul AL-1, dem MOD7 für digitale Synthie-Sounds à la FM und Waveshaping bis hin zur Physical Modeling Engine STR-1 zur realistischen Nachbildung von Saiteninstrumenten und den Emulationen der Korg-Synthesizer-Klassiker MS-20EX und PolysixEX haben sich alle Varianten der Klangerzeugung versammelt. Hinzu gesellen sich eine leistungsfähige Effektengine mit 197 Effekttypen für 2 Master-, 2 Total- und 12 Insert-FX-Slots, ein unabhängiger Drum-Track mit 718 Presets sowie der komplexe KARMA-Arpeggiator. Zum Festhalten und Ausarbeiten musikalischer Ideen dienen ein MIDI- und ein Audio-Sequencer mit jeweils 16 Spuren. All dies findet auf einer 62 GB SSD-Platte sowie in einem 2 GB großen PCM-RAM-Speicher Platz. Im Rahmen des Updates hätte man letzterem durchaus etwas mehr Speicher spendieren können. Dafür kann man den KRONOS 2015 bei Bedarf mit einer zweiten SSD-Platte erweitern. Bedient wird die Workstation über einen 8“-Farbtouchscreen sowie eine Vielzahl von Tastern und Realtime-Controllern in Form von Knobs, Switches, Fadern, Joysticks und einem Ribbon-Controller. 

Anschlüsse

Für die Kommunikation mit der Außenwelt verfügt der neue KRONOS über eine Vielzahl analoger und digitaler Anschlussmöglichkeiten. Neben einem Stereo-Main-Output (2x Klinke) gibt es vier Einzelausgänge, einen S/PDIF-Digitalausgang und einen Kopfhöreranschluss. Eingangsseitig ist der KRONOS 2015 mit einem Stereoeingang (2x Klinke, Mic/Line umschaltbar) und einem S/PDIF-Input ausgestattet. Alle analogen Audio-Ein- und Ausgänge sind symmetrisch ausgeführt. Hinzu kommen Anschlüsse für drei Pedale (Sustain mit Halbpedalunterstützung, zuweisbarer Fußtaster, zuweisbares Control-Pedal), MIDI In/Out/Thru und eine USB-Buchse, über die der KRONOS auch als Audiointerface arbeiten kann. Für USB-Speichermedien gibt es zwei weitere USB-Ports. Somit bleiben hier keine Wünsche offen. 

Tastatur

Der KRONOS 2015 wird wie seine Vorgänger in drei Tastatur-Varianten angeboten. Die 61er-Variante spricht mit ihrer Plastiktastatur eher die Synthiefreaks an, während die beiden anderen Modelle mit 73 bzw. 88 gewichteten Tasten an pianistische Spieler adressiert sind. Die zum Einsatz kommende RH-3 Tastatur (Real Weighted Hammer Action) lässt sich sehr ausgewogen spielen. Sie bietet genug Widerstand für pianistisches Spiel, ist aber auch leichtgängig genug für schnelle Synthesizer-Läufe und Orgel-Glissandi.

Unterschiede zum Vorgänger

Aber natürlich gibt es auch ein paar Unterschiede zum Vorgänger. Neben einigen optischen Veränderungen wartet der KRONOS 2015 auf der Hardware-Seite mit einer neuen Drag-Funktion des Farb-Touchscreens auf. Das Betriebssystem liegt in der neuen Version 3.0.2 vor und bietet neben einem größeren Display-Zeichensatz nun auch eine Audio-Level-Anzeige für Oszillatoren, Timbres, Tracks und Effekte. Der beliebte Setlist-Modus wurde überarbeitet und es ist jetzt auch möglich, Programs direkt aus einer Combination bzw. einem Song heraus zu editieren. Zudem ermöglicht die neue FIND-Funktion das schnelle Auffinden von Programs und Combinations.

Die Piano-Engine SGX-1 wurde durch die neue Version SGX-2 inklusive dem neuen Berlin-Grand ersetzt und der Speicher wurde mit den Sounds der EXs-18-Expansion und dem KRS-07 Sound Pack 3.0 bestückt. Besitzer der früheren Modelle KRONOS und KRONOS X können ihr Instrument ebenfalls mit der aktuellen Software und den neuen Sounds nachrüsten.

Falls ihr euch neu mit dem Thema „KRONOS“ beschäftigt, möchte ich euch an dieser Stelle zunächst die Lektüre der Tests über den Ur-KRONOS und seinen Nachfolger KRONOS X ans Herz legen, weil beim aktuellen Modell technisch sonst alles beim Alten geblieben ist und wir uns gleich mit den neuen Details des KRONOS 2015 beschäftigen.

Neuer Look

Schon beim Auspacken hatte ich den „Will-Ich-Haben“-Gedanken. Die neuen Echtholz-Seitenteile verleihen dem Instrument ein edles Erscheinungsbild. Der Aufbau des Bedienfelds ist mit dem des KRONOS/KRONOS X identisch. Ein neuer Schriftfont für die Gehäusebeschriftung lässt das Instrument moderner und frischer erscheinen. Im Gegensatz zu den Vorgängern besteht der obere Abschluss des Gehäuses nun aus einer Lochplatte, so dass zusätzlich Wärme entweichen kann. Daher springt der Lüfter nicht so schnell an. Während der Testphase habe ich das laute Lüftergeräusch nur beim Hochfahren des Instruments, aber nicht beim Spielen wahrgenommen. Somit wäre ein Minuspunkt, den wir beim KRONOS X bemängelt haben, schon mal beseitigt. Wo wir gerade dabei sind: Die Ladezeit beim Hochfahren des Instrumentes hat sich mittlerweile von 2:15 min beim KRONOS X auf 1:38 min verkürzt. Das ist schon eine erhebliche Verbesserung, aber bei einem Stromausfall auf der Bühne leider immer noch eine kleine Ewigkeit. Deshalb, liebe Korg-Programmierer: dranbleiben!

SGX-2 Piano Engine

Die in den Vorgängermodellen zum Einsatz kommende Piano Engine SGX-1 wurde durch die neue, überarbeitete Version SGX-2 ersetzt. Sie soll eine noch nuancenreichere, naturgetreuere und authentischer Konzertflügeldarbietung gewährleisten. Geblieben sind die beiden Flügel-Samples German und Japanese Grand sowie die optionale Erweiterung durch das Austrian Grand, das auf der Korg-Website erhältlich ist. Ebenso unverändert sind die vielfältigen Editiermöglichkeiten – von der Öffnung des Deckels über Hüllkurvenparameter bis hin zur Lautstärke der Pedal- und Mechanikgeräusche.

Neu hinzugekommen ist das Berlin Grand mit einem resonanten und offenen Klang. Jede Taste dieses Flügels wurde in Stereo gesampelt und wird dank SSD-Platte loopfrei abgespielt. Erstmals setzt sich der Klaviersound nun aus 12 Velocity-Stufen zusammen. Zum Vergleich: Die beiden anderen Pianos liegen „nur“ in 8 Velocity-Stufen vor. Zusätzlich verfügt das Berlin Grand über Una Corda-Samples. Als Una Corda bezeichnet man am Klavier das Spiel mit dem Soft Pedal. Dabei wird die komplette Klaviermechanik so verschoben, dass die Hämmer jeweils nur eine Saite eines Tons anschlagen. Der Klang wird dadurch leiser, dumpfer und weicher. Hat man beim KRONOS gerade kein zusätzliches Soft-Pedal zur Hand, kann man diese Funktion selbstverständlich auch einem anderen Taster zuweisen. Leider müssen die beiden anderen Klaviere auf diese Funktion verzichten.

Ein weiteres neues Feature der SGX-2 ist die Sympathetic String Resonance-Funktion. Sie simuliert die bei einem Flügel auftretenden komplexen Saitenresonanzen. Beim KRONOS kann man diese Resonanzen dem Klaviersound in einem Wertebereich von 0 bis 100 stufenlos beimischen. Sehr schön ist, dass das nicht nur beim Berlin Grand, sondern auch bei den anderen beiden Pianos geht. Mit der neuen Piano Engine SGX-2 hat Korg also noch mal einen oben drauf gelegt und die Authentizität in Bezug auf Klang und Spielgefühl noch einmal erhöht.

Neue Sounds

Apropos Klang: Um soundtechnisch am Puls der Zeit zu bleiben, wurde auch der Soundvorrat des KRONOS mit der EX Collection EXs18 und dem KRS 07 Sound Pack 3.0 aufgefüllt. Die EXs18-Erweiterung liefert einige neue Bläser-, Streicher- und Chor-Samples, die zusammen mit dem Berlin Grand vom KRS 07 Sound Pack 3.0 zu 256 neuen Programs, 32 zusätzlichen Combinations, 13 Wavesequenzen und einer Setliste verarbeitet werden.

Setlist-Modus

Die neue Betriebssystemversion 3.0.2 verfügt hauptsächlich über Neuerungen, die den Praxisalltag und den Arbeitsablauf verbessern. Neben einem größeren Displayzeichensatz zur besseren Lesbarkeit gibt es jetzt Audio-Level-Anzeigen zur verbesserten Signalkontrolle über Oszillatoren, Timbres, Tracks und Effekte sowie eine erweiterte Unterstützung von nicht-temperierten Stimmungen. Auch dem Setlist-Modus wurden ein paar neue Features gegönnt. So ist es jetzt möglich, einen Setlisten-Eintrag farblich zu markieren, um so bestimmte Sounds, Instrumente oder Stilistiken zu kennzeichnen. Dies sorgt auf der Bühne für mehr Übersichtlichkeit und ein schnelleres Auffinden des richtigen Sounds, wenn mal nicht strikt nach der Setliste gespielt wird.

Zusätzlich gibt es auch einen Vollbild-Texteditor, mit dem man sich jetzt im Klartext für jeden Setlistenplatz wichtige Notizen zum Song (Text, Chords, Ablauf, Breaks usw.) oder zu den Sounds (Controller usw.) machen kann. Das verringert die „Vergesslichkeit“ auf der Bühne und sorgt für mehr Sicherheit während der Performance. Die Eingabe kann auch ganz bequem über eine angeschlossene USB-Tastatur erfolgen. Je nach Umfang der Notizen im Texteditor können entweder 16, 8 oder 4 Setlistenplätze auf einer Displayseite angezeigt werden.

 

FIND-Funktion

Zum schnellen Auffinden von Programs oder Combinations bekommt man Unterstützung von der neuen FIND-Funktion. Durch einen Druck auf das Icon mit der Lupe öffnet sich eine Suchmaske, in der man das gewünschte Suchwort (z.B. einen Songnamen oder Instrument) eintippen kann. Dieses kann dabei auch nur ein Wortteil eines Programs oder einer Combination sein. Nach einem Druck auf „FIND“ zeigt der KRONOS zwar die Gesamtzahl der Treffer an, jedoch nur ein Ergebnis gleichzeitig. Mit „Next“ und „Previous“ steppt man sich dann einzeln durch die Ergebnisse. Hier wäre vor allem bei vielen Treffern eine Listenanzeige zum schnelleren Durchscrollen bequemer. Dennoch funktioniert die FIND-Funktion prima und man kann sehr schnell einen bestimmten Sound aufstöbern.

PROGRAM-EDIT in Combinations und Songs

Wollte man bisher in einem Song oder einer Combination ein verwendetes Program editieren, musste man erst in den Program-Mode wechseln, das Program anwählen, es bearbeiten und abspeichern, dann zum Song bzw. der Combination zurückwechseln, das Program austauschen und dann den Song bzw. die Combination speichern. Eine umständliche Prozedur, vor allem wenn es bei einer Probe oder auf der Bühne schnell gehen muss. Beim neuen KRONOS-System kann man jetzt direkt aus einer Combi oder einem Song heraus in den Program-Edit-Mode wechseln. Hat man die Veränderungen vorgenommen, kann man von dort heraus das Program speichern und automatisch in den Combi-Mode zurück wechseln. Das geht jetzt viel schneller und bequemer und beschleunigt den Arbeitsablauf.

Wie bei einem Instrument von der bisherigen Qualität und Reife des Ur-KRONOS bzw. KRONOS X zu erwarten war, sind die neuen Features im KRONOS 2015 keine revolutionären Erneuerungen, sondern tragen vielmehr zur Produktpflege und Verbesserung des Instruments bei. 

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