Gitarre
Test
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22.08.2017

Praxis

Sound

Der Blue Note ist ein wahrer Kraftzwerg. Mit seinen 30 Watt Endstufenleistung reicht es nicht nur locker fürs Proben, sondern auch für Top 40 Gigs. Wird mehr Schalldruck gebraucht, sollte man eine Zusatzbox verwenden - mehr braucht es nicht. Der Blue Note kann aber nicht nur laut abrocken, sondern auch leise. Im Gegensatz zu den meisten klassischen Röhrencombos bekommt man hier sogar bei gemäßigter Zimmerlautstärke erstaunliche gute Rocksounds hin. Dementsprechend haben wir es bei ihm also auch mit einen erstklassigen Übungsamp zu tun.

Obwohl sich gewisse klangliche Parallelen zu Fender erkennen lassen, hat man zu knallige Höhenanteile gekonnt umschifft. Vielmehr erinnert der cleane Kanal fast schon an eine Zwischenform von Fender und Vox. Klar und ausdrucksstark bringt der Amp einen angenehm brillanten und leicht schmatzenden Ton, genau so, wie es sein sollte, und klingt bereits hier sehr ausgewogen und lebendig.

Wenn man den Gain-Regler nun etwas mehr aufdreht, zeigt der Verstärker, dass er eben kein Fender-Klon ist. Neben impulstreuen Bässen und beseelte Mitten sind die Höhen im Vergleich zu Klassikern wie dem Fender Twin einfach zu süß. Hier tendiert der Ton eher in Richtung einer Mischform aus AC30 und Fender Bassman. Ein idealer Ton für Blueser und Sounds im Stil von John Mayer .

Obwohl es für meinen Geschmack schon fast zu viel des Guten ist, habe ich den Gain-Regler für ein weiteres Soundbeispiel auf 15 Uhr gedreht. Hier komprimiert der Amp wegen der höheren Sättigung naturgemäß deutlich stärker als bei cleaneren Settings. Gleichzeitig kommen weitere Obertöne ins Spiel. Die Bässe habe ich wegen der 1 x 12 Bestückung bei allen Soundbeispielen relativ weit aufgedreht, was man im Zusammenspiel mit einem 2 x 12 oder 4 x 12 Cabinet nicht braucht. Der Amp ist ab Werk so konzipiert, dass die Klangregelung bereits in der 12-Uhr-Position hervorragende Sounds generiert.

Der zweite Kanal beginnt nicht etwa dort, wo der erste Kanal Gain-mäßig aufhört. Auch hier lassen sich bei Bedarf weiche und leicht angezerrte Sounds realisieren, die denen des ersten Kanals in nichts nachstehen. Der Ton hat hier aber eine etwas mittigere und "marshallige" Färbung, die gerade bei hohen Verzerrungen eine bessere Durchsetzungskraft garantiert. Dabei steht der Gain-Regler gerade einmal auf 9 Uhr, Bass und Treble auf 15 Uhr und die Mitten auf 11 Uhr.

Mit der Strat kommt der Amp also bestens klar, aber wie verhält es sich mit einer Humbucker-Gitarre? Zu diesem Zweck habe ich meine Les Paul an den Kraftzwerg angeschlossen. Die Gitarre ist mit Dommenget-Humbuckern ausgestattet, die einen klassischen Output liefern. Wer eine Heavy-Klampfe mit einem Mörderoutput anschließt, wird hier noch weitaus bösere Sounds herausholen können. Der Gainregler steht auf 11 Uhr und es geht bereits mächtig zur Sache, was aber auch daran liegen kann, dass auch der Masterregler auf 11 Uhr steht. In vielen Situationen wie zum Beispiel bei einem eher gemäßigten Clubgig dürfte diese Einstellung schon zu laut sein.

Hier ein Setting mit mehr Gain, mehr Mitten und dem Tone/Drive-Regler auf 16 Uhr. Der Ton hat dabei neben mehr Gain auch mehr Mitten, mehr Kompression und etwas weniger Glanz. Der Grundsound ist aber klar erkennbar und bietet immer noch genügend Transparenz.

Für stark verzerrte Riffs mit einem offenen Sound, der mehr in die Marshallrichtung tendiert, sollte man den Tone/Drive-Regler und den Mittenregler nicht zu weit aufdrehen, weil gerade bei hohen Verzerrungen die Bratstufe nicht zu fett angefahren werden sollte. Allerdings ist das auch eine Frage der jeweiligen Gitarre, denn mit spitz klingenden Singlecoils braucht man eventuell das genaue Gegenteil. Hier ist also Fingerspitzengefühl angesagt und probieren geht ja bekanntlich über studieren.

Im Vergleich zum vorherigen Beispiel habe ich hier die Mitten und den Tone/Drive-Regler einen Tacken weiter aufgedreht. Der Amp hat definitiv das Zeug, auch die Herzen von Heavy/Rockern und Fusionflitzefingern zu erobern. Aber auch hier muss man wieder mit dem Tone/Drive-Regler aufpassen, denn gerade bei hohen Gaineinstellungen wird es mit dem Hals-Humbucker schnell matschig. Ich bin deshalb bis kurz vor den Punkt gegangen, an dem der Sound anfängt, fuzzy zu klingen, was man im letzten Drittel des Audiobeispiels gut hören kann.

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